St. Peter-Ording - Zur Geschichte

Wichtige historische Daten über den Ort

 

Wichtige historische Daten über den Ort-
Zahlenchronik für St. Peter und Ording
2. Jahrhundert
Umenfunde in Brösum
8.u.9. Jahrh.
Siedlung Wittendün, Spuren der wikingerzeitlichen Häuser, erste friesische Einwanderung in Eiderstedt

 

Schleswigsche Obrigkeit bis 1544

 

Schleswigsche Obrigkeit bis 1544
12. Jahrh.
Zweite friesische Einwanderung christlicher Friesen. Ringbedeichung der Harde; Holm ist noch eine Insel, Bau der Kapellen St. Peter (Ulstrup), St. Nikolaus (Ording) Sancta Maria (Süderhöt)
1103 Bau der Tatinger Kirche von Wittendün aus.
Christliche Friesen besiedeln die drei Harden, nachdem die 13 Leibgardisten die Gebiete der Uthlande zugesprochen bekommen haben (Siehe Harden). Sie holen ihre Leute aus den Frieslanden und beginnen den Deichbau: Ringebedeichung
1131 Erste urkundliche Erwähnung der Insel Holm
1187 Erste Erwähnung der drei Harden Tribus navigiisjucta Edoram
1198 Schimpfbrief von Papst Innozenz III gegen die Mißbräuche in den Uthlanden
1252 Kampf gegen König Abel bei Oldenswort (Chronicon)
1350 1347-50 Pest in Europa;
1350 Pest in Eiderstedt
1362 Erste Manndränke
1367 Geleit- und Schutzbrief der Hamburger mit Holm (Urkunde)
1373 Geleit- und Schutzbrief mit Ulstrup - St. Peter Erste urkundliche Erwähnung von St. Peter
1421 Zuversichtsbrief der Lübecker Kaufleute für eine Strandung in Süderhöft
1403- 1430 Höhepunkt der Dithmarscher Fehde 1426 &"Krone der Rechten Wahrheit"; Eiderstedter Erbgesetze
1444 Beliebung "Umme Seefundt"; (Strandrecht) 1445 Revolte gegen den Amtmann Otto Spliet in St. Peter <
1447, 1480, 1508, 1550 Klageschriften der Dithmarscher und Eiderstedter
1489 Dreilande werden die Halbinsel Eiderstedt durch den Bau des Dammkooges. <
1535 Erstes erhaltenes Dematregister von St. Peter und Ording 1542 Verluste durch Sturmflut in Ording und Süderhöft

 

Die gottorfsche Zeit 1544 - 1713

 

Die gottorfsche Zeit 1544 - 1713
1558 Aufgabe der Süderhöfter Kapelle
1593 Ording bekommt das Kirchspielsrecht, d.h. wird eigene Verwaltungseinheit, wahrscheinlich aufgrund des Baues der 2. Kirche.
1624 1. Eindeichung der Kirchenleye.
Der Deich bricht 1625 wieder ein.
162? Brand des Pastorats in Ording
1634 2. Mandränke mit großen Verlusten an Menschen, Vieh und Land
643 Deichbruch im Westmarker Deich, drei Wehlen entstehen (Vielleicht handelt es sich bei dem Datum um eine Verstellung in der Urkunde: 43 statt 34).

 

Die dänische Zeit 1713 - 1864


1724 Versetzung der Ordinger Kirche um 800 in nach Osten auf den jetzigen Platz.
1771 Bau des Hamkensschen Pastorats auf der Bövergeest. (Der Vater war Pfennigmeister, der Sohn Lehnsmann, der 2. Sohn Pastor. Sie erhielten den Spitznamen: Vater, Sohn und Heiliger Geist)
1825 Sturmflut mit drei Ertrunkenen in Ording; die Jetzige Deichlinie im Norden entsteht. Neubau des Pastorats und der Schule in Ording
1840 Die Kirchenleye wird endgültig eingedeicht. Es entsteht der Ketelskoog. Die Helden von St. Peter: Dittmer Steffens und Jens Hans Jens werden bekannt.
1853 Bau der "Lüttschool"; im Dorf
1860 Beginn der Anpflanzungen des Waldes in St. Peter, um die Dünen zu befestigen. Erweiterung der Kirche in St. Peter, Abriss des Glockenturms.

 

Die preußische Zeit 1864 - 1918; Weimarer Republik

 

Die preußische Zeit 1864 - 1918; Weimarer Republik, Drittes Reich

1933 - 1945, Kreis des Landes Schleswig-Holstein.
1868 Pastor Henning wird Pastor für beide kirchlichen Gemeinden, Ording und St. Peter.
1877 Bau des 1. Hotels an der Nahtstelle zwischen St. Peter und Ording, das "Strandhotel"
1894 Bau der Meierei,
1974 Abriss der Meierei
1909 Bau der "Chausee"; - Badallee vom Dorf bis ins Bad,
1911 von Bad bis nach Ording.
1913 Gründung des Sanatoriums &"Goldene Schlüssel"; durch das Ärzte-Ehepaar Dres. Felten.
1925 Elektrizität kommt nach St. Peter.
1926 Bau der 1. Seebrücke, die im selben Winter wieder durch eine Eisflut zerstört und
1927 sofort wieder aufgebaut wird.
1927 Bau der Lesehalle im Bad (heute Die Insel).
1932 Eisenbahnanschlu&szlig; bis St. Peter-Ording
1939 - 45 Zweiter Weltkrieg. St. Peter und Ording werden Aufhahmestätten für Ausgebombte, Alten- und Mütterheime, Lazarette und evakuierte Schulen. Der Ort ist zwischen 1945 und 47 um 200% überbelegt.
1952 Bau der neuen Seebrücke
1954/5 Bau der Kanalisation
1957 Das erste Kurmittelhaus wird errichtet und der Anschluss an die Wasserleitung erfolgt.
1958 Schwefelquelle wird gefunden;
1962 Eine Sturmflut setzt das Bad unter Wasser; Erneuerung der Deiche im Süden des Ortes; Süderhöft 1976
1962/4 Bau einer Entlastungsstraße, der "Eiderstedter Straße";.
1967 Zusammenlegung von Ording und St. Peter zu einem Amt. 1968 Eröffnung des Meerwassserwellenbades
1968 Bau der "Bongossi-Brücke" - neu gestaltete Buhne
1972 Erste Ampelanlage im Ort
1976 Sturmflut, drohender Deichbruch in Süderhöft
1978/9 Schneekatastrophe; St. Peter-Ording ist drei Tage abgeschnitten.
1985 Das Nationalparkgesetz tritt in Kraft.
1990 St. Peter-Ording erhält Erdgas und Kabelanschluß.
1997 "Jan und Gret"werden aufgestellt in Zusammenhang mit der neuen Marktplatzgestaltung.
1998/9 Erhöhung des Ordinger Deiches
2005 Bau der neuen Seebrücke
2008 Beitritt der Gemeinde zum Amt Eiderstedt
2008 Neue Erlebnis-Promenade

Statistik:
1900 St. Peter ca. 800 Einwohner, Ording ca. 130
2000 St. Peter-Ording 4200 Einwohner 3000 Zweitbohnungsbesitzer
1200 Arbeitnehmer pendeln aus Eiderstedt nach St. Peter-Ording zu ihrer Arbeitsstätte
200 Arbeitnehmer kommen aus Dithmarschen
200 Arbeitnehmer aus St. Peter-Ording haben außerhalb des Ortes ihre Arbeitsstätte

Dank an Claus Heitmann von der AG-Ortschronik für den größten Teil der Daten!

Wahrzeichen St. Peter-Ordings sind die Pfahlbauten

Pfahlbauten – überall auf der Welt sind sie etwas Besonderes. Sie stehen in exponierter Lage, an einem See, im Flussdelta, am Meer. Sie drücken den Willen des Menschen aus, die widrige Natur zu überlisten, zu meistern. Im weiten Wattenmeer stehen sie so hoch über der Sandbank, dass die hohen Flutwellen sie nicht erreichen können. Menschen, Hab und Gut sind sicher. In St. Peter-Ording stehen sie für Stranderlebnis, Wattenmeer, Badesicherheit, Gaumenfreuden, Entspannen, Filmkulisse

Am Badestrand vom Bad und Ording war es ihre erste Aufgabe, die Badekarren abzulösen. Sie dienten als Umkleidekabinen. Um sie nicht ständig auf- und abbauen zu müssen, stellte man sie auf Pfähle, damit die Spring- und Sommerfluten sie nicht beschädigen konnten. Das reichte auch für die übrigen normalen Fluten. Doch stärkeren Sturmfluten und Eisgang waren sie nicht gewachsen.
Aus schmerzlicher Erfahrung wurde man klug. Man lernte die Dicke und Höhe der Pfähle so zu verändern, dass sie auch diesen Gefahren standhielten. So brachte man zuerst auch schrägstehende Pfähle an, die sowohl zur Stabilität als auch zur Abwehr von Eisschollen beitragen sollten.
In Ording fuhr man mit dem Badekarren auf die Sandbank und von dort ins Wasser. Schon 1905 zog man sich in einem Pavillon auf niedrigen Pfählen um.

Auf der einsamen Sandbank, unter heißer Sonne wollten auch unsere Urgroßmütter oder Großmütter nicht auf Erfrischungen verzichten und unsere Urgroßväter oder Großväter bestanden darauf, sich vor Erkältungen und mieser Laune mit „Gegengift“ (Rum, Schnaps und anderes mehr) zu schützen. Man stelle sich vor, vom Hotel im Bad aus durch die Dünen und den noch niedrigen Kiefernwald bis zum 1911 errichtetem Kinderheim Köhlbrand zu spazieren. Männer mit Strohhut und Sommeranzug, die Frauen mit langen Röcken, Bluse und Sonnenhut. Dann schritt man auf die schier endlos erscheinende Sandbank hinunter und war froh, nicht mehr all zu lange durch den losen, heißen Sand laufen zu müssen, denn die „Giftbude“ wartete schon mit Erfrischungen und „Belohnungen“ auf die Strandwanderer. Weit und breit nichts anderes ringsherum zu sehen, als Sand, in der Ferne Wasser, Dünen und einige vom Wind gebeugte Kiefern, wenige andere Gäste. Eine Idylle, die sich schnell als Geheimtipp herumsprach.
1911 wurde die erste „Giftbude“ (Erfrischungshalle) auf der Sandbank vor Ording errichtet, Die Bezeichnung Giftbude bezieht sich auf das althochdeutsche Wort gift (Gabe, Geben), das sich auch im englischen gift (Geschenk) erhalten hat.). Schon bald rankten sich Geschichten, Lieder und Grüße auf Postkarten um diesen legendären, seltenen Pfahlbau. Auch damals wusste man zu feiern und zu genießen.
Um den Wünschen der Gäste gerecht zu werden, errichtete man in den Folgejahren Badekabinen als Pfahlbauten im Bad, dann mit zunehmender Vermietung auch am Strand von Böhl und am Südstrand/Dorf. Darin oder in einem Extra-Pfahlbau versorgte man die Gäste. Im Bad entstand so der Vorläufer zur heutigen Arche Noah, allerdings noch auf sehr niedrigen Pfählen. Die Fluten holten sich denn auch ihren Teil der Pfahlbauten.

Wer vor hundert Jahren seine Ferien in St. Peter-Ording verbringen wollte, konnte mit der Bahn bis Garding fahren, ließ sein Gepäck in eine Kutsche laden und ließ sich nach Sankt Peter – das heutige Dorf – fahren. Von dort befuhr die Kutsche die neue Chaussee, die ins Bad und weiter bis Ording führte.
Das erste Hotel, das „Strandhotel“ – heute „luv und Lee“, wurde 1877 in den Dünen zwischen den Kirchspielen St. Peter und Ording gebaut. Der schönste Strand lag direkt vor dem Hotel – heute Buhne und Deich. Erst allmählich entwickelte sich rund um das Hotel der Ortsteil Bad. 1895 kam der erste Führer für das Nordseebad Sanct Peter und Ording heraus. 1909 baute man eine Chaussee vom Dorf ins Bad. Zwei Jahre später wurde das Bad auch mit Ording verbunden.
Gebadet wurde direkt vor den Hotels und Pensionen etwa in Höhe des heutigen Deiches. Man lag in den Dünen und bei Flut konnte man in dem Priel baden. Davor lag eine Sandbank, auf die man bei Flut mit dem Boot übersetzten konnte.

100 Jahre Pfahlbauten 1911 - 2011

An fünf Badestellen findet man sie: in Böhl, in Süd (Dorf), im Bad, in Ording-Süd und in Ording-Nord.

Es sind ganz besondere 'Service-Stationen'.
Zu ihnen gehören nämlich jeweils ein Restaurant ( in Böhl, in Süd/Dorf, im Bad, in Ording-Süd und Ording-Nord),
eine Badekabine (Badeaufsicht und DLRG mit Funkgerät und Rettungsboot), eine öffentliche Toilette und viele Strandkorbpodeste.

Wie hoch das Wasser bei den Sturmfluten stieg, kann man an den Flutpfählen, die an den Strandüberfahrten stehen, genau ablesen.


Lesen Sie auch:   100 Jahre Pfahlbauten hier zum Herunterladen als pdf-Datei

jb-2011-s-122-135.pdf
PDF-Dokument [9.5 MB]

Pfahlbau - Malermotiv und Filmkulisse

Ob als Motiv für Fotografen und Maler oder als Filmkulisse, die Pfahlbauten auf den weiten Sandbänken St. Peter-Ordings ziehen die Blicke magisch an. Die flachen Sandbänke und der Meereshorizont bieten nur wenige Ruhepunkte für die Augen und deshalb bleiben sie natürlich an den Bauten auf den hohen Pfählen haften.

Erich Duggen: „Strandleben in St. Peter-Ording“

Erich Duggen: „Strandleben in St. Peter-Ording“, 1984/88 auf Öl/Hartfaserplatte (122x150) Geschenk des Künstlers und seiner Ehefrau - Foto- G. Panskus - mit frdl. Genehmigung der gemeindl. Kunstsammlung z. Hd. Eckard Kloth - Foto: G. Panskus

Welch ein herrliches Sommerbild!
Blauer Himmel mit kleinen aufsteigenden und sich dann wieder rasch auflösenden Wolken. Ein nicht zu starker Wind, der für wehende Fahnen und kleinere Wellen sorgt. Eine kleine Badeinsel, ein Floß, weiter draußen, auf dem sich die Schwimmer ausruhen oder wieder mit neuem Elan ins Meer stürzen. Badende auf Luftmatratzen oder in Gummibooten, Jungen mit kleinen Segelbooten spielend, insgesamt ein buntes Gewimmel im Wasser! An der Flutkante sieht man die gestreiften Segel der Strandsegler und die hellen Strandkörbe, auch auf den Podesten.

Schon bis zu dieser Schilderung des Bildes wird deutlich, dass es sich nur um den Strand von St. Peter-Ording handeln kann, denn wo gibt es sonst Segeljachten auf dem Sand und Strandkörbe auf Podesten? Auch der Pfahlbau links im Bild, die Badeaufsicht, erkenntlich an dem roten Warnballon, weist unverkennbar auf unseren Strand hin. Rechts im Bild der schlichte Pfahlbau der Toilettenanlage. Links von der Mitte - im goldenen Schnitt etwa, der große, etwas überhöht dargestellte Pfahlbau der „Arche Noah“. Erkennbar durch den Aufsichts- und Aussichtsturm an seiner rechten Seite, den es damals ebenso wie die Badeinsel gab. Dann weit dahinter, aber dennoch gut sichtbar, die „modernen“ Neubauten des Bades.

Die langen, gekräuselten Drachenschwänze in der Luft bringen noch einmal zusätzliche Bewegung ins Bild. Hier wird der Sommer genossen. Hier möchte man am liebsten mitbaden! Schreie, Juchzer, die gegen die Badeinsel klatschenden Wellen, die knatternden Fähnchen kann man deutlich hören. Riechen Sie auch das salzige Nordseewasser, vermischt mit dem Duft nach Badeöl und Sonnencreme?

 

 

Erich Duggen: „Deichbaustelle Dorf“, 1957/58, Öl/Hartfaserplatte (90,5*101,5) und
„Deichbaustelle Bad“, 1952/87 Öl/Hartfaserplatte (90,5*101,5) -
Fotos: G. Panskus - mit Genehmigung der gemeindl. Kunstsammlung z. Hd. Eckard Kloth

Erich Duggen: „Strandleben in St. Peter-Ording“

Dieses mittlere Bild eines Triptychons mit dem Titel „St. Peter-Ording“ malte der 1910 geborene und 1989 verstorbene Kunsterzieher und Maler Erich Duggen aus St. Peter-Ording in den achtziger Jahren.

Er hat, stark verdichtet, die Badefreuden eines herrlichen, unbeschwerten Sommertages am Strandabschnitt Bad, dominiert von dem Pfahlbau „Arche Noah“, eingefangen. Das Bad war die größte Badestelle und in den fünfziger Jahren standen dort über 600 Strandkörbe! Es verkörperte für ihn das St. Peter-Ording für Gäste und jung gebliebene Einheimische.

Ebenso wie man beim Anblick der Pfahlbauten auch an die rauen Sturmfluten denken muss, so rückte Erich Duggen auf den beiden anderen Bildern seines Triptychons den Deichbau in den Vordergrund, der erst das unbekümmerte Leben und Schaffen dahinter ermöglicht. Zum einen ist die Deichbaustelle Dorf zu sehen, etwa auf Höhe der Deichüberfahrt zum Südstrand. Im Hintergrund ist der Böhler Leuchtturm zu erkennen ohne die inzwischen hoch gewachsenen Bäume, die ihn heute schon fast verdecken.
Zum anderen ist der Bau der Buhne im Bad auszumachen. Die alte Holzbrücke steht noch. Sie wurde zur selben Zeit, 1952, durch eine breitere Brücke auf Stahlbeton-Rammpfählen mit obenliegenden Betonplatten (Betonbrücke), die man gleich daneben baute, ersetzt. Gut zu erkennen ist die Teersiederei, denn der gesamte Deichabschnitt wurde mit Teer abgedeckt, Klei und Grassoden waren damals zu teuer.

 

Strände mit Pfahlbauten – eine einmalige Filmkulisse

Dass die Strände mit ihren Pfahlbauten eine einmalige Kulisse darstellen, sprach sich auch in Film- und Fernsehkreisen und in der Modefotografie herum. 1968 drehte der junge Jürgen Roland die Kriminalromanze, wie er den Film nannte, „Einer fehlt beim Kurkonzert“ unter anderem auch auf der Sandbank im Bad. Peter Putz in der Hauptrolle als Kommissar Klipp, Lale Andersen als seine Geliebte Agathe Brocksieben und Jana Novakova, der Jürgen Roland damals eine große Karriere voraussagte. Sie wurde drei Tage nach der letzten Synchronisation von ihrem Ehemann aus Eifersucht erschossen, eine makabre Parallele zu der Filmstory, in der Eifersucht auch ein wichtiges Motiv war. Ein erstochener Playboy hält nämlich Kommissar Klipp schwer in Atem. Gleich sieben Verdächtige stehen auf seiner Liste und eine davon ist seine eigene Geliebte. Als Kurarzt fungierte der damals bekannte Ralf Wolter (Er hatte den sympathischen Trapper Sam Hawkens, den treuen Begleiter der beiden Helden Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker) gespielt.)

 

Zeitungsausschnitt 1968 -Bruno Penz; Foto: G. Panskus
„Oben: Leo Klipp (Hans Putz, li) und die knurrige Schwester (Hela Gruel) schaffen Dr. Eisenreich (Ulrich Beiger) zum Kurarzt.“
„Links: Gespannt beugen sich Jana (Jana Novakova) und Harald (Jürgen Draeger) über das kleine Mädchen, das beinahe in der See ertrunken wäre.“ - Der „behandelnde“ Bademeister ist Bruno Penz.

Als „Bademeister“ durfte der richtige Bademeister Bruno Penz mitspielen. Seine Rolle bestand aus einer Durchsage am Strand und einem Wiederbelebungsversuch. Damit Bruno Penz beim Wiederbelebungsversuch in das Bild der nah herangeführten Kamera passte, musste er seine Arme anwinkeln. Er protestierte: „So macht man das nicht! Was meine Kollegen dazu sagen werden, weiß ich jetzt schon.“ Es half nichts, die Szene wurde so gedreht, dass sie „reinpasste“. Später erhielt Bruno Penz prompt das passende Schreiben seiner DLRG-Kollegen aus Wilhelmshaven: „Du weißt ja noch nicht mal, wie…“

Georg Panskus

Der Strand verändert sich

Bild:AG-Ortschronik

Pfahlbauten und Seebrücke als Wahrzeichen St. Peter-Ordings sind mittlerweile fast ebenso bekannt wie der Westerhever Leuchtturm als Wahrzeichen des Nordens. Das Fernsehen trägt wesentlich dazu bei, denn die Standbilder mit den Pfahlbauten vor den Nachrichten oder dem Wetterbericht haben einen hohen Wiedererkennungswert.

So wie oben auf dem Bild promenierte man in den dreißiger Jahren auf der Seebrücke zur Sandbank.

Im Hintergrund der Badestrand an den Dünen, wo sich heute der Deich befindet
 

 

Bild: AG-Ortschronik

Aus der Geschichte des Nordseebades

Strände verändern sich - Alles ist im Fluss, alles verändert sich, nichts bleibt so wie es ist. Dies gilt für jede Küste, denn Wasser, Wind und Temperatur (Eis) treiben die Erosion voran, Küsten formen sich ständig neu. Steine werden ausgehöhlt, Muscheln zerrieben, Sedimente und Sand abgelagert, vom Wind verweht. Wer kennt sie nicht, die unterschiedlichsten Küstenformen von den Felsenriffen, den Steilküsten bis zu den weitläufigen Schlick- oder Sandwatten des jungen Randmeeres des Atlantischen Ozeans, unserer Nordsee.

Von Friesland(Niederlande) über Ost-Friesland bis zu uns nach Nordfriesland und weiter nach Dänemark zieht sich diese einzigartige 450 Kilometer lange flache, weitläufige Küste, das Wattenmeer, hin. Nicht umsonst ist dieses großartige Filtersystem, diese Kinderstube für Fische und andere Meeresbewohner unter Schutz gestellt worden mit dem Nationalpark Wattenmeer. Mit über 2.000 Tierarten, rund zehn Millionen Zugvögeln, die hier jährlich Rast machen, gehört das Wattenmeer zu den 120 Nationalen Naturlandschaften Deutschlands. Nun wird die Anerkennung als Weltnaturerbe angestrebt. Das Wattenmeer würde damit in den Kreis der anerkannten einmaligen Natur-gebiete aufgenommen. Dazu zählen unter anderem die Galapagos-Inseln und der Grand Canyon.

Und mitten in diesem Nationalpark, der 1985 beschlossen wurde, standen die Pfahlbauten von St. Peter-Ording, wurden Strandabschnitte als Parkplätze für Autos genutzt. Wie konnte das geschehen? Wie immer ganz einfach: Es hat sich so entwickelt.

 

Bild: AG-Ortschronik

Badestelle im Ortsteil Bad

Gebadet wurde am heutigen Deich. Die ersten Hotels standen im Ortsteil Bad. Der eigentliche Strand im Bad befand sich am heutigen Deich. Dort konnte man bis 1926 baden und sich in die Strandkörbe an den Dünen legen.

Einen Dünenrest gibt es noch heute östlich von der Buhne, wo bis vor wenigen Jahren auch noch Strandkörbe standen. Das heutige Vorland gab es in dieser Ausdehnung noch nicht.

Um 1900 standen fünf Hotels im Bad. St. Peter galt wegen seines Inselklimas als gesund. So schreiben Claus Heitmann und Marianne Oppel in ihrem Buch “Kleine Geschichte von St. Peter-Ording”:”...so profitierte der Ort vor allem von der Cholera, die um 1890 in Hamburg herrschte. Um nicht krank zu werden, kamen viele Hamburger nach St. Peter, die Vermietungszeit verlängerte sich beträchtlich. Es bewahrheitete sich der Spruch:”Des einen Tod, des anderen Brot”. Durch starke Mundpropaganda in Hamburg ... wurde St. Peter schon bald zum Geheimtipp,”

1895 kam der erste Führer für das Nordseebad Sanct Peter und Ording (Dr. Scheby-Buch) heraus, im dem die Heilkraft des Nordsee-Urlaubes beschrieben wurde.

 

 

Baden auf der vorgelagerten Sandbank -

die Pfahlbauten


Zu der dem Bad vorgelagerten Sandbank kam man bei Flut nur mit Booten. Natürlich mussten die Gäste auf der Sandbank auch betreut werden. Also baute man eine große Badekabine mit Kabinen zum Umziehen und Toiletten. Sie wurde auf Pfähle gestellt, damit sie nicht von der Flut weggespült werden konnte. Auch ein Strandcafé, die "Arche Noah", entstand, allerdings war dieser Pfahlbau niedriger als die Badekabine.

Die erste Seebrücke 1926

Erst 1926 baute man unter der Regie des damaligen Badekommissars Freiherr von Wechmar die erste Seebrücke und den kleinen Lesesaal, die heutige "Insel".

Von den Dünen, dem eigentlichen Badestrand, flanierte man über die Brücke zur Sandbank. Über dem Priel hatte man die Brücke höher gebaut, damit Fischkutter und Segler hindurch fahren konnten. Zwei Anlegetreppen führten zum Priel für Hallig- und Helgolandfahrten vorgesehen. Beim Blick zurück von der Brücke erkennt man auf den Bildern den Dünenstreifen mit den Strandkörben. Wo hier bei Flut zwischen Sandbank und dem Bad nur Wasser zu sehen war, ist inzwischen alles verlandet. Nur einzelne Priele sind noch zu sehen, die allerdings in den letzten Jahren wieder breiter geworden sind.

Nicht nur Sturmfluten, auch der Eisgang im Winter machte den Pfahlbauten und der Seebrücke zu schaffen. Man baute nach dem Eiswinter 1927, der Teile der Brücke zerstörte, die Brücke etwas höher wieder auf und brachte sogenannte Eisabweiser an der Brücke und den Pfahlbauten an.

 

Bild: AG-Ortschronik

 

Das Badeleben spielte sich vornehmlich im Ortsteil Bad ab

Dass die meisten Badegäste sich im Ortsteil Bad aufhielten hing nicht nur mit den Hotels und den Privatquartieren zusammen, die man dort vorwiegend fand, sondern auch mit den Anreisemöglichkeiten.

Die Anreise mit dem Auto oder dem Bus lag noch in den Anfängen. Ab 1900 führte die Eisenbahn bis Garding und nur noch die letzte Strecke war mit der Kutsche oder dem Auto zu bewältigen. Die schwierige Anfahrt durch die Kirchenleye (heute die Eiderstedter Straße und der Alte Badweg) wurde erst 1909 mit einer Klinkerstraße befestigt, die man den "Hungerleidern", den Hoteliers nun endlich zugestand. 1913 kam das Ehepaar Drs. Felten nach St. Peter-Ording. Sie bauten das Sanatorium "Goldene Schlüssel". Damit wurde die heilsame Wirkung des Inselklimas offenkundig und zog wiederum mehr Gäste an. 1932 wurde die Eisenbahnstrecke bis Ording erweitert, so dass jedermann bequem in den Ortsteil Bad und Ording kommen konnte. Das Dorf hatte sich selbst "ausgesperrt", denn man wollte die Bahn nicht im Dorf haben und deshalb lag der Bahnhof "Süd" für damalige Zeiten weit ab.

Der Badestrand vor dem Ortsteil Bad war der bekannteste und auch der am meisten besuchte Strand bis Ende der sechziger Jahre.

Aus Sandwatt wurde Vorland

In den vierziger und fünfziger Jahren veränderte sich der Strand. Immer mehr Vorland bildete sich direkt vor dem Bad, so dass man bald nur noch auf der Sandbank baden konnte. Damit wurde die Seebrücke für das Badzentrum immer wichtiger.

 

Kirchenführer - St. Peter-Kirche - 2010

von Hans Peter Honecker, Pastor i. R.

 

v. li.: Jan Peter Thomas, Pastor i.R. Hans Peter H

 

„Mit so viel Geld hatte ich nicht gerechnet!“ Pastor i.R. Hans Peter Honecker war freudig überrascht, als er bei der Vorstellung seines Kirchenführers für die St. Peter-Kirche einen höheren Betrag(800,-) als ursprünglich angekündigt vom Verein zur Förderung des Eiderstedter Brauchtums durch Jan Peter Thomas entgegennehmen konnte. Ebenfalls großzügig hatten schon Karsten Johst und Clemens Grosse für die Interessengemeinschaft Dorf e.V. und Claus Heitmann für die AG-Ortschronik je 500 Euro gespendet. Daneben waren auch noch vier weitere kleinere Spenden eingegangen. Da die Druckkosten damit bezahlt werden können, kann nun jeder Käufer eines Kirchenführers mit seinen drei Euro die Kirchenmusik direkt unterstützen. Der neue Kirchenführer soll nicht nur Einheimischen und Gästen zur Orientierung dienen, sondern eben auch Geld für den Verein zur Förderung und Pflege der Kirchenmusik bringen.

Mit Hilfe eines Beamers zeigte Pastor i.R. Honecker, wie er den Kirchenführer gegliedert hat und wie er gelesen werden kann. Auf 48 Seiten sind in aller Kürze und Eindringlichkeit die Bestandteile in und an der Kirche aufgeführt und erläutert. Neben einer Kurzübersicht für den eiligen Besucher sind in den verschiedenen Kapiteln die einzelnen Gegenstände näher erläutert. In der Rubrik „Weiterführendes und Nachdenkliches“ wird zum Beispiel auf das verloren gegangene Jesuskind in der Darstellung von Christi Geburt im Altar hingewiesen. „Der Kirchenbetrieb läuft…., doch Jesus ist weg und keiner merkt’s! Welch eine Botschaft! Und gibt doch tröstlichen Sinn:“Wär‘ Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir, so wärst du doch verloren!“(Angelus Silesius).“ Auch durch diese kleinen Anmerkungen wird dieser Kirchenführer zu einem wahren Kleinod.

Eiderstedts ältester Altar nimmt als großes Bild die Mitte der Broschüre ein: Dreiflügelig, auf Goldgrund, geschnitzt in Husum. Die schönen, viele versteckte Details zeigenden Fotos stammen von Pastor Honecker und Dr. Eberhard Kolb. Überraschend die Bilder von der hervorragend bemalten, aber leider schon sehr zerkratzten Rückseite des Altars. Auch auf die 1999 gelungene Wiederherstellung des Glockenturmes, Klockstapels, der 1861 abgerissen wurde, ging Pastor Honecker ein. Er dankte noch einmal der AG-Ortschronik und den anwesenden „Holzbearbeitungsrentnern“, denn erst mit dem neuen Glockenturm konnten die Glocken aus der Kirche geholt und die vierte Orgel eingebaut werden.

Der Kirchenführer wird in der Kirche und in einigen Geschäften ausliegen. Pastor i.R. Honecker:“Der niedrige Preis ist nur dank der Spenden möglich, eine gelungene Gemeinschaftsaktion!“

 
 
Autor: Hans Peter Honecker
Erschienen: Dezember 2010
Preis: 3 Euro - diese 3 Euro gehen als Spende an den "Verein zur Förderung und Pflege der Kirchenmusik- Orgelbauverein e.V. St. Peter-Ording"
Erhältlich in der St. Peter-Kirche.

Kirche St. Peter - der neue (alte) Glockenturm

 

 

Der Glockenturm an der Kirche St. Peter sollte 1998 gebaut werden. Leider verzögerte sich dieses Vorhaben durch die plötzlich notwendig gewordene Schwammsanierung der Deckenbalken in der Kirche. Erst im Frühjahr 1999 konnte mit dem Bau begonnen werden.

 

 

Frühjahr 1999:
Inzwischen ist das Fundament an der Kirche fertig.

 

 

Der untere Teil des Turmes, in den die Glocken aufgehängt werden, steht auch schon auf dem Bauhof zum Abtransport bereit. Die Spitze ist zur Zeit in Arbeit. (Fotos: Dr. Kolb)

 

Das gibt es in diesem Jahrhundert bzw. Jahrtausend nur dieses eine Mal in St. Peter-Ording zu sehen:
Ein Glockenturm/Glockenstapel wird errichtet und auf sein Fundament gesetzt.

 

Der Turm
Hözerne Glockentürme, "Klockstapel", prägen die Eiderstedter Landschaft, seit es hier Kirchen gibt. Und das ist immerhin schon seit 1103 (!) der Fall. Es sollen einstmals bis zu sechsundzwanzig Kirchen gewesen sein, von denen heute noch achtzehn stehen. Die fehlenden Acht haben sich das Meer und der Sand geholt. Inzwischen sind allerdings in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts bekanntermaßen wieder zwei Kirchen dazugekommen, die beiden katholischen: St. Ulrich in St.Peter-Ording und St.Paulus in Tönning.

Am Anfang, also vor nun bald neunhundert Jahren, hat man die Kirchen zuerst aus Holz gebaut. Aber die "sind bald vergangen", steht in den alten Urkunden. So haben wir seit nun etwa achthundert, also seit der romanischen Epoche, Kirchen aus (Back-) Stein) hier in Eiderstedt. Der Zwischenchor in der Kirche St.Peter, zwischen den beiden Bögen, stammt noch aus jener Zeit. Dabei soll die Nordwand unverändert sein, über acht Jahrhunderte hinweg!

Bei den Glockentürmen hat sich die Holzbauweise noch lange erhalten, bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein. Dann hat man fast alle die altehrwürdigen "Klockstapel" abgebaut. Heute stehen "dran". Wir wissen nicht genau, warum. War er reparaturbedürftig? Oder fiel er einfach einer "Mode" zum Opfer? - Jedenfalls hat man damals den kleinen Dachreiter im Westen der Kirche errichtet und die Glocken in den Dachstuhl gehängt. Das Ergebnis kennen Sie: es läutet nun vor allem in der Kirche und nicht mehr draußen. Außerdem werden Dachstuhl und Orgel durch die Schwingungen beim Läuten erheblich belastet. Nun soll also das Rad der Geschichte an diesem Punkt zurückgedreht werden.

Die Planungen laufen auf Hochtouren. Mit den Bodenuntersuchungen für die Fundamentierung ist bereits begonnen worden. Es hat ein Entwurf das Rennen gemacht, der die alte und die neue Zeit verbindet: Die Grundform ist von den alten Eiderstedter "Klockstapeln" übernommen. Unten jedoch bleibt der Turm offen, um ihn als Werk einer anderen Epoche erkennbar zu machen. ( Das wurde geändert - der Turm ist ganz verkleidet!) Anm. G.Panskus

Kern und Lastträger der Konstruktion ist ein Balkengerüst, das zugleich auch als Glockenstuhl dient. Außen wird das Ganze mit Brettern verschalt, das Dach mit Holzschindeln gedeckt. Kugel und Blitzableiter krönen das Bauwerk.

Der Entwurf des Architekten Bertram Steingräber aus Plön hat allgemeinen Anklang gefunden, wenn es diese Lösung auch nicht erlaubt, einen zusätzlichen Abstellraum (und der ist für Kirche, Gemeindehaus und Friedhof dringend nötig) zu schaffen. - Vorteil dieser Lösung ist, daß mit dem offenen Durchgang die Gräber rundum besser zugänglich bleiben. Vor allem aber stand der Gedanke Pate, der Kirche als dem Hauptgebäude durch die "Leichtfüßigkeit" des Turms das eigentliche "Gewicht" in der Gesamtansicht zu lassen.

Was uns aber am allermeisten freut, ist dies, daß die AG-Orts-Chronik die Errichtung des Turms zu ihrer Sache gemacht hat. - Das trägt ein Stück mehr dazu bei, daß sich der ganze Ort das Turmprojekt zu eigen macht, mit allem was daran hängt. Ganz ähnlich wie der Ort zuvor das Projekt "Jan und Gret" angenommen hat und auch die Erneuerung der Orgel seit Jahren auf das Großzügigste unterstützt.- Wir danken den Mitgliedern der AG Orts-Chronik mit ihrem Vorsitzenden Claus Heitmann ganz besonders. Und danken allen, die uns bei diesem in finanziell schwieriger Zeit natürlich nicht einfachen Unternehmen geholfen haben und helfen, Wir danken Ihnen im Einzelnen wie auch manchen Gruppen, - und nicht zuletzt der Gemeinde St.Peter-Ording mit Bürgermeister und Mitarbeitern. Kurverwaltung und Gemeinde haben sich bereit erklärt, ihre Hallen für das Zimmern des Turmes zur Verfügung zu stellen. Auch das ist eine ganz große Hilfe.

Mit das Schönste aber ist die Bereitschaft der vier "Holzbearbeitungrentner" (so haben sie sich in dem Schreiben der AG Orts-Chronik selbst genannt), drei Zimmerleute und ein Tischler, die zur Errichtung des Turms erforderliche Arbeitsleistung kostenlos zu übernehmen und damit einen erheblichen Teil der Leistung der AG-Orts-Chronik zu erbringen. Wir freuen uns darüber sehr und danken besonders! Die letzte Verantwortung für den Bau bleibt damit natürlich bei dem Architekten Steingräber aus Plön und der Zimmerei Renfranz aus Witzwort, in deren Namen der Bau ausge-führt wird. Wir stellen Ihnen die vier Holzbearbeitungsrentner vor: Karl Heinz Hansen, Karl Heinz Peters, Karl Wiese, Fritz Fock Wir danken nocheinmal und wünschen den Bauleuten viel Glück, vor allem aber einen unfallfreien Fortgang der Arbeiten .

Im Übrigen wird der Turm in der Halle auf dem "Reißboden" vorgearbeitet und dann an seinem künftigen Standort im Südosten der Kirche (auf dem kleinen Berg) zusammengesetzt. (Auch hier eine Änderung: Der Turm wurde auf dem Bauhof der Gemeinde zusammengesetzt und wird mit seinen zwei Teilen per Kran auf das Fundament gestellt.) Anm. G. Panskus

Die Spitze soll dann als Ganzes aufgesetzt werden, per Kran. - Das ist insgesamt eine ganz schöne Herausforderung an die Handwerker, und natürlich eben darum auch besonders reizvoll. Wir rechnen mit der Fertigstellung spätestens im Herbst dieses Jahres. Die Ma&sße des Turms: H&öhe: 11,65 m , mit Kugel und Blitzableiter ca. 3 m mehr. Breite: 5,00 x 5,00 m im Quadrat, Höhe der Dachtraufe: 6,75 m Glocken: 4, wie bisher.

Autor: Pastor Honecker, St. Peter-Ording, 1998

Heute ist der Turm nicht mehr wegzudenken!

 

Kirche Ording - Gemeindehaus- Kirche St. Peter (ohne Glockenturm)

 

Kirche in Ording - Sankt Nikolai

Ansicht von Südwesten

Innenraum der kleinen Ordinger Kirche

Malerei an der gewölbten Holzdecke

Unter der LANDSCHAFT Eiderstedt

versteht man eine Verwaltungseinheit.
Sie reichte von St. Peter-Ording im Westen bis nach Koldenbüttel (vor Friedrichstadt) im Osten.
Innerhalb dieser Verwaltunsgeinheit Eiderstedt gab und gibt es einige Besonderheiten, die natürlich auch von der geographischen Landschaft geprägt sind.

 

Der Westerhever Leuchtturm wurde 1906 erbaut.
Auf einer 4 m hohen Warft wurden 127 lange Eichenpfähle eingeschlemmt und ein Betonsockel gegossen. Auf einem gemauerten Sockel wurde der Turm aus 608 miteinander verschraubten 130 Tonnen schweren gußeisernen Platten montiert. 41,5 m ragt es über den mittleren Tidehochwasserspiegel. Innerhalb des Turmes befinden sich neun Stockwerke. Im Jahre 1908 wurde das Leuchtfeuer in Betrieb genommen.
Von vornherein waren für den Westerhever Leuchtturm zwei Leuchtturmwärter vorgesehen. Die Kohlebogenfeuer machten es notwendig, da alle neun Stunden "rund um die Uhr" Magazinwechsel war.

Die Stromversorgung war von Anfang an mit Dieselmotoren und Aggregaten gesichert, wobei die Batteriezellenwartung sehr aufwendig war.

1951 wurde der Leuchtturm per Erdkabel ans Netz der Schleswag angeschlossen, ein Notstromaggregat blieb natürlich.

Ab 1975 brauchte man nur noch einen Wärter. Die neuen Xenon-Lampen machten eine Teilautomatisierung möglich.

Die Leuchttürme in Büsum, St. Peter-Ording, Westerhever, Husum (Seezeichen), Dagebüll, Pellworm und Föhr werden in bestimmten Intervallen von einem Drei-Mann-Team (Elektroniker, Elektriker) aufgesucht. Der vorgeschriebene Lampenwechsel wird durchgeführt, die Anlage wird durchgecheckt, Optik und Laternenverglasung werden ebenso wie der gesamte Turm saubergemacht.
Kontrolliert wird heute alles über Computer. Eine Störung wird auf dem Bildschirm sichtbar. Sie kann zum Teil auch per Computer wieder behoben werden, da im Leuchtturmfeuerwesen alles gedoppelt wird.

Der Turm war für die Leuchtturmwärter auch letzte Zuflucht bei Sturmfluten. Er steht auf 127 Kieferpfählen mit einem Durchmesser von jeweils 30 cm und einer Länge von je 7,75m. Darüber ist der Betonsockel von 1,50m Dicke und für den Turmaufbau hat man Gußstahlplatten benutzt.

Bei der Sturmflut 1962 wurde die Warft stark beschädigt. Die Gefahr der Unterspülung der Häuser war und ist gegeben. Bei der Sturmflut 1976 stand das Wasser bis zur Turmtür! Das muß man sich mal vor Ort ansehen! In den letzten zwanzig Jahren hatten wir aber nicht mehr so oft Landunter und auch nicht so starke Herbststürme, gefährlicher waren in diesen Jahren die Februarstürme!

Die Wärter lebten wie auf einer Hallig! Bei Landunter konnte man nicht weg. Und sonst mußte alles über den "Stockensteig" mit dem Fahrrad oder Moped zum Deich gefahren werden. Damals gab es den Betonweg noch nicht!

 
 

 

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Der Haubarg ist das Wahrzeichen der Landschaft Eiderstedts und Ausdruck der wirtschaftlichen Blüte des 16. und 17. Jahrhunderts.


Im 16. Jhd. hat er mit der Einwanderung von Holländern in Eiderstedt Einzug gehalten.

Vorher war das friesische Langhaus die normale Hausform, deren kleinste Ausführung die Kate ist. Der Haubarg ist ein Ein -Haus - Hof, dessen Kern aus dem Vierkant besteht.

 

 

4, 6, 8, selten auch 10 Ständer bilden das tragende Gerüst.
Er ist ein relativ billiges Gebäude gewesen, da es auch mit den Materialien der Landschaft (Reet, Lehmsteine) hergestellt werden konnte. Nur das Holz, vor allem die Ständer und die Dachbalken, mußte von Schweden, Norwegen oder Polen eingeführt werden, anfangs Eiche, später Kiefer.

Den Namen Haubarg kann man deuten als das Bergen des Gehauenen=Ernte (Heu oder Getreide), die Grundbedeutung ist Scheune, denn der Ausgangspunkt ist wahrscheinlich das holländische Barghus. Erst zusammen mit dem Friesenhaus ist daraus das große Wohngehöft der Eiderstedter geworden.

1795 gab es (nach Volckmar) noch über 400 Haubarge in Eiderstedt, von denen heute nur noch 40 in der ursprünglichen Form vorhanden sind. Viele stehen unter Denkmalschutz.

 

Der bekannteste Haubarg ist der "Rote Haubarg", der nicht rot, sondern weiß ist. Die Herkunft und Entstehung des Namens ist noch nicht völlig geklärt. Er beherbergt heute ein Museum und ein Restaurant.

_______________________________________________________________________________________________

Der Stockensteig

 

Die Eiderstedter Landschaft ist von Gräben durchzogen und der Boden besteht aus einem Kleiboden, der im Sommer steinhart sein kann und im Winter schlammig, tief und rutschig.

Um in der nassen Jahreszeit über die Gräben zu kommen und trockenen Fußes den Weg zur Schule und zur Kirche zu schaffen, waren die Kirchspiele verpflichtet, die Wege und die kleinen Brücken in Ordnung zu halten, so daß jede Frau und auch jedes Kind sicher zur Schule bzw. zur Kirche gelangen konnte.
Der Bauer selbst ging vielleicht öfter mit seinem Klootstock querfeldein und sprang über die Gräben.

Die Stege waren aus Klinkersteinen gelegt, führten mit einer schmalen Planke, die einen leichten Handlauf hatte, über den Graben. An den Hecks gab es die Umsteiger, um von einer Fenne zur anderen zu kommen, ohne das Heck öffnen zu müssen.

Für die Pflege und Beaufsichtigung machten die großen Kirchspiele einen Stockrichter verantwortlich.

Da z.B. auch die Tatinger von einem Stockensteig nach Tönning profitierten, wurde oft hartnäckig um die Anteilkosten, die die einzelnen Kirchspiele zu zahlen hatten, gestritten.

Der Bau der Straßen und dann der Bau der Eisenbahn machten diese Fußwege überflüssig.
In den letzten Jahren sind alle öffentlichen Fußwege in Eiderstedt eingezogen worden.

(Mit freundl. Genehmigung des Autors Claus Heitmann)

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Die Hitze

 

Hitze=Sandbank

So wie es Flurnamen gibt,so gibt es auch Bezeichnungen für die Sande und Platen vor der Küste, die allgemein Sandbänke genannt werden.

Die Sandbank vor St. Peter-Ording hieß früher die Hitze, und da man dort Strandgut finden konnte, nannte man die Strandläufer auch die Hitzlöper.

(Anmerkung: Die Strandbahn ist danach benannt worden.)

Das wertvollste Strandgut war der Bernstein, mit dem schon früh gehandelt wurde: Der Bernstein war das Gold des Nordens.

Auch wenn manchmal große Stücke gefunden wurden, leben konnte man von der Sammelei nicht.

(Veröffentlichung mit freundl. Genehmigung des Autors Herrn Claus Heitmann: Eiderstedter Hefte 1)

"Hitzlöper" sieht man frühestens zwei Stunden nach der Flut an "ihren" Stellen und besonders dort suchen, wo die Wellen kleine Holzstückchen (schwarzer Grummel) angeschwemmt haben. Bernstein schwebt etwas im Wasser und sinkt nur langsam zu Boden, so dass beim allmählichen Zurückgehen des Wassers, der Bernsatein in den Sandrillen hängen bleiben kann.

 

 

Die Ersten fahren mit dem Fahrrad und sehen natürlich auch nur die großen Stücke,
die weiteren Hitzlöper suchen schon mit gebeugtem Rücken und viele sind sie auch mit kleinsten Körnchen zufrieden.

Posaunenchor

Posaunenchor - Leitung: KMD Christoph Jensen


25 Jahre - ein Vierteljahrhundert. Eigentlich ist das nicht viel. Anderswo gibt es Posaunenchöre, die sind weit über hundert Jahre alt. Aber man muß ja mal anfangen ...

Weihnachtsmarkt 2009

Im November 2000 .... von Hans Peter Honecker

Fünfundzwanzig Jahre, das ist aber zugleich auch sehr viel, - 'in einer schnelllebigen Zeit wie der unseren. In großartiger Beständigkeit haben die Bläser daür gesorgt, daß das "Blech" aus der Gemeinde überhaupt nicht mehr wegzudenken ist. Gottesdienst und Bläsermusik wie auch das Singen der Kantorei, die gehören untrennbar zusammen. Besonders an den Festtagen: Kein Weihnachten, Ostern, Pfingsten, keine Konfirmation ohne Posaunenchor oder Kirchenchor! Das gilt aber auch für viele Gottesdienste an "normalen" Sonntagen. Dazu die Konzerte!

Gar nicht wegzudenken ist der Posaunenchor auch, was die hohen Geburtstage und Ehejubiläen der Gemeindeglieder angeht. Ab "85" kommen die Bläser zu einem Ständchen und haben damit vielen Menschen schon eine große Freude gemacht. Außerdem natürlich bei Goldenen und Diamantenen Hochzeiten. - Da würde etwas fehlen, wenn es das nicht gäbe.

Begonnen hatte es alles im Spätsommer 1975. Da saßen nach einem Aufruf 'in der Zeitung vierzig (!) Bläser-Anwärter ganz verschiedenen Alters im Gemeindesaal und hielten ein Mundstück in der Hand, darunter viele Familien. Etwa Familie Remmer, die inzwischen in Husum wohnt (und immer noch bläst!), zu fünft! Das war noch im "alten" Gemeindehaus an der Badallee. "Mit Mundstück" saßen sie da, weil es so viele Trompeten, Posaunen und Hörner zuerst gar nicht gab.

Den Anfang gemacht hatte auf eine Anregung von Pastor Honecker hin der Diakon Klaus Baumann, damals "Bezirksposaunenwart" in Eiderstedt. Dem haben wir bis heute viel zu danken. Das ganze erste Jahr hat er die Mühe der Anfangsausbildung auf sich genommen. Ganz wesentliche Hilfe, vor allem auch in der Schulung der Anfänger (und der Chorleiterin!) hat der Landesposaunenwart Johannes Oldsen geleistet, der eigens dafür oft und oft von Plön nach St.Peter-Ording kam. Pastors Ehefrau Gisela Honecker hat mit beider Unterstützung dann die Leitung übernommen und vom ersten &ouml;ffentlichen Blasen Pfingsten 1976 im Gottesdienst in der Kirche St.Peter an &uuml;ber Viele Jahre eigenverantwortlich beibehalten. Samt Ausbildung der Anf&auml;nger! Die beiden S&ouml;hne Hans und Jörg waren natürlich mit von der Partie. In großer Treue von Anfang dabei auch Ute von 0ldenburg. Von denen, die heute noch mitblasen, sind sehr früh schon dazu gestoßen auch George Ewert (der einzige damals, der Blasen nicht erst hier gelernt hatte), Marei Bundschuh und Edda Schütze.


Eine ganz wichtige Zäsur ergab sich, als 1983 Kantor Christoph Jensen nach St.Peter-Ording kam und - selbst Bläser "von Kindesbeinen" - die Leitung auch des Posaunenchores übernahm. Ihm und seinem unverdrossenen Mühen mit den "Laienmusikern"verdankt der Posaunenchor eine ' hohe musikalische Qualität. Das kann man nur mit großer Anerkennung sehen.

Die Bläser sind in diesen fünfundzwanzig Jahren aber nicht nur fester Bestandteil des Lebens in der Gemeinde und am Ort geworden, sondern auch viel in der Welt herum gekommen. Nicht erst im Zeichen der "Globalisierung", die von jeher der Kirche ein selbstverständliches Wesensmerkmal war. Da gehören Menschen aus allen Völkern zusammen. Grenzen zählen nicht. Das ist eine Offenheit, die den Bläsern manche beglückende Erfahrung gebracht hat. Zumal alle diese Fahrten, "Bläserfreizeiten", immer Besuche bei Gemeinden waren und darum intensive persönliche Begegnungen brachten.

So gab es Fahrten zu verschiedenen Orten in Deutschland: Weserbergland, Harburger Berge, Schwarzwald, Spessart, Westerwald und Teutoburger Wald. Und weite Fahrten zu der kleinen Minderheit der den Evangelischen in Spanien (im Baskenland), zu der schon sehr viel größeren Minderheit der Hugenotten, der Reformierten in Südfrankreich und am Genfer See. Bis nach Tansania führten die Reisen. Nicht zu vergessen die Partnergemeide in Steinhagen bei Stralsund, zu der bereits zu Zeiten von Mauer und Stacheldraht Bläserkontakte bestanden, - und heute natürlich erst recht bestehen. Und nun in den letzten Jahren sehr bewegend die Begegnungen mit unseren unmittelbaren Nachbarn im Osten, den "Böhmischen Brüdern" (und Schwestern!), das sind die Evangelischen in Tschechien und mit Evangelischen Gemeinden in Polen, besonders in Pommern, Danzig, Masuren. &Uuml;berall haben die Bl&auml;ser in Gottesdiensten und Konzerten geblasen.

Posaunenchor 2000: Christoph (Chorleiter) und Myriam Jensen, Gisela und Hans Peter Honecker, Boyke Stien, Matthias Hoedtke, Marei Bundschuh, George Ewert, Edda Schütze, Brigitte Streichert, Wolfgang Beushausen, Conny Peters (geb. Bury), Carsten Brinkmann, Ute von Oldenburg, Peter Buchwald, Sonja Matzky-Ellers, Welf Kraas.

St. Peter-Kirche - Orgel

 

1998 Der Neubau unserer Orgel

Am 20. April 1998 beginnt die erste Bauphase mit dem Abriß der jetzigen Orgel und dem Transport ihrer wiederverwendungsfähigen Teile in die Orgelbauwerkstatt.
Unsere Orgel ist bereits seit Jahren klanglich und technisch in einem schlechten Zustand. Schon 1988 riet der Orgelsachverständige der Nordelbischen Kirche der Kirchengemeinde in einem Gutachten, die Orgel von Grund auf zu erneuern.

Eine neue Dimension bekam das Projekt mit der Entscheidung, die Glocken vom Dachboden der Kirche wieder in einen Glockenturm neben der Kirche zu hängen und die Empore ganz neu zu gestalten.

Dadurch wird viel Platz geschaffen und wir erhalten nun die Möglichkeit, ein ganz neu konzipiertes Instrument in die Kirche zu bringen, das den vielfältigen Belangen der Kirchenmusik in St. Peter entspricht.

Als Kur- und Badeort will St. Peter-Ording auf dem kulturellen Sektor für Einheimische und Gäste attraktiv sein und bleiben. Dazu gehört auch eine Orgel, die im Ort und in der Region eine Besonderheit darstellt. Das Konzertleben, aber auch das Musizieren in Gottesdiensten und Amtshandlungen wird durch das neue Instrument neue und entscheidende Impulse erhalten.

 

 

Die neue Orgel wird von der Orgelbaufirma Christian Lobback aus Neuendeich bei Hamburg gebaut. Herr Lobback ist ein renommierter Orgelbaumeister und hat mit seinem fünfzehnköpfigen Team schon viele bedeutende Orgeln gebaut, so in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nord-rhein-Westfalen und München.

Seine Orgeln sind bekannt für ihre klangliche Qualität, ihre hervorragende handwerkliche Verarbeitung und kreative Prospektgestaltung. Auch für St. Peter hat Orgelbaumeister Lobback einen Entwurf vorgelegt, der den Kirchenvorstand voll und ganz überzeugte.

Die neue Orgel wird nicht mehr so weit in den Kirchenraum hineinragen, gleichzeitig wird aufgrund der Bauweise und des verwendeten Materials - nämlich Eichenholz statt bisher Spanplatte - die Klangabstrahlung wesentlich besser sein.

 

 

Auch optisch wird sich das neue Instrument homogen in den Gesamtraum einfügen und dennoch das prägende Element des hinteren Teils der Kirche sein. Das Besondere an der Orgel ist, daß sie sich in der Konzeption an der jetzigen Orgel orientiert, aber durch Hinzufügung neuer Elemente eine ganz neue Gestalt gewinnt. Es werden große Teile des vorhandenen Pfeifenmaterials wiederverwendet Es kommen aber auch neue Register hinzu.

Damit wird die klangliche Vielfalt der Orgel noch größer und so ein farbenreiches und differenziertes Orgelspiel möglich. In der Werkstatt wird zunächst das neue Gehäuse, die technische Anlage (Register- und Spieltraktur), der Spieltisch und die Windanlage gebaut. Die alten Pfeifen werden aufgearbeitet, klanglich verbessert und bilden so den Grundstock für die Orgel. Die neuen Pfeifen werden gebaut und so hergerichtet, dass sie sich mit den vorhandenen zu einem Ganzen zusammenfügen.

 

 

Unterdessen werden in der Kirche die notwendigen Arbeiten für die Aufstellung der Orgel durchgeführt: die Glocken werden herausgenommen, der alte Glockenstuhl entfernt. Da die Orgel insgesamt nach hinten über den Eingang gerückt wird, müssen auch Veränderungen an der Decke und an der Westwand vorgenommen werden.

Nach Abschluß dieser Arbeiten wird die alte Empore abgerissen und die neue, viel kleinere Empore errichtet. Dadurch erhält unsere Kirche ein ganz anderes Gesicht: der Raum wird nicht mehr von einer überdimensionierten Empore erdrückt und damit freier und großzügiger

 

Anfang des Jahres 1999 wird mit dem Einbau der neuen Orgel begonnen werden. Nachdem alles aus der Werkstatt in Neuendeich nach St. Peter transportiert und montiert worden ist, beginnt die entscheidende Phase des Orgelbaus in klanglicher Hinsicht: das Intonieren der Pfeifen. Jede einzelne der ca. 2200 Pfeifen, die die Orgel dann haben wird, muss auf den Kirchenraum klanglich genauestens eingestellt werden.

So erhält unser Instrument sein unverwechselbares, ganz auf die akustischen und räumlichen Verhältnisse unserer Kirche abgestimmtes Klangbild. Diese Arbeiten nehmen in etwa noch einmal ein Vierteljahr in Anspruch, so dass wir mit der Einweihung der neuen Orgel im Frühjahr 1999 rechnen können.

Der Orgelbauverein hat maßgeblich zum Gelingen des Projektes beigetragen und mit dafür gesorgt, dass unsere neue Orgel vollkommen aus Mitteln der eigenen Gemeinde finanziert werden kann. Mit 300.000 DM hat der Orgelbauverein sich verpflichtet 50% der Kosten zu tragen. Dieses Ziel ist zwar noch nicht ganz erreicht aber schon in Sichtweite. Dafür sei dem Orgelbauverein, den sehr engagierten Helferinnen und Helfern, aber vor allem auch den vielen Spendern ganz herzlich gedankt. Hier hat sich das Motto bewahrheitet, unter dem der Orgelbauverein 1993 angetreten ist: wenn viele mithelfen, kann auch viel bewirkt werden. An der durch den Verein aufzubringenden Summe fehlen derzeit noch 55 000,- DM

Aber wir sind guter Hoffnung, mit vereinten Kräften auch diese letzte, im Vergleich zum Gesamtprojekt kleine Hürde, zu meistern. Über jede Hilfe dabei freuen wir uns und legen sie allen ans Herz. Jetzt wird unser Vorhaben konkret und wir wissen, dass wir etwas ganz Besonderes für unsere Region schaffen, an dem sich noch viele, viele Generationen nach uns erfreuen werden

 

(GPan) Sept. 1998: Da die gesamte Baumaßnahme durch die Schwannsanierung nun doch teurer geworden ist, muß der Orgelbauverein wohl noch ein weiteres Jahr sammeln. 350 000 DM sind jetzt aufzubringen, damit alles klappt. Auch die Kirchengemeinde und der Kirchenkreis Eiderstedt müssen noch einmal tiefer in ihre Taschen greifen. Wenn alle mithelfen, dann wird es klappen. Inzwischen
(Februar 1999) hat der Orgelbauverein die 310 000 DM -Grenze erreicht. Helfen Sie mit, das Ziel näher zu bringen. Danke!

13. März 1999: Die neue Orgel wird jetzt eingebaut!

21. März 1999 - Der Boden für die Orgel ist gelegt.

3. Mai 1999 - Die letzten Orgelpfeifen werden eingebaut.

27. Juni 1999 Die Orgel wurde mit einem Festgottesdienst eingeweiht

 
 
 
 

Die St. Peter-Kirche mit dem neuen Glockenturm

Orgelbau in St. Peter

 

 

Hundert Jahre Orgelbau in St. Peter
Generationen reichen sich die Hand

von Christoph Jensen

Im Vergleich zu anderen Gemeinden blickt St.Peter auf eine recht kurze, aber sehr bewegte Orgelbaugeschichte zur&uuml;ck. Mit der Lobback-Orgel steht nun schon das vierte Instrument innerhalb von hundert Jahren in der Kirche. Das scheint auf den ersten Blick recht ungew&ouml;hnlich, um nicht zu sagen extravagant. Wenn man diese Tatsache aber nicht als eine Abfolge von Einzelereignissen sondern als einen gewissermaßen evolutionären Prozeß betrachtet, so wird deutlich, dass jeder Schritt nötig war, um zu dem Instrument zu gelangen, dem heute unsere Aufmerksamkeit und Bewunderung gilt.

 

Begonnen hat alles 1895 mit dem Bau der ersten Orgel von der Firma Marcussen & Sohn, Apenrade. Diese Orgel wurde von dem Husumer Bürger Jacob Ketels und seiner Ehefrau Catharina Margaretha, geb. Eggers, aus Dankbarkeit gegenüber seiner alten Gemeinde geschenkt: "Die Liebe zu meiner alten Heimat, in der ich geboren, erzogen und eine Reihe von Jahren mein Brod genossen habe, noch mehr aber aus Pietät gegen meine Eltern u. Großeltern, die fast seit dem Anfange dieses Jahrhunderts dort gelebt und tätig gewesen sind, ließen mich diese Bestimmung in unserem Testament treffen. "(Jacob Ketels 1894, in einem Brief an den damaligen Pastor Sinn).

Schon damals bestand das Grundproblem, einen geeigneten Aufstellungsort für das Instrument zu finden. Da der Platz in der Kirche selbst für eine relativ kleine Orgel nicht reichte, wurde sogar erwogen, für die Orgel ein Seitenschiff zu errichten. Die Konstruktionspläne und Zeichnungen hierfür von dem Architekten J.W. Jensen aus Garding sind noch erhalten. Der Bau des Seitenschiffes wurde nicht verwirklicht, man entschloß sich, die Orgel doch in den Westen der Kirche zu setzen. Dazu mußte ein Teil der Balkendecke angehoben werden, damit genug Höhe entstand. Trotzdem mußte das Instrument vor den 1860 in die Kirche eingebauten Glockenstuhl gezwängt werden. Damit ragte sie sehr weit in den Raum hinein. Das erwies sich als Nachteil, sowohl in klanglicher wie in technischer Hinsicht.

Der folgende Umbau durch Detlef Kleuker versuchte dann die Empore auch für Chor und Gemeinde nutzbar zu machen und die Orgel klanglich aufzuhellen. Nachdem Marcussen die grundtönigen, einem romantischen Klangideal entsprechenden Klangfarben bevorzugte, setzte Kleuker helle dazu. Aber auch diese Orgel konnte den Anforderungen in vielerlei Hinsicht nicht standhalten, zumal diese auch ständig wuchsen.

Der nächste Schritt wurde mit dem Bau der Kemper-Orgel getan. Wieder wurde Substanz aus den Vorgängerorgeln übernommen, eigene hinzugesetzt und vor allem durch einen Neuentwurf von Empore und Prospekt ein anderer Akzent gesetzt. Allerdings blieb das Problem des Aufstellungsortes und des fehlenden Platzes bestehen. Bedingt durch die neue Werkanordnung von Hauptwerk und Rückpositiv mußte das Hauptwerk nun in das Ständerwerk des Glockenstuhls gezwängt werden. Das war so schlecht wie es sich anhört: die Orgel hatte keinen Raum zur Entfaltung, die ständigen Schwingungen der Glocken zogen das Orgelwerk in Mitleidenschaft, technisch war das Instrument problematisch, ganz abgesehen von der aufwendigen Empore, die den Raum optisch und akustisch erdrückte.

Die Entscheidung, den hölzernen Glockenturm, in dem die Glocken von St. Peter bis 1859 geläutet hatten, wiedererstehen zu lassen, stellte sich als die erste wirkliche Alternative zu dem 1895 projektierten Seitenschiff heraus. Schon damals hatte man im Grunde die Unvereinbarkeit von Glocken und Orgel auf so engem Raum erkannt. Wenn nun nicht die Orgel ein besonderes Haus (sprich Seitenschiff) bekam, so waren es nun die Glocken, die in ihr neues -altes- Domizil umzogen.
 

Damit waren die Voraussetzungen für den Orgelbau gegeben, wie sie in dieser Weise in St. Peter noch nie bestanden hatten:

Die Decke konnte bis an die Westwand heran angehoben und die Empore nach dem Ausbau des Glockenstuhls zurückgesetzt werden. Durch einen Mauerdurchbruch in die Vorhalle wurde zudem noch Platz für das Schwellwerk geschaffen. Es bereichert nun das Instrument klanglich in ganz besonderer Weise und eröffnet neue Möglichkeiten des Musizierens. Dadurch daß der Spieltisch wieder, wie schon bei Marcussen, an der Seite steht, wurde zusätzlich Raum gewonnen. Für den Organisten besteht zudem ein sehr guter Kontakt zum Geschehen im Kirchenraum.

Herrn Lobback und seinen Mitarbeitern ist es gelungen, aus der Summe von hundert Jahren Orgelbaugeschichte in St. Peter ein charakteristisches, unverwechselbares zeitgemäßes Instrument zu schaffen. In einfühlsamer Weise wurde geschaut, gehört, geprüft wie es vielleicht nur jemandem gegeben ist, der sich dem Orgelbau nach harmonikalen Grundsätzen verschrieben hat. Die Fähigkeit und Bereitschaft, für den eigenen Entwurf Vorhandenes aufzunehmen und weiterzuentwickeln und es in seiner Gesamtheit zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelzen, scheint hier in besonders ansprechender Weise gelungen.

Die ältesten Pfeifen der Orgel, jede einzelne von Marcussens eigener Hand 1895 fein säuberlich beschriftet, tragen noch neben der Registerbezeichnung die Aufschrift "St. Peter" und zeigen damit deutlich, wofür sie einst gemacht wurden. So sind jetzt der erste Stifter Jacob Ketels und die vielen Spender des Orgelbauvereins von Nah und Fern, jahrhundertealtes handwerkliches Können und moderne Technologie, Erfahrungen aus hundert Jahren Orgelbau in der Kirche St. Peter und die schöpferische Kreativität der Erbauer vereint in der neuen Orgel.

Generationen reichen sich die Hand, hoffentlich für viele weitere Generationen.