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1. Ausstellung der Kunstsammlung der Gemeinde St. Peter-Ording

 

"Künstler in Sankt Peter-Ording"

Eröffnung am 28. April 2018 11 Uhr - Eintritt frei

Festvortrag mit einem Plädoyer für Galerien- und Ausstellungsbesuche: Maria Jepsen, von 1992 bis 2010 Bischöfin des Hamburger Sprengels.

 

Zur ersten Ausstellung und zum Kennenlernen der Kunstsammlung wurden Künstler ausgewählt, die hier längere Zeit lebten und arbeiteten und von denen die Gemeinde Kunstwerke besitzt.

 

Die Ausstellung ist bis Ende September 2018 geöffnet.

Kunstsammlung St. Peter-Ording tritt ins Licht der Öffentlichkeit

 

Kooperationsprojekt von der Galerie Tobien und der Gemeinde St. Peter-Ording

 

Glück kommt selten von allein, aber manchmal hat man einfach Glück. St. Peter-Ording hat ein solches Glück gehabt, als „des Wassers Kräftigkeit und der Wellenschlag des Bades“ Menschen aus Eiderstedt zum Baden nach Ording brachte. Es waren Tagesbesucher, die sich erholen wollten. Möglichkeiten zum Quartiermachen gab es so lange nicht, bis Friedrich Jensen 1877 das erste Hotel errichtete.- In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entdeckten dann viele Maler diesen Ort an der Westküste für ihre Freiluftmalerei. Es gab nun auch preisgünstige Unterkünfte. In den dreißiger Jahren erweiterte sich der Künstlerstammtisch durch Musiker und Schauspieler.

Zum Teil weilten sie zur Kur im Sanatorium „Goldene Schlüssel“.- Friedrich Karl Gotsch, Meisterschüler Oskar Kokoschkas, zog nach dem zweiten Weltkrieg nach St. Peter. Schon 1919/20 hatte er hier gemalt. Seit 1943 arbeitete und malte Beatrice du Vinage in St. Peter-Böhl. Ingeborg Danielsen, aus Berlin evakuiert, fand in einem Kinderheim in Böhl Unterkunft. Für Erich Duggen wurde St. Peter Heimat. Als Kunsterzieher hat er maßgeblich am Aufbau des Nordsee-Gymnasiums mitgewirkt.- In der Jubiläumsschrift „100 Jahre Bad Sankt Peter-Ording“ berichtete er über diese und weitere Maler in St. Peter-Ording und legte den Verantwortlichen ans Herz, den Menschen und den Gästen „bisher nicht vorhandene Möglichkeiten optischen Erlebens“ zu schaffen. Vierzig Jahre später ist das nun wahr geworden.

Darüber berichtete Bürgervorsteher Boy Jöns und bezog sich auf die Worte Erich Duggens, als er mit seiner Rede im Namen der Gemeinde und für die Galerie Tobien aus Husum deren Ausstellungsraum in St. Peter-Ording mit der ersten Ausstellung „Meeresfotogafie und Duografie“ von Mario Reinstadler und den zweiten gleich großen direkt daneben für die Kunstsammlung der Gemeinde St. Peter-Ording mit Werken von „Künstlern in St. Peter-Ording“ eröffnete. Präsentiert werden bis September Arbeiten von Ingeborg Danielsen (1908-1997), Erich Duggen (1910-1989), Julia Ehlers (1922-2016), Friedrich Karl Gotsch (1900-1984), Peter Kleinschmidt (1923-2005), Heinrich Kuhn (1906-1991), Erhard Schiel (* 1943), Gerd Uschkereit (1928-2010) und Beatrice du Vinage (1911-1993).

 

Ihre Bilder sind der Kunstsammlung der Gemeinde entnommen. 1984 hat die Gemeindevertretung den entsprechenden Beschluss zum Erwerb von Bildern hier schaffender Künstler gefasst. Welch ein Glück, dass man so entschieden hat und dass sich Eckhard Kloth mit Unterstützung von Erich Duggen und später Hans-Jürgen Krähe ehrenamtlich für das Entstehen dieser Sammlung eingebracht hat. Sie vereint heute insgesamt 1500 Exponate von 50 Künstlerinnen und Künstlern, die hier gemalt und gearbeitet haben. Ein Glücksumstand kam zusätzlich dazu, dass die Familie Duggen der Gemeinde im Jahr 2014 den umfangreichen künstlerischen Nachlass in Form einer Stiftung übertragen hat. St. Peter-Ording hat damit den Auftrag übernommen, die Sammlung zusammen zu halten und einmal im Jahr eine Auswahl von Werken des Malers Erich Duggen in einer Ausstellung zu präsentieren.

Das ist nun glücklicherweise endlich auch direkt in St. Peter-Ording für die Öffentlichkeit zugänglich möglich. In seinen Dank schloss Boy Jöns alle Beteiligten ein, unter ihnen Marid Taubert von der Galerie Tobien für die Vereinbarung der Zusammenarbeit mit der Gemeinde St. Peter-Ording, Heinz Peter Schultz für seine Beratertätigkeit, Eckhard KlothFrauke Petersen und Georg Panskus für die Vorbereitung, die Zusammenstellung und die gelungene Präsentation der neun Künstler in ihren Werken. Herzlich dankte er Roger Heim und seiner Frau Claudia für das Errichten dieses besonderen Hauses, das von der Wittendüner Allee her die Blicke anzieht, und vor allem die Umsetzung der Idee, als Bauherr mit der Gemeinde und der Galerie Tobien ein Kooperationsprojekt dieser Art ins Leben zu rufen. Eine Galerie, in der Kunst zum Kauf angeboten wird, und eine Ausstellung, in der Bilder ausschließlich zum Betrachten gehängt sind, seien eine perfekte Ergänzung.

Den Festvortrag mit einem Plädoyer für Galerien- und Ausstellungsbesuche hielt danach Maria Jepsen, von 1992 bis 2010 Bischöfin des Hamburger Sprengels. Sie zitierte einleitend Christina Weiss, Kultursenatorin in Hamburg von 1991 bis 2001: „Etwas knackt auf im Gehirn und färbt nach innen.“ Sie schärfte das Bewusstsein für Kunstbetrachtung, richtete dazu den Blick auf den kauernden „Flüchtlingsjungen“ von Ingeborg Danielsen und ging u.a. der Tatsache nach, dass wir Landschaften betrachten, um unseren Blick einfach schweifen zu lassen. Bilder aber forderten uns zum Betrachten auf und erzeugten so „Bilder für unser Gehirn“.

„Die Kulturszene hat mit diesem Haus eine Ergänzung bekommen“, meinte anschließend Heinz Peter Schultz. „Auf Eiderstedt ist es eine Preziose.“ Als Schenkung für die Sammlung überreichte er auch im Namen seiner Frau Ursula Schultz-Spenner zwei Blumen-Stilleben von Karl Friedrich Gotsch aus den Jahren 1942 und 1966. Für Eckhard Kloth hatte sie ein Konterfei geschaffen. „Muss ich haben“, hatte er gesagt. Als lebenszeitliche Leihgabe durfte er es mit nach Hause nehmen

Roger Heim dankte allen gerührt. Für ihn, der in St. Peter-Ording bis zum Realschulabschluss die Schule besucht hatte und dann in Hamburg seine Schul- und Berufsausbildung fortgesetzt hat, war es ein Herzenswunsch, dem Ort seiner Jugendzeit etwas zurückzugeben. „Für mich war es schön, diese Eröffnung heute mit so vielen Leuten teilen zu dürfen“, sagte er im Gespräch mit Freunden unter den vielen Gästen.

Hjr, 28. April 2018, HN und www.jb-spo.de