Duggenstiftung

19. 03. - 22. 04. 2016

Erich Duggen
Frühe Arbeiten aus der Sammlung St. Peter-Ording
Altes Rathaus Garding

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der frühen Werke von Erich Duggen.

Sie stammen aus der Sammlung Duggen, die der Gemeinde St. Peter-Ording von der Familie Duggen übergeben wurde und die von Eckhard Kloth betreut wird.

Ausstellung „Der frühe Duggen“ im Alten Rathaus Garding

 

Im Jahr 1988 schenkte der St. Peteraner Maler Erich Duggen (* 1910 in Schleswig –

+ 1989 in Heide) der Gemeinde St. Peter-Ording sein Triptychon zu St. Peter. Das war mit Anlass für den heute ehemaligen leitenden Verwaltungsbeamten Eckhard Kloth, in Absprache mit den Gremien eine Gemeindegalerie aufzubauen. Den Anstoß dazu hatte ihm bereits 1984 Landrat Dr. Klaus Petersen mit dem Hinweis gegeben, Bilder von Friedrich Karl Gotsch zu kaufen. Unterstützung erhielt er damals von den Gemeindevertretern Günther Fisahn und Georg Panskus. Künstlerischer Berater ist seit Anbeginn Hans-Jürgen Krähe, der 1958 als Kunsterzieher an das Nordseegymnasium kam. Erich Duggen war 1934 zum ersten Mal in St. Peter gewesen und hatte sich nach seiner Heirat 1942 mit Käthe Jens hier nieder gelassen. Von 1947 bis 1964 war er als Kunsterzieher ebenfalls am Nordseegymnasium tätig und hat bis zu seinem Tod in St. Peter-Ording gewirkt und gelebt. Seinen umfangreichen künstlerischen Nachlass hat die Familie Duggen im Jahre 2014 der Gemeinde St. Peter-Ording für die Gemeindegalerie in Form einer Stiftung übertragen. Die Überlassungsvereinbarung beinhaltet vor allem, die Sammlung zusammen zu halten und einmal im Jahr eine Auswahl von Werken in einer Ausstellung zu präsentieren. Die Galerie vereint heute mit der Stiftung Duggen insgesamt etwa 1500 Exponate von fünfzig Künstlerinnen und Künstlern, die in St. Peter-Ording und Eiderstedt gemalt und gearbeitet haben. Es ist sicher die größte Sammlung eines Ortes an der Westküste. Zwei Aquarelle von Gotsch gehören auch dazu. Erich Duggen selbst hat noch mit geholfen, auch über die Galerie Tobien in Husum, einen Grundstock dafür zu schaffen.

 

Das berichtete Eckhard Kloth am 19. März anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Der frühe Duggen“ vor einer sehr großen Anzahl von Besuchern im Alten Rathaus der Stadt Garding, zu der der Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt eingeladen hatte. Dass dieser Verein die Ausstellungsreihe 2016 mit Werken eines nicht mehr lebenden Künstlers eröffnete statt mit denen eines zeitgenössischen Kunstschaffenden, ist der regionalen Bedeutung Duggens in Kooperation mit der Nachbargemeinde St. Peter-Ording zu verdanken. Deren Anliegen für diese Ausstellung ist man gerne nachgekommen. Karen Seggelke und Frauke Petersen von der Gruppe KunstKlima haben die Bilder gehängt. Sie hatten gemeinsam mit Hans-Jürgen Krähe die Auswahl getroffen.

 

„Duo Zweigang“ mit Gerd Beliaeff (Posaune) und Martin Sanders (Gitarre) sorgten mit atmosphärisch passendem Sound für den Auftakt der Gardinger Kunstsaison und musikalische Taktgaben zwischen den interessanten und auch launigen Redebeiträgen. Die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Andrea Gerdau begrüßte. Bürgermeisterin Astrid Kummerscheidt stimmte danach inhaltlich in die Ausstellung ein, indem sie die „Sensibilisierung der Sinne“ durch Kunst betonte. Mit berechtigtem Stolz, dass der FKE im Alten Rathaus der Stadt Garding sein Zuhause gefunden habe, sagte sie im Hinblick auf das Eröffnungs-Highlight: „Es ist stets etwas Besonderes, einer Veranstaltung in diesem schönen Atrium hier beizuwohnen.“ Bürgervorsteher Boy Jöns aus St. Peter-Ording war es vorbehalten, den Menschen und Künstler Erich Duggen, der auch im Hause seiner Eltern hoch geschätzter Gast war, vorzustellen. „Für mich war Erich Duggen der Inbegriff für Kunst und Kultur.“ Er dankte der Stadt Garding herzlich dafür, dass „dem St. Peteraner Künstler hier Raum gegeben wird“ und betonte zugleich, dass man sich in St. Peter die Schaffung eines galerieähnlichen Gebäudes auf die Fahne geschrieben habe. „Es ist geboten, dass wir das in St. Peter-Ording auch umsetzen“, setzte er unmissverständlich fort. Seinen Beitrag mit Blickrichtung auf die anwesenden Mitglieder der Familie des St. Peteraner Malers schloss er so: „Ich bin sehr glücklich, dass wir die Sammlung Duggen in die Gemeindegalerie haben aufnehmen dürfen.“ Zuvor hatte er bereits Eckard Kloth für seinen über drei Jahrzehnte unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz für die Zusammenstellung und Erweiterung sowie Archivierung der Gemeindegalerie einen großen und herzlichen Dank ausgesprochen. Darin eingeschlossen war Hans-Jürgen Krähe.

 

 

Die Eröffnung fand am 31. März ihre außerordentlich hochkarätige Fortsetzung mit dessen Vortrag unter dem Titel „Der frühe Duggen“. Dem ehemaligen Kunsterzieher gelang es in einmaliger Weise, den Künstler und sein Frühwerk nicht nur vorzustellen, sondern im Einklang miteinander in die Zeit- und Kunstgeschichte in Verbindung mit der Darstellung anderer Künstlerpersönlichkeiten so einzuordnen, dass man meinte, die Kunstrichtungen Realismus, Impressionismus und Expressionismus selbst miterlebt und Erich Duggen in seiner künstlerischen Entwicklung neben sich zu haben.- Der Vortrag ist hier im Jahrbuch www.jb-spo.de vollständig lesbar eingestellt unter „Extras“ und dann „Duggenstiftung“.

 

 

siehe auch im Jahrbuch St. Peter-Ording

  1. Bericht „Bilder von Erich Duggen für die Gemeindegalerie“(2015 Monat Juni)

  2. Hans-Jürgen Krähe: FESTREDE zur Übergabe der in der „Duggen-Stiftung“

    vereinigten Werke  (Extras / Duggenstiftung)

     

    Hans Jörg Rickert, 02. April 2016, Jahrbuch St. Peter-Ording

     

Altes Rathaus Garding

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der frühen Werke von Erich Duggen.

Sie stammen aus der Sammlung Duggen, die der Gemeinde St. Peter-Ording von der Familie Duggen übergeben wurde und die von Eckhard Kloth betreut wird.

31. März 2016 um 19:00 Uhr

 

Vortrag von Hans-Jürgen Krähe über den St. Peteraner Maler

 

„Der frühe Duggen“

 

anlässlich der Ausstellung vom 19. März – 24. April 2016 im Alten Rathaus Garding

über den St. Peteraner Maler

 

Erich Duggen

 

Frühe Arbeiten aus der Sammlung St. Peter-Ording

 

Ja, Erich Duggen gehörte zu St. Peter; hier lebte er über 40 Jahre. Es gab eine Menge Leute, die ihn als Maler kannten und schätzten, die wussten, dass seine Kunst eng mit St. Peter, vor allem mit seiner Landschaft am und vor dem Deich verbunden war. Sie kannten ihn aber auch als Mitbürger und viele auch als Lehrer, als Kunsterzieher am Nordseegymnasium St. Peter. Die Schüler, die sich gut an ihn erinnern und auch gern von ihm erzählen , sind allerdings heute schon 70 Jahre oder älter.- Erich Duggen ist 1989, kurz vor seinem 80. Geburtstag gestorben. Er war bereits 25 Jahre davor, 1964, wegen seiner Beschwerden aufgrund einer im Krieg erlittenen schweren Kopfverletzung pensioniert worden.

 

Wer sich für Duggens Kunst interessierte, der konnte seine Bilder auf vielen Ausstellungen sehen: In der Kieler Kunsthalle, im Nissenhaus in Husum, auch im Eiderstedter Museum in St. Peter und an mehreren anderen Orten in Schleswig-Holstein. Nun sitzen wir hier in der Ausstellung „Der frühe Duggen“, und so ist mein Vortrag auf den Plakaten auch angekündigt. Da wird uns bewusst, dass der St. Peteraner Maler Erich Duggen nur in seiner zweiten Lebenshälfte mit St. Peter verbunden war. Er hatte den Ort zwar schon vor dem 2. Weltkrieg auf einer Malreise besucht, dann 1942 nach seiner Verwundung auch in St. Peter geheiratet, aber wirklich wohnhaft wurde er hier erst nach dem Krieg.

 

An dieser Stelle aber möchte ich ein Wort über seine Frau einfügen. Duggen hatte Käte Jens, die Tochter des St. Peteraner Landwirts Peter Römer Jens, bei einem Malaufenthalt in Wittendün kennen gelernt. Frau Duggen stand ihrem Mann aufgeschlossen zur Seite, lenkte auch sein Auto mit dem Wohnwagen-Anhänger, wenn ihn seine künstlerische Neugierde in die Welt lockte.

 

Sohn Peter Duggen und später dann auch die Enkel kannten das umfangreiche Lebenswerk des Vaters und Großvaters. Ihrer Wertschätzung, auch der Gemeinde St. Peter-Ording gegenüber, verdankt unser Ort die Stiftung seines künstlerischen Nachlasses, aus dem auch die heutige Ausstellung bestückt werden konnte.

 

Die Auswahl der Bilder unter dem Arbeitstitel „der frühe Duggen“ geschah nicht zufällig. Die Beschäftigung mit seinem gesamten Lebenswerk zeigte eine Fülle von Arbeiten aus der ersten Lebenshälfte, und die Begegnung mit ihnen löste Respekt und Bewunderung aus. Wir konnten die Entwicklung des Künstlers von seiner Gymnasialzeit in Kiel über die Jahre seines Kunststudiums in Berlin und während der anschließenden künstlerischen Arbeit verfolgen.- Die hohe Qualität seiner Bilder wurde mir wieder bewusst, als ich zusammen mit Karen Seggelke und Frauke Petersen die Auswahl der Bilder festlegte. Da gab es kein Zögern und kein Bedenken: Duggens Kunst überzeugte von seiner frühesten Zeit an. Und er hat gut daran getan, so vieles sein Leben lang aufzubewahren.

 

Die hier gezeigte Werkreihe gibt uns aber auch Einblicke in die Zeitumstände, in die er schon als Schüler hineingestellt war. Sie boten wichtige Orientierung und Anregung. Das stand mir vor Augen und wurde mir immer stärker bewusst, als ich im letzten Herbst nach Berlin fuhr und die Ausstellung „Beckmann in Berlin“ sehen konnte. Max Beckmann und seine eindrucksvollen Bilder waren mir lange bekannt, auch ihre Besonderheit in der Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert. In Berlin nun wurde mir bewusst, dass mir der dort gezeigte Beckmann weitgehend unbekannt war, dass ich die dort ausgestellten Bilder wohl auch Beckmann gar nicht zugeordnet hätte, wo doch sonst ein kurzer Blick bestätigt: Das ist ein Beckmann! Da handelte es sich dann um Bilder aus seiner Zeit in Frankfurt am Main, um die Jahre der Emigration nach Amsterdam während der Nazizeit oder sogar um seine letzten Jahre in den USA nach dem 2. Weltkrieg. Die Ausführungen der Ausstellungsmacher in Berlin auf der Pressekonferenz machten klar: Die Ausstellung „Beckmann in Berlin“ war zugleich eine Ausstellung über den „frühen Beckmann“, und damit wurde erstmalig der Blick auf die Entwicklung dieses Malers gelenkt.

 

Da tat sich also für mich eine interessante Parallele auf: „Der frühe Beckmann“ und „Der frühe Duggen“. Die eine überraschende Ausstellung in Berlin – die andere ebenfalls überraschende Ausstellung in Garding. Durch beide Ausstellungen werden wir auf die kunstgeschichtlichen Entwicklungen hingeführt, in die beide Künstler hineingestellt waren.

 

Wir geraten nicht in Versuchung, die Bedeutung der Kunststadt Berlin mit der kleineren Kunststadt Garding gleichzusetzen. Und wir kennen auch die überragende Bedeutung Max Beckmanns, so dass wir hier keine Vergleiche bemühen wollen. Es ist aber zu bedenken, dass der Schriftsteller Siegfried Lenz über seinen geschichtlichen Roman „Heimatmuseum“ sagte: „In den kleinen Ereignissen in unserer unmittelbaren Umwelt erfahren wir anschaulich den Gang der großen Geschichte.“ Da wollen wir uns bei Garding und Duggen gern den kleineren Part zuschreiben. Es ist aber aufschlussreich, dass Beckmanns Entwicklung vor dem 1. Weltkrieg begann, die des jungen Erich Duggen danach, in den 20er und frühen 30er Jahren. Wir kennen die Bilder Max Beckmanns vor allem aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Duggens Kunst ist uns vor allem aus seinen Jahren in St. Peter, also nach dem 2. Weltkrieg bekannt geworden.

 

Beckmann wurde 1884 geboren; er war also eine Generation älter als Duggen, der 1910 in Schleswig geboren, dann aber in Kiel aufgewachsen war. Als Beckmann 1904 nach Abschluss seines Kunststudiums, vor allem in Weimar, nach Berlin übersiedelte, kam er in eine Stadt, in der die Kunstszene vom Impressionismus geprägt wurde. An ihrer Spitze stand Max Liebermann als Präsident der vormals revolutionären Berliner Sezession. Zu seiner Mannschaft gehörte übrigens auch der Eiderstedter Jacob Alberts, Bauernsohn vom Siekhof in Westerhever, der mit seiner Freilichtmalerei auf den blühenden Halligen in der deutschen Hauptstadt große Erfolge hatte. Auch Max Beckmann reihte sich ganz selbstverständlich in die damals moderne Kunstrichtung Impressionismus ein. Aber er spürte bald, dass dessen Zeit zu Ende ging. Neue Kräfte drängten in die Szene. Das waren nun die Revolutionäre, die Expressionisten. Sie setzten sich in Berlin fest. Das waren die jungen Mitglieder der Künstlergruppe „Brücke“, die aus Dresden kamen: Max Pechstein 1908, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner 1911, ebenso Karl Schmidt-Rottluff, der später das Brücke-Museum in Berlin gründete. Zu dieser berühmten Gruppe der „Brücke-Künstler“ gehörte zeitweise auch Emil Nolde, der als eine Art Speerspitze gegen Max Liebermann opponierte und öffentlich dessen Bilder in Misskredit zu bringen suchte: „Die Jungen erkennen, wie absichtlich das alles ist, wie schwach und kitschig nicht nur Liebermanns gegenwärtige Bilder, sondern auch so manche seiner früheren es sind.“- Das war allerdings auch eine Revanche für Liebermanns Attacken gegen Noldes Kunst, als der sein Bild „Pfingsten“, eines seiner später berühmtesten religiösen Gemälde, das sich jetzt in der Berliner Nationalgalerie befindet, für eine Ausstellung der Berliner Sezession eingereicht hatte. – Da befand Präsident Liebermann: „Wenn det Bild ausjestellt wird, lege ich mein Amt als Präsident der Sezession nieder.“ - Doch die Expressionisten gingen zuletzt als Sieger vom Platz, auch Emil Nolde.

 

Das Besondere bei Max Beckmann war nun, dass auch sein Weg von der impressionistischen Kunstauffassung abrückte, also von der farbigen Wiedergabe der Erscheinung der Dinge im Spiel von Licht und Schatten, weil ihm der bloße Augeneindruck nicht genügte. Dabei hatte Max Liebermann noch trotzig erklärt: „Nur der Schein trügt nicht!“

 

Aber Beckmann genügte dieser Schein nun eben nicht mehr. Das sagten auch die Expressionisten, und wir lernten es später schon in der Schule: Expression statt Impression – Ausdruck statt Eindruck. Und als Schüler waren wir leicht zu überzeugen, dass Ausdruck in der Kunst mehr bedeutet als Eindruck. Für die spätere Entwicklung, wie auch für den damals gerade zur Welt gekommenen Erich Duggen, wurde diese Entwicklung, für die mit an erster Stelle Max Beckmann steht, wichtig.

 

Für ihn wurde der Begriff „Realität“ zum Schlüsselbegriff. Beckmanns Vorbild wurde nach dem 1. Weltkrieg für eine Kunstauffassung wichtig, die sich wieder stärker dem Eindruck der Realität, insbesondere im Landschaftserlebnis, stellte. Die künstlerische Freiheit, eine Gestaltung aus der ganz persönlichen Empfindung, waren Errungenschaften, die vom Expressionismus übernommen wurden und nun auf eine neue Art weiterwirkten.- Es heißt, ein Künstler sei bei aller Individualität auch immer ein Kind seiner Zeit.-

 

Wir müssen uns wohl eingestehen, dass auch wir als Betrachter und als Kunstfreunde immer vom Zeitgeist geprägt sind. Das merken wir mit zunehmendem Alter immer stärker, weil wir Zeuge so mancher Sinneswandel, auch in der Kunst und Kunstbetrachtung, geworden sind.

 

Wir erlebten nach dem 2. Weltkrieg in der Hamburger Kunstschule, wo wir in der malerischen Ausbildung und in der kunstgeschichtlichen Unterweisung auf einen Kunsthistoriker stießen, der in den 50er Jahren einen starken Einfluss hatte. Das war Werner Haftmann, der auf eine ganz neuartige Weise die eigengesetzliche Entwicklung der zeitgenössischen Kunst vor Augen führte und dabei Wege bildnerischen Denkens mit verbaler Brillanz veranschaulichte. Ich glaube, dass sich keiner von uns seiner Wirkung entziehen konnte. Sie blieb ein Gewinn fürs Leben. Und trotzdem mussten wir erleben, dass neue Ideen und Ziele in der Kunst den großartigen Werner Haftmann überholten und zuletzt ins Abseits stellten. Aber es kann auch nicht schaden, seine Einschätzungen zu beachten. In seinem damals bahnbrechenden Buch „Malerei im 20. Jahrhundert“ schildert er den Weg zu einer Vorstellung von Kunst, die der junge Erich Duggen vorfand, als er in den 20er Jahren als Gymnasiast die ersten Vorstellungen von einer künstlerischen Arbeit entwickelte und zum Inhalt seines Lebens ausbaute.

 

Als Schüler der Kieler Gelehrtenschule ist bei Erich Duggen seine besondere Neigung zur Kunst schon früh erkennbar. Er erhielt Informationen und Anregungen. In der Kieler Kunsthalle und in der Universität gab es Vorträge über Kunst und Künstler. In seinen ersten Versuchen stand die heimatliche Landschaft Schleswig-Holsteins selbstverständlich im Vordergrund. Sie begegnete dem Gymnasiasten besonders überzeugend in den Bildern von Hans Peter Feddersen, der sich damals schon seit über 30 Jahre im Kleiseerkoog bei Niebüll niedergelassen hatte und dort in seinem Atelier Bilder von der nordfriesischen Marsch und Küste malte. Feddersen war Mitglied der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft und stellte seine Bilder in den Städten Schleswig-Holsteins aus, so z.B. 1928 in Kiel, als Duggen Abitur machte.

 

Feddersen genoss große Anerkennung, die übrigens auch heute noch lebendig ist. So gab es im vorigen Jahr eine wunderbare umfangreiche Hans Peter Feddersen-Ausstellung im Alkersumer Museum für die Kunst der Westküste auf Föhr. Mit Feddersen kam schon früh eine Ahnung von der modernen Kunstentwicklung in unsere Provinz. Er hatte eine intensive Ausbildung an den Kunstakademien Düsseldorf und vor allem Weimar hinter sich. Er beschickte auch die großen Ausstellungen in den deutschen Großstädten. Die Kieler Universität verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. 1926 wurde Feddersen Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

 

Als der 16jährige Duggen daran ging, eines der Landschaftsbilder Feddersens zu kopieren, geriet er von Anfang an auf den ihm gemäßen Weg. Das fand seine Bestätigung, als er nach Berlin an die Kunsthochschule ging. Duggen sprach immer mit Hochachtung von seinen Lehrern. Die Arbeiten des Kunststudenten, die hier am Anfang der Bilderreihe des „frühen Duggen“ stehen, zeigen die Breite der Ausbildung. Es gibt da Porträts nach gestellten Modellen, auch von Kollegen und Kolleginnen. Ein gemalter Frauenkopf zeigt die Modeattribute der 20er Jahre, der etwas Großstädtisches ahnen lässt, im Ausdruck aber Zurückhaltung und Unsicherheit zeigt. Das Bild lässt an den damals hoch geschätzten Porträtisten Berlins, Professor Konrad von Kardorff, denken, den Duggen gern als einen seiner Lehrer anführte.

 

Schon früh zog es Duggen in die Umgebung seiner Heimatstadt Kiel. Den ländlichen Motiven mit Bauernhöfen und Katen näherte er sich mit Pinsel und schwarzer Tusche und gestaltete damit die erdhafte Verbundenheit der einfachen Behausungen mit der Landschaft durch kraftvolle Akzente. Ähnlich wirken die Tuschezeichnungen Emil Noldes, die in der nordfriesischen Marsch entstanden. Wie hier, so hat Nolde auch im Hamburger Hafen das Erlebnis der vom Menschen geformten Natur im harten Kontrast von Schwarz und Weiß aufleuchten lassen. Das lief parallel zu Noldes malerischer Entwicklung, die ihn zu den leuchtenden Farben geführt hatte.

 

Bei aller Hochschätzung Noldes aber war das nicht Duggens Weg. Er suchte ja auch nicht das phantastische und religiöse Leben, sondern blieb von Anfang an bei einer verhaltenen Darstellung der erlebten Landschaft. Schon früh hatte er auf Malreisen die nordfriesischen Inseln aufgesucht. Ihre Motive reizten auch die zeitgenössischen Maler der Hamburger Sezession.- Eine andere Entdeckung durch etliche Künstler war die Kurische Nehrung. Der Name des Dorfes Nidden erhielt eine besondere Bekanntheit, die viele zum Aufenthalt dort anregte, auch als es nach dem 1. Weltkrieg litauisch geworden war.

 

Auch der junge Duggen ließ sich von den neuentdeckten Motiven der dortigen Dünen und den bizarren Segelformen der Kurenkähne anregen, wobei ihm sicherlich die expressionistischen Bilder der Brückemaler Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein vor Augen standen, ihn aber nicht zur Nachahmung verleiteten. Jetzt, als Duggen nach Berlin kam, hatte sich die Kunst dieser Expressionisten auch schon beruhigt. Auch die bedrückenden Erfahrungen des 1. Weltkriegs hatten ihre sehr individualistisch geprägte, hektische Formensprache in Frage gestellt. Eine Gegenreaktion zeichnete sich ab. Sie prägte die Landschaftsmalerei der neuen Generation, der ja auch Duggen angehörte.

 

Diese war getragen durch eine neue Art des Landschaftserlebnisses. Gerade in der Begegnung mit der Küstenregion der Nordsee fand eine tiefe Einfühlung in die Formen und Kräfte der Natur statt und suchte nach einer adäquaten bildnerischen Ausformung. Ihr entsprach eine Aquarelltechnik, bei der die Farbe im Auftrag auf angefeuchtetes Papier weich zerfloss, ohne ins Ungefähre zu verschwimmen. Immer blieb eine klare dynamische Formgebung für die Komposition bestimmend. Ähnlich hielten es die Hamburger Mitglieder der Sezession, die ihre Auffassung durch die für sie schwierigen Jahre der nationalsozialistischen Kunstpolitik hindurch bewahren konnten und nach dem 2. Weltkrieg als Lehrer an der Hamburger Landeskunstschule weiter vermittelten. In St. Peter wurden wir durch einen dieser Gruppe, nämlich Fritz Kronenberg, darauf hingewiesen, da er noch in den 50er Jahren gern in das Böhler Vorland ging und wunderbare Aquarelle malte. Von ihnen konnten wir auch Proben für die Sammlung unserer Gemeinde gewinnen.

 

Erich Duggen fand eine Bestätigung in der Künstlerfreundschaft mit Kieler Malern und Malerinnen, die sich sehr eindringlich mit der Nass-in-Nass-Aquarellmalerei auseinandersetzten und dafür auf ihren Malreisen gern Motive an der Eiderstedter Nordseeküste wählten. Duggen hat später voller kollegialer Anerkennung die Namen von Leonore Vespermann und Annemarie Ewerts, von Hans Rickers und Erwin Hinrichs genannt. Sie haben einen festen Platz in der schleswig-holsteinischen Malerei gefunden. Durch Duggen bildeten ihre Bilder den Grundstock für die bis heute gewachsene Sammlung der Gemeinde St. Peter-Ording.

 

Wie sehr sich Duggen während seiner Studienjahre in Berlin in der zeitgenössischen Kunst umsah, zeigen auch die Bilder mit der Eisenbahnüberführung und dem Obereiderhafen Rendsburg, die in seiner Bilderreihe fremd wirken. Auch dieser Beitrag wies auf die künstlerische Situation der 20er Jahre hin, als eine „Neue Sachlichkeit“ mit nüchterner Konsequenz auf die längst erzwungene Veränderung der Landschaft durch die Industrialisierung hinwies. Es soll daran erinnert werden, dass die deutsche Malerei Frankreich nicht nur den Impressionismus verdankte, sondern auch den Vorläufer, den wir als Realismus kennen.

 

Der französische Maler Gustave Courbet hatte mit seinen schonungslosen Wirklichkeitsschilderungen so viel Ablehnung erfahren, dass er seine Bilder neben der offiziellen Ausstellung zeigte und die Aufschrift „Realismus“ als Signal anbrachte. Als Schüler lernte ich Courbet durch eine große alte Reproduktion seines Bildes von den „Steinklopfern“ kennen, die er in ihrer angestrengten Tätigkeit in Hitze und Staub ungeschönt gemalt hatte, was einen Sturm der Entrüstung auslöste Die Dresdner Gemäldesammlung hat das Verdienst, dieses Bild 1904 neben Raffaels „Sixtinischer Madonna“ und Liotards „Schokoladenmädchen“ einzureihen, den damaligen Hauptanziehungspunkten der Bildungsreisenden. Von Dresden aus gelangten die „Steinklopfer“ über Reproduktionen in die Schulen, als sich in den 20er Jahren  unter der Härte der Lebensbedingungen der Blick auf die Arbeitswelt geschärft hatte.- Ich verdanke meinem Kunsterzieher, der wie Duggen Jahrgang 1910 und dessen Studiengenosse war, über dieses Bild die erste Ahnung von einer geistigen und inhaltlichen Entwicklung der Malerei.

 

Die Werkreihe der „frühe Duggen“ gibt uns neben der Betrachtung seiner Kunst auch eine Vorstellung von der Positionierung seiner Malerei in dem künstlerischen Umfeld, in das er durch seinen Lebensweg gestellt war. Wir freuen uns und sind dankbar, dass er sich in seiner zweiten Lebenshälfte in St. Peter niederließ und dem Ort einen künstlerischen Stempel aufdrückte. Nun haben wir auch neben dem Landesmuseum in Schleswig und dem Nissenhaus in Husum mit seinen Bildern einen Schatz im Gemeindebesitz.

 

Wir alle schulden dem Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt Dank, dass er die Ausstellung „der frühe Duggen“ in sein Programm aufgenommen hat. Es ist ein Verdienst, in die zeitgenössischen und aktuellen künstlerischen Aktivitäten, denen das „Alte Rathaus“ in erster Linie und mit Recht dient, eingereiht zu sein. Wir freuen uns, dass sie uns hier diesen Moment des Innehaltens, der auch eine sinnvolle historische Besinnung sein kann, ermöglichen.

 

Dafür Dank und aus St. Peter ein herzlicher Gruß an die „Kunststadt“ Garding vom „Kunstdorf“ St. Peter-Ording.

 

 

Hans-Jürgen Krähe  30.Mai 2015

 

FESTREDE

 

zur Übergabe der in der „Duggen-Stiftung“ vereinigten Werke

von Erich Duggen an die Gemeinde und Aufnahme in die Gemeindegalerie

im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung der Gemeinde St. Peter-Ording am 30. Mai 2015 im „Alten Rathaus

 

Erich Duggen

* 23. Februar 1910 in Schleswig; † 18. Dezember 1989 in Heide

 

Wir stehen hier inmitten einer Reihe von Bildern, die uns sofort dieses erkennen lassen:

Es sind vor allem Darstellungen unserer Eiderstedter Umgebung. Und in etlichen erkennen wir unseren Lebensmittelpunkt St. Peter-Ording.

Damit wird deutlich: Diese Bilder von Erich Duggen gehören zu uns; ja, sie machen uns unsere enge Verbundenheit mit diesem Ort und dieser Landschaft bewusst.

Wir haben also gute Gründe, uns an den Maler dieser Bilder zu erinnern.

Erich Duggen war der Künstler, dessen Leben und dessen Werk in vielerlei Hinsicht mit St. Peter-Ording verbunden war, und das über die Hälfte seines nahezu achtzigjährigen Lebens.

 

Blicken wir auf dieses Künstlerleben zurück, dann wird uns bewusst, dass es fast das gesamte 20. Jahrhundert umfasst, auch seine Geschichte, und – weil wir es vor allem mit einem Maler zu tun haben – auch mit der Kunstgeschichte dieser Jahrzehnte.

 

Am Anfang des 20. Jahrhunderts fehlten Erich Duggen allerdings zehn Jahre. Er wurde 1910 in Schleswig geboren, also noch in der Kaiserzeit. Als Kind erlebte er den ersten Weltkrieg, sicherlich nicht bewusst in allen seinen Ereignissen. Aber die Not der letzten beiden Kriegsjahre mag auch den siebenjährigen Jungen spürbar erreicht haben, ganz gewiss aber die kriegsbedingten Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre.

In diese Zeit fällt nun auch seine Schulausbildung, inzwischen in Kiel an der Gelehrtenschule, weil der Vater versetzt worden war. Hier machte Erich Duggen 1928 sein Abitur. Es waren aber auch Jahre, in denen Kunst und Kunstgeschichte den Gymnasiasten erreichten.

 

Inzwischen war in der kunstgeschichtlichen Entwicklung schon vor dem ersten Weltkrieg der Expressionismus entstanden. Besonders einflussreich waren die ausdrucksstarken Landschaftsbilder der Dresdener Maler, die sich in der Künstlergruppe „Brücke“ zusammen geschlossen hatten. Ihrer Wirkung und ihrem Einfluss konnten sich die folgenden Generationen kaum noch entziehen.

In den zwanziger Jahren war der Expressionismus bereits so weit in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen, dass auch in den Schulen der Kunstunterricht darauf einging. Die Begegnung mit expressionistischen Künstlern, hier in Schleswig-Holstein vor allem mit Emil Nolde und Ernst Barlach, prägte die künstlerischen Vorstellungen Erich Duggens und seiner Altersgenossen.

 

Sehr viel später wurde mir das in eigener Erfahrung bewusst. Mein Kunsterzieher an der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe wurde im selben Jahr 1910 wie Duggen geboren. Der erlebte in den zwanziger Jahren in Elmshorn einen Lehrer, der seinen Schülern seine Begeisterung für den Expressionismus vermittelte , wovon wir dann wieder profitierten. Wir mochten es allerdings fast nicht glauben, dass jener Elmshorner Deutschlehrer so weit gegangen war, seine Sohn auf den Vornamen „Barlach“ taufen zu lassen. Sehr viel später erfuhr ich dann hier in St. Peter, dass mir eine Schülerin unseres Nordseegymnasiums, die aus Elmshorn stammte, erzählen konnte, dass ihr Vater dort Klassenkamerad von Barlach Heuer gewesen war, und ihr ein Bild von ihm, der seit langem in Paris als Maler lebte, zur Konfirmation geschent hatte. Ich habe dieses Gemälde mit Ehrfurcht betrachtet. Dabei wurde mir bewusst, wie weithin künstlerische Vorbilder wirksam sind.

 

Als Erich Duggen sein Kunststudium 1929 in Berlin aufnahm, war die frühe Bekanntschaft mit expressionistischer Kunstauffassung bereits prägend, genauso wie für meinen späteren Kunsterzieher in Itzehoe, Max Karstens, der damals zusammen mit Erich Duggen studierte.

 

Spätestens in diesen Jahren des Kunststudiums zeigte sich die Begabung Erich Duggens, die wir in etlichen Bereichen der Duggen-Stiftung erleben. In diesen Arbeiten wird aber auch bereits deutlich, dass der junge Duggen früh in einer ihm gemäßen Thematik festgelegt war. Es zog ihn auf die nordfriesischen Inseln Sylt und Amrum. Dabei wirkte  gewiss auch das Vorbild der Expressionisten, und wir denken naturgemäß zuerst an Emil Nolde, die durch ihre Erlebnisse der Küste und des Meeres zu besonders überzeugenden Bildgestaltungen gelangten.

 

Will ich darauf hinaus, den Künstler Erich Duggen zu einem Vertreter des Expressionismus zu machen?-

Solch einfache Zuordnung wird ihm nicht gerecht, auch nicht der kunstgeschichtlichen Entwicklung der nachexpressionistischen Malerei. Aber die Begegnung mit der farbstarken und ausdrucksvollen Formbestimmung der Landschaftsbilder Emil Noldes oder Erich Heckels setzte eine intensive Begegnung mit den elementaren Kräften von Küste, Watt und Meer frei.

 

Wir wissen, dass die Entdeckung der schleswig-holsteinischen Nordseeküste für die bildende Kunst erst recht spät eingesetzt hat. Erst recht gilt das für Eiderstedt und St. Peter-Ording. Malreisen führten Erich Duggen schon bald nach seinem Studium auch in unsere Region. Er mag davon gehört haben, dass etwa der Kieler Friedrich Karl Gotsch von seinem Studienort Dresden her in den zwanziger Jahren St. Peter für sich und seine Kunst entdeckt hatte und etliche Sommer lang hier tätig war.

 

Beide, Duggen wie Gotsch, haben dann nach dem 2. Weltkrieg St. Peter als festen Wohnort bezogen, sind sich aber nicht nahe gekommen. Für Gotsch waren unser Ort und seine Bewohner im Grunde immer fremd geblieben. Er malte hier seine Bilder immer aus einer nie überwundenen Distanz, was aber den künstlerischen Rang seiner Kunst nicht etwa schmälert, ja vielleicht sogar zur Voraussetzung hat.

Duggen  verband sein Leben, und das nicht nur als Maler, mit unserem Ort mit der Gesamtheit seiner Persönlichkeit. Seine Malreisen nach St. Peter führten 1942 zur Heirat mit Käte Jens aus einer Eiderstedter Bauernfamilie in Wittendün.

 

Im Frühjahr 1948 wurde er Kunsterzieher am Gymnasium hier am Ort und blieb dort tätig bis zu seiner Pensionierung 1964. Die war vorzeitig notwendig, weil ihn die Folgen einer Kopfverletzung im 2. Weltkrieg zunehmend beeinträchtigt hatten.

In seiner Zeit als Kunsterzieher nahm er starken Anteil an der Entwicklung seiner Schule. Er setzte sich vor allem beim Bau der Schulgebäude ein und sorgte dafür, dass nach den frühen Jahren der Raum-Improvisationen als erstes der Flügel für den Kunst- und Musikunterricht fertig gestellt wurde. Es entsprach seiner kunstpädagogischen Überzeugung, dass in den eigentlichen Kunstunterricht die Arbeiten in kunsthandwerklichen Bereichen integriert wurden. Darum sorgte Duggen dafür, dass an die Räume für Kunst- und Musikunterricht Werkstätten für Tischlerei, Metallarbeiten, Töpferei und Weberei anschlossen.

StD a.D. Hans-Jürgen Krähe

Als ich 1958 als junger Lehrer an das Nordseegymnasium kam, war Duggens Pädagogik selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichtsalltags. Während der sechs Jahre gemeinsamer Schularbeit wurde ich mit seinen kunstpädagogischen Leitlinien vertraut und lernte von ihm eine fruchtbare Verbindung seiner künstlerischen Arbeit mit seinem Wirken als Kunsterzieher kennen. Duggen blieb auch als Lehrer immer künstlerisch tätig. Er schickte seine Bilder regelmäßig nach Kiel zur Landesschau und an andere Orte. Im Nissenhaus in Husum gab es noch zu seinen Lebzeiten umfangreiche Ausstellungen seiner Werke. Das Landesmuseum in Schloss Gottorf erwarb eine ganze Reihe seiner Bilder.

 

Wenn Erich Duggen mit seinem Aquarellblock vor den geliebten Motiven der Eiderstedter Küstenlandschaft saß, dann fühlte er sich Künstlerfreunden aus Kiel verbunden, die sich zu einer Kieler Werkgemeinschaft zusammen geschlossen hatten und vor allem als Aquarellmaler mit fließenden Farben den amphibischen Charakter unserer Wattlandschaften einzufangen suchten. Ich nenne an dieser Stelle die Namen Annemarie Ewertsen, Lore Vespermann, Erwin Hinrichs und Hans Rickers, weil wir Beispiele ihrer Malerei im Anschluss an die Duggenschen Bilder hier ausgestellt haben.

 

Ihre Arbeiten erschienen Duggen als so beispielhaft für die künstlerische Darstellung unserer Region, dass er vor etwa dreißig Jahren begann, Bilder dieser Künstlerkollegen seiner Generation für unsere Gemeinde St. Peter-Ording zu sammeln. Daraus erwuchs dann im Laufe der Jahre der breitgefächerte Bestand der Gemeindegalerie. Es gehört auch zu Duggens Verdiensten, dass er als Mitarbeiter aus der Gemeindeverwaltung Eckhard Kloth für seine Ziele gewann. So konnte auch nach Duggens Tod die Sammlung weiter wachsen.

 

Für den Beginn des 20. Jahrhunderts fehlten Erich Duggen zehn Jahre. Am Ende fehlten wieder zehn Jahre, denn kurz vor seinen Geburtstag, der in den Februar 1990 gefallen wäre, starb er.

Damit entfielen plötzlich und unerwartet fest geplante Ausstellungen im Husumer Nissenhaus und auch hier in St. Peter-Ording, denn selbstverständlich war die Mitarbeit Erich Duggens fest eingeplant, auch von seiner Seite. Immerhin konnte dann 1999 aus Anlass seines 10. Todestages im Eiderstedter Heimatmuseum eine eindrucksvolle Ausstellung vor allem seiner hervorragenden Aquarelle gezeigt werden.

 

Nun aber stehen wir heute vor seinem Gesamtwerk, seinem reichen künstlerischen Lebenswerk, das Bilder aus über 60 Schaffensjahren enthält, über 300 Ölbilder und noch viel mehr Aquarelle, die vom Sohn Peter Duggen und den beiden Enkeln Jan und Klas als Stiftung der Gemeinde übergeben worden sind.

 

Es gibt in unserem Ort niemanden, der sich bislang eine Vorstellung davon machen könnte, welche Vielfalt von Motiven, von Kompositionsvarianten und immer neuen Farbklängen sich mit diesen vielen Bildern auftut.

 

Die kleine Auswahl an Bildern aus diesem reichen Schatz der Duggen-Stiftung lässt ahnen, dass unserer Gemeinde ein beglückender Gewinn zu Teil wurde. Unsere Verbundenheit mit St. Peter-Ording, mit Strand, Deich und Dünen, auch mit unserer Eiderstedter Marschlandschaft, erfährt eine weitere Bestätigung. Im großen Triptychon mit den Tafeln zum Thema Deichbau und dem Mittelbild, das gesichertes, fröhliches und reichhaltiges Strandleben zeigt, hat Duggen sein Vermächtnis geschaffen und der Gemeinde geschenkt.

 

Wir schulden Erich Duggen Dank für seine lebenslange Leistung als Künstler in St. Peter-Ording.

 

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Text: Georg Panskus JB-2011
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Gemeindegalerie erhält Werke des Künstlers Erich Duggen

 

03. Juni 2015, hjr

 

Die Familie Duggen hat der Gemeindegalerie St. Peter-Ording das Erbe des Künstlers Erich Duggen übertragen. Anlässlich der Übernahme des sehr umfangreichen Nachlasses, darunter ca. 300 Ölbilder und zahlreiche Aquarelle, hatte die Gemeinde zu einem Empfang in das „Alte Rathaus“ in der Badallee eingeladen, in dem derzeit ein Teil der Bilder von Erich Duggen ausgestellt ist. Hans-Jürgen Krähe, Studiendirektor a.D. und seit 1958 bis zu seiner Pensionierung Kunsterzieher am Nordseegymnasium, davon die ersten sechs Jahre Kollege von Erich Duggen, würdigte den Künstler und sein Lebenswerk.

 

Erich Duggen wurde am 23. Februar 1910 in Schleswig geboren und erhielt in Berlin von 1928 bis 1933 seine künstlerische Ausbildung. Mit der Künstlergruppe „Kieler Werkgemeinschaft“ – sie galt als „Vertreter der Kategorie Kunst an der Nordseeküste“ - kam er 1934 erstmalig nach St. Peter. Hier blieb er dann, hatte er doch in Käthe Jens seine spätere Ehefrau gefunden. Nach Gründung des Nordseegymnasiums war er dort bis 1964 Kunsterzieher. Aus gesundheitlichen Gründen schied er vorzeitig aus dem Dienst. Fast 80jährig verstarb er am 18. Dezember 1989. Erich Duggen hat sich dem Ort und Eiderstedt in verschiedener Weise gestellt. Die Vielzahl von Motiven seiner Bilder zeigt das.

Bürgervorsteher Boy Jöns hatte in seiner Begrüßung Erich Duggen bereits als den Künstler bezeichnet, dessen Leben und Werk mit St. Peter-Ording verbunden ist. Ein großes Dankeschön richtete er an die Familie, vertreten durch Peter und Dagmar Duggen sowie deren Sohn Jan, für diese Überlassung des Nachlasses in Form einer Schenkung: „Das ist ein Schatz von großem ideellem und zudem auch nicht zu unterschätzendem finanziellen Wert.“ Die Überlassungsvereinbarung beinhaltet vor allem, die Sammlung zusammen zu halten und einmal im Jahr eine Auswahl von Werken in einer Ausstellung zu präsentieren.

 

Jöns würdigte die Arbeit des ehemaligen leitenden Verwaltungsbeamten Eckard Kloth, der seit 1988 unermüdlich für den Aufbau der Gemeindegalerie gewirkt hat. Da hatte Erich Duggen der Gemeinde seinen Triptychon zu St. Peter geschenkt. Die Galerie vereint heute Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die in St. Peter-Ording und Eiderstedt gemalt und gearbeitet haben. Mit der Sammlung Duggen sind es nun etwa 1000 Werkstücke größeren und kleineren Formates.- Boy Jöns äußerte in seiner Begrüßung die Verwirklichung eines „Hauses der Kunst“ zwecks dauerhafter Präsentation von Werken aus der Gemeindegalerie. In St. Peter-Ording ist das ein schon länger gehegter Traum.

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© Georg Panskus