2017 Oktober

Ausdauersitzung des Bauausschusses St. Peter-Ording

 

Zwölf Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil, darunter ein zusätzlich aufgenommener schriftlicher Antrag der CDU-Fraktion, der den neu eingerichteten Spielplatz in Wittendün und erneut nach einem Antrag der AWG aus dem März den gesperrten und bereits entwidmeten Bahnübergang Bövergeest zum Thema hatte, und mehrere mit Präsentationen sowie noch neun Punkte im nichtöffentlichen, machten es dem Ausschussvorsitzenden Bodo Laubenstein (CDU) nicht gerade einfach. Über die große Anzahl an Bürgerinnen und Bürgern hatte er sich am Anfang noch gefreut, doch diese Freude nahm im Rahmen der Einwohnerfragestunde bei allen ein wenig ab. Es wurde insgesamt eine recht strapaziöse Sitzung, deren öffentlicher Teil gegen 21 Uhr endete. Von den zwei Stunden seit Beginn hatte die Fragestunde über 30 Minuten eingenommen und hätte noch länger werden können. Es war so etwas wie Unmut spürbar, der in den Anliegen mancher Bürger zum Ausdruck kam. - So ein wenig Erinnerung an den Kriminal-Tango * kam auf: „… und glühende Spannung liegt in der Luft“. Der Abend wurde lang, aber es fiel kein „Schuss“! Aber es gab wohl so manchen „Schuss“, den man vielleicht als solchen „in den Ofen“ * bezeichnen möchte. -

Bei Punkt 11, den Teil des Antrags der CDU-Fraktion Bahnübergang betreffend, gab es eine groteske Abstimmung in dieser sowieso schon irgendwie kuriosen Angelegenheit. Die Gemeindevertretung hatte nämlich bereits in ihrer letzten Sitzung den Rückbau der Zuwegung zum Übergang und die Prüfung einer Zaunverlängerung beiderseits der Gleise in Richtung Tating wegen der unerlaubten Querung durch Fußgänger und Radfahrer beschlossen. Nun beschloss der Bauausschuss das etwas variiert erneut mit einer Ja-Stimme und sechs Enthaltungen. Auch alle Ausschussmitglieder der CDU enthielten sich! - Angemerkt sei dazu: Die reale Situation hat sich nicht verändert. Es ist bisher nicht zurückgebaut worden. Der Trampelpfad „lebt“. - Und da es vor kurzem einen verschreckenden und höchst tragischen Unfall bei der Einmündung vom Fußgänger-Radfahrerweg aus Richtung Dorf an den Bahngeleisen entlang auf die Zuwegungsstraße „Op de Geest“ gegeben hat, war wohl auch der neue Spielplatz genau gegenüber dem Unfallort der Grund, die Sicherheitslage des Spielplatzes mit der Buchenhecke und den Zugängen sowie dem rückwärtigen Regenrückhaltebecken in den Blickpunkt zu nehmen. Zweifel an der vorhandenen Sicherheit wurden geäußert. Beschlossen wurde eine Zuwegung mit versetzter Durchlaufsperre - mit 5 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen. Da als Punkt 12 keine Anfragen zu bau- und verkehrsspezifischen Angelegenheiten vorlagen, endete hier der öffentliche Teil.

 

Die Sitzung des Bauausschusses hatte sehr viele Einwohner zum Dabeisein und Stellen von Fragen bewogen. Die Stühle im Olsdorfer Krug waren besetzt.

Schon in der Einwohnerfragestunde war es mehrfach um den B-Plan 64, Baugebiet Wittendün, gegangen. Die Überquerungshilfe für die Wittendüner Allee bei der Einmündung Wittendüner Geest gegenüber dem Westküstenpark machte Gisbert Raulf u.a. zum Thema. Merle Steen beklagte die Ungerechtigkeit denen gegenüber, die den legalen Weg um Genehmigung eines Vorhabens beschritten, was dann aufgrund der Gesetzeslage abgelehnt werden müsse, aber bei denen, die es über eine Genehmigungsfreistellung gebaut haben, nicht geahndet werde. Bürgermeister Rainer Balsmeier hatte zu dieser Gerechtigkeitslücke eine klare Meinung und stieß mit dieser nicht nur bei der Fragestellerin auf Zuspruch. Oberflächenwasserableitung und -beseitigung, mögliche künftige Bebauung landwirtschaftlicher Flächen, Absackungen in der Utholmer Straße sowie „Denkmalschutz“ für den Bahnhof Ording, Status des B-Planes 1 machten die Palette der Inhalte, mit denen sich ein Bau- und Verkehrsausschuss zu beschäftigen hat, an den Tatsachenbeispielen im Ort mehr als deutlich. Wie diffizil das ist, hatte schon Sönke Sund mit seiner kritischen Einlassung in den Focus gerückt, ob man die Prioritäten „Straßen-/Kanalsanierung“ für die Maßnahme im „Stillen Dorf“ richtig gesetzt habe. Hier aber gab es Erleichterung, als Bodo Laubenstein eine Bürgerrunde zubilligte. Der Exkurs über die Art der Straßengestaltung unter Einbeziehung des Planers Jörg Gutzke und Präsentation hatte zur Beantwortung und Klärung von Fragen nicht ausgereicht. Die Informationsveranstaltung mit den Anwohnern des „Stillen Dorfes“ zum geplanten Straßenausbau dazu hatte am 14. September stattgefunden.

Die Erneuerung des sog. Stillen Dorfes in St. Peter-Ording – genauer die Beratung und Beschlussfassung über die Straßen- und Kanalsanierung im „Stillen Dorf“ – wurde dann später auf der Grundlage der ausgearbeiteten Vorlage von allen Mitgliedern des Bauausschusses abgesegnet. Jeweils getrennt gefasst wurden die erneuten Entwurfs- und Auslegungsbeschlüsse für die 3. Änderungen des B-Planes Nr. 19 (Abst. 5 gegen 2) und Nr. 25 (einst.) sowie die erneute Veränderungssperre für die 6. Änderung des B-Planes Nr. 30 (einst. bei 1 Enth.). Für den B-Plan Nr. 73 (Edeka/Aldi) wurde der Aufstellungsbeschluss gefasst (Abst. 6 gegen 1).

Hans Jörg Rickert, 27. September 2017, HN

* Kriminal-Tango ist ein Schlager aus dem Jahr 1959, der am erfolgreichsten vom Hazy-Osterwald-Sextett interpretiert wurde. Das Lied wurde von Ralf Bendix, den Toten Hosen, Nina Hagen und anderen Musikern gecovert. (wikipedia)[

* „Schuss in den Ofen“ stammt wahrscheinlich aus dem Bäckerhandwerk: Einen Brotlaib in den kalten Ofen zu schieben, bringt nichts. Im übertragenen Sinne bedeutet es, dass man mit dem Schuss Ruß bzw. Staub aufwirbelt, der sich an der Innenseite des Ofens angelegt hat, und nichts erreicht worden ist, als für Wirbel zu sorgen.

Beliebtes Ziel: Böhler Leuchtturm

 

Der Böhler Leuchtturm in Süderhöft ist nicht nur beliebtes Ziel, auch Ausgangspunkt für weitere Spaziergänge, je nachdem woher man kommt. Aber er ist vor allem auch „Sonnenanbetungs- und -untergangsplatz“. Der Blick reicht ins Vorland bis zu den Kitern weit draußen, zur Seekiste, bei klarer Sicht bis Büsum, aber auch den Deich entlang nach rechts und links.

Es ist Sonntagnachmittag, noch nicht 17 Uhr. Die Sonne steht am Himmel. Sollte es so bleiben, kann man sie noch zwei Stunden genießen. Genau zu diesem Zeitpunkt ist die Bank um den Turm fast voll besetzt. 17 Personen sind es, Familien, Paare, Einzelpersonen. Die meisten sind an diesem Tag um ein Viertel vor Fünf Uhr Urlauber. Sie kommen aus Gladbach, Hamburg, Cuxhaven, Göttingen, Ilmenau, Rehfeld (Brandenbg.) und Schwarzer Kater (Sachsen Anh.). Nur eine Person ist aus St. Peter-Ording und macht auf ihrer Radtour ein wenig Pause. Zwei sind zwischenzeitlich gegangen. Jetzt hat deren Plätze ein Westerwälder Paar eingenommen. Es dauert eben meistens nicht lange, bis ein frei gewordenes Stück neu besetzt wird. Voraussetzung ist eigentlich nur, dass die Sonne scheint. Man genießt die Zeit zum Entspannen und Schauen. Selbst die Treppe ist an drei Stellen besetzt. Ein junges Paar aus Altona und Eimsbüttel hat es sich mit dem Geländer im Rücken gemütlich gemacht. Mit einem Glas Wein in den Händen ist es für sie einfach „göttlich“.

 

Beim Betreten des Fußweges in Richtung Strand fällt auf, wie hoch das Wasser zurzeit im Vorland steht. Über Nacht hat es wieder geregnet, aber die Flut Mitte September und das Wasser von oben haben eben ihren Teil dazu beigetragen. Auch im hinteren Teil noch vor der zweiten Deichpforte steht das Wasser schon vermehrt auf dem Plattenweg. Man muss schon ab und zu nach rechts oder links. Dort ist es „schlubberig“. Ein etwa Zwölfjähriger ist ausgerutscht. Nun geht er von seiner Hose und den Schuhen befreit sozusagen halbnackt zurück, während sein Vater die Sachen trägt. Es heißt also aufzupassen.

Beim Fahrradparkplatz steht einsam ein Rad. Es ist Niedrigwasser. Weit draußen sind Kiter und auf der Sandbank ist noch eine Reiterin. Zwei sind schon wieder zum Pferdehängerparkplatz zurück. Der Himmel bezieht sich. Es ist auch ein etwas mehr als nur leichter Wind. Das Wetter soll nach dem heutigen Sonnentag am Montag und auch darauf regnerisch und stürmisch werden.

Wer diesen Weg heute gegangen ist, weiß warum Salzwiesen so genannt werden. Sie sind zum Teil von Wasser bedeckt. Das Vieh ist weit entfernt Richtung Dorf zu erkennen. Am Plattenweg haben sich so „Grüppen“ gebildet. Zwischen ihnen steht Wasser. Auf dem Deich sind Radfahrer und Fußgänger unterwegs, auf der Bank sitzen nur noch ab und zu kurz einige. Die Sonne ist hinter Wolken verschwunden. Auch auf dem Plattenweg gehen noch viel in Richtung Strand, z.B. das Paar von der Treppe (die leere Weinflasche und die beiden Gläser haben sie am Fuße der Treppe deponiert), eine Familie aus Mansfeld (Luthers Geburtsort) und drei Jugendliche aus Ritterhude. Sie waren ohne ihre Eltern, dafür mit einem kleinen Yorkshire unterwegs. Entweder haben sie hier in Böhl ein Ferienhaus oder sich für dieses verlängerte Wochenende mit Montag als Brückentag zum Tag der Deutschen Einheit einquartiert. Für manche von ihnen ist Böhl ein Geheimtipp.

Oben auf dem Deich beim Leuchtturm lässt ein Mädchen aus Braunschweig seinen Drachen steigen. Noch sind Menschen unterwegs. Der Strandparkplatz weist genug parkende Autos aus. Hochwasser ist erst nach 22 Uhr. Bis dahin sind mehr als vier Stunden Zeit.

Hans Jörg Rickert, 01. Oktober 2017, www.jb-spo.de

Siehe auch:

Jahrbuch 2015 Dezember : Das Leuchtfeuer des Böhler Leuchtturms

Zwei weitere Bauabschnitte der Böhler Landstraße im Zeitplan

 

Im Bauabschnitt 10 von Ortsausgang Süderhöft bis über die Abzweigung zum Böhler Strand einschließlich Böhler Heide war die Böhler Landstraße mit Deckschicht versehen wie geplant während der Saison befahrbar. Im Mai begannen die Vorarbeiten mit dem Abfräsen der alten Asphaltschicht für den Ausbau der Abschnitte 1 vom Wittendüner Kreisel bis Amtmann-Dircks-Straße und sinnvollerweise auch gleich Abschnitt 2 bis Einmündung Heideweg. Von Hummergrund über Schiffdieweg bis über den Abzweiger Böhler Weg wurde Abschnitt 5 gefräst. Kanal- und Versorgungsleitungen wurden in Angriff genommen. Etliche Überraschungen hatten die Straßenbauer von SAW zu meistern, denn nicht alles lag so in der Erde wie laut Planzeichnungen eigentlich erwartet. Im Monat September waren es dann die Witterungsbedingungen u.a. mit dem Sturmtief „Sebastian“, das für besonders viel Feuchtigkeit sorgte. Der Sommer hatte es eben auch für die Straßenbauer nicht so gut gemeint.

 

Jetzt konnten die Vorbereitungen dafür durchgeführt werden. Mit dem erfolgten Aufbringen der Tragschicht im Abschnitt 5 lag man im Zeitplan. In Abschnitt 1 hat man ihn nicht halten können, aber bereits vorfristig im 2. und 6. begonnen. Fertigstellen der Fußwege, der Hausanschlüsse, Kanalumschließung und anderes mehr werden jetzt folgen. Aber eines steht fest: Die Straßenabschnitte sind für die Anlieger befahrbar, in Teilen sogar gut. Die Asphaltdeckschicht für den ersten großen Teilbereich kann aber erst ab Frühjahr 2018 aufgebracht werden, wenn in ihm nicht mehr mit schweren Baufahrzeugen gefahren muss.

Das Aufbringen der Tragschicht erfolgte am Donnerstag und Freitag in der vorletzten Septemberwoche. Die Straßenbauer hatten gut vorgearbeitet, so dass die Asphaltkolonne ihre Arbeiten ohne Probleme durchführen konnte. Der Asphaltfertiger arbeitete am Donnerstag zum Einbringen der Tragschicht in einem Arbeitsgang von Hummergrund in Richtung Böhler Weg mit 6,50 Meter Breite. Die Schicht beträgt zunächst 18 cm und wird per Verdichtungswalze mit zehn Tonnen auf etwa 16 cm Stärke verdichtet. Die Kanalschächte mussten davor wieder freigelegt werden. Die genaue Anpassung der Kanaldeckel an die Höhe des Straßenbelages wird erst nach Aufbringen der Deckschicht über eine Spezialfirma erfolgen. Das dauert also noch, aber das Arbeiten der schweren Baumaschinen ist vorüber und damit auch das von Zeit zu Zeit leichte Beben des Bodens, das sich auf die Häuser übertrug. Schnelles Fahren allerdings ist nicht angesagt. Jetzt gehen die Arbeiten am Abschnitt 2 weiter und beginnen noch im Oktober für die Abschnitte 8 und 6 von der Pestalozzistraße bis ca. Beginn Campingplätze bzw. Böhler Weg bis Westereck. Vorgesehen ist auch, noch in 2017 mit den Arbeiten im Abschnitt 3 vom Heideweg bis „Zum Karpfenteich“ zu beginnen. Die Fräsung im BA 6 und im BA 8 bis „Am Sportplatz“ ist auch schon erfolgt.

So hat man sich insgesamt weiterhin auf Umwege und Behinderungen einzustellen. Für die Anwohner der Abschnitte 1 und 5 gibt es spürbare Erleichterungen, für die des Abschnittes 2 aber noch nicht und für die von 8 und 6 eben Erschwernisse. Da muss man nun durch. Wenn man dann bereit ist, sich mit den Straßenbauern zu arrangieren, ist das alles auch für diese leichter. Sie sind ansprechbar und hilfsbereit und freuen sich über jedes freundliche Wort. Thomas Helmke vom Amt Eiderstedt ist froh, dass es bisher alles so gelaufen ist, und bedankt sich im Namen aller Akteure sehr für das entgegengebrachte Verständnis.

HRic, 28. September 2017, HN und www.jb-spo.de

Ortstermin auf dem Grudeweg vor Querung „Brösumer Sielzug“

 

Grabengestaltung als Naturschutzmaßnahme für Wiesenvögel und Amphibien

Gudrun Beuck – Abt. Fächenmanagement – und Till Severin von der Stiftung Naturschutz, Stefanie Vogel von der Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland, Dirk Hansen vom Amt Eiderstedt und der Vorsitzende des Umweltausschusses der Gemeinde St. Peter-Ording Jochen Rother trafen sich am 28. September auf dem Grudeweg zu einem Ortstermin in Sachen Naturschutz.

 

Anlass: Die Stiftung Naturschutz SH hat beim Kreis Nordfriesland die Genehmigung für eine Grabenumgestaltung und Schaffen einer Staueinrichtung im Einzugsgebiet des Brösumer Sielzuges beantragt. Das Gebiet – eine Fläche von ca. 1,5 ha - ist in unmittelbarer Nähe zu den Pütten (Brösumer Späthinge) hinter dem Deich. Mit der Maßnahme will die Stiftung eine Lebensraumverbesserung für Moorfrosch und Offenlandvögel - Rotschenkel, Austernfischer, Kiebitz sowie Rastvögel wie Nonnen- oder Ringelgänse – schaffen. Der Umweltausschuss hatte am 13. Juli vor Beschlussfassung einen Ortstermin beschlossen, da die Deichverteidigungslinie dadurch gefährdet werden könnte. Diese Fläche sowie die östlich und südlich angrenzenden werden weiterhin weidewirtschaftlich von dem Brösumer Landwirt Rudolf Hamkens durch Viehgräsung genutzt. Entsprechende Auflagen sind einzuhalten. Das hat er zugesichert.

Derzeit aber kann sich das Vieh auch während der Brutzeit ungehindert bewegen. Im hinteren Teil befindet sich eine kleine Seeregenpfeiferkolonie. Besonders zu deren Schutz sind die Gräben mit an ihren Enden zum Grudeweggraben und zum Brösumer Sielzug eingerichteten regulären Überlauf instandzusetzen. Der bisherige zum Sielzug ist noch in Resten erkennbar. Der Graben am Grudeweg wird von der Maßnahme nicht betroffen. Insofern ergäben sich keine negativen Auswirkungen.- Der vorhandene, die Fläche begrenzende rechtwinklig verlaufende Graben östlich und südlich soll an den Seiten zu dieser Weidefläche abgeschrägt und der Überlauf neu geschaffen werden. Die Ausschreibung sei fertig; man möchte das möglichst zügig machen können.

Jochen Rother sicherte zu, in Absprache mit der Verwaltung so schnell wie möglich in einer kurzfristig einzuberufenden Kurzsitzung des Umweltausschusses einen entsprechenden Beschluss herbeizuführen. Seines Ermessens stünde dieser so beabsichtigten Maßnahme nichts entgegen.

HRic, 28. September 2017, HN und www.jb-spo.de

Siehe dazu: Jahrbuch 2017, Juli: „Von Gräben bis zum Baumschutz“

Michael Wrage wechselt in die „Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern“

 

St. Peter-Ordinger, Gäste und Urlauber kennen sein Gesicht: Michael Wrage ist für sie der weltoffene katholische Christ, der als Pastoralreferent für die Urlauberseelsorge zuständig und im Bade- und Tourismusort Ansprechpartner für die katholisch Gläubigen aus ganz Deutschland und der Welt ist. „Schön, dass Sie immer noch hier sind“, freuen sich die Menschen, wenn sie ihn dann wiedersehen. Sie melden sich bei ihm, besuchen die Gottesdienste und Veranstaltungen in der St. Ulrich Kirche, auch bei schönem sommerlichen Wetter die Abendandachten z.B. am Südstrand oder die Veranstaltungen beim „Karkenschipp“ am Ordinger Strand.- Zu Pfingsten, bei der Veranstaltung „Gegen den Wind“ und auch beim Drachenfest hat das „ökumenische Kirchenteam“ - das sind mit ihm Pastor Carsten Hokema von den Freikirchen, Diakonin Andrea Streubier von der ev. Urlauberseelsorge und Pastorin Regine Boysen von der ev.-luth. Kirche - dort auf dem weiten Strand und unter der Weite des Himmels nun schon seit 10 Jahren gemeinsam erlebnisreiche Gottesdienste gestaltet und gefeiert. Oft haben sind sie dabei von ehrenamtlich Tätigen aller Konfessionen unterstützt worden. Gemeinsame Andachten mit Pastorin Boysen in der Weihnachts- und Osterzeit oder Vortragsreihen im Sommer gehören genauso dazu wie auch Einschulungsgottesdienste. In der Diaspora gibt es keine Schwellenängste. Die Kirchen arbeiten hier eng zusammen. Kantor und Vorsänger Gerhard Martens von St. Ulrich macht Kirchenführungen in St. Peter und der Posaunenchor mit Kirchenmusikdirektor Christoph Jensen spielt auch in St. Ulrich.

Das war schon vorher so, als Pastor Richard Kurth und dann Pfarrer Hans-Dieter Nolte noch für die katholischen Christen vor Ort tätig waren und auch hier wohnten. Seit 1990 ist Michael Johannes Wrage nach 1989 abgeschlossenem theologischen Studium im katholischen kirchlichen Dienst tätig. Nach Stationen in Münster, Osnabrück und Hamburg kam er im Jahre 2000 mit seiner Frau Daniela Hohl-Wrage und den drei damals noch kleinen Söhnen nach St. Peter-Ording. Die sorgten im Pfarrhaus mit für Familienleben.- Nun sind die Jungen groß und aus dem Haus.-

In Lübeck suchte man nach der Umstrukturierung der katholischen Kirchengemeinden in einen pastoralen Raum für die neu konstituierte „Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern– in Nordfriesland ist dieser Prozess erst vor einem Jahr gestartet worden – für das Leitungsteam Priester und kirchliche Mitarbeiter verschiedener Professionen und ein Mitglied für die Schwerpunkte „Konzeption und Aufbau eines geistlichen Zentrums“ sowie „Begleitung und Förderung der ehrenamtlichen Teams an den Gemeindestandorten“. Der dort leitende Pfarrer Christoph Giering wandte sich deswegen an Michael Wrage. „Wenn noch einmal ein Wechsel, dann jetzt“, waren sich der heute 56jährige und seine Frau einig und entschieden sich nach Abwägung dafür.

„Das war nicht so ohne, denn St. Peter-Ording ist für uns ein echtes Zuhause geworden,“ bekannte Michael Wrage. „Es sind die vielen Kontakte mit dem Nebeneinander von familiärem und beruflichem Handeln.“ Doch den vor drei Jahren zusätzlich zum „systemischen Supervisor“ Ausgebildeten reizt auch die neue Aufgabe, den die Arbeit am Tourismusort zu einem ausgewiesenen Experten für die kirchliche Tourismusseelsorge gemacht hat. Die Thematik wird weiterhin für ihn Bedeutung haben.- Die Zusammenarbeit der Kirchen am Ort bezeichnete er kurz mit: „Klasse – hier muss sich keiner was beweisen!“ Das Kirchenschiff, das man gemeinsam „vom Stapel gelassen hat“, ist für ihn ein sichtbares Beispiel dieser Zusammenarbeit. Bundesweit findet dieses Projekt Beachtung. Sehr berührt habe ihn vergangenes Jahr die „spirituelle Wanderung“ mit vielen Teilnehmern unter dem Thema „Die Schöpfung bewahren“ mit den Bischöfen beider christlichen Kirchen und dem damaligen Ministerpräsidenten. Schön waren für ihn die Begegnungen während der Saison. „Es gibt Tage, da kommen einhundert Menschen nur zum Besuch der Kirche.“- Eine Geprächssituation aber blieb ihm besonders in Erinnerung, als er am Ende eines Pfarrfestes einer schwer erkrankten jungen Mutter in ihren letzten Stunden seelischen Beistand zu leisten vermochte. Er wusste: Das muss ich jetzt. Er hatte Gott dafür innig um Hilfe gebeten.- Auch das gehörte in den jetzt über 17 Jahren in St. Peter-Ording zu seinen Aufgaben als Seelsorger vor Ort.

Pastoralreferent Michael Wrage wird am Sonntag, 8. Oktober im Rahmen eines Gottesdienstes durch Pfarrer Oliver Meik aus Husum verabschiedet. Im Anschluss ab 11 Uhr findet ein von Gemeindemitgliedern durchgeführter kleiner Empfang statt. Anmeldung zwecks besserer Planung bitte bis 27.September an St.UlrichSt.Peter-Ording@t-online.de.

Hans Jörg Rickert, 20. September 2017, HN und w

„De best Irren-WG, de dat geven deit“

 

„Neurosige Tieden“ heißt das neue Theaterstück der Speeldeel St. Peter-Ording für die Spielzeit 2017. Winnie Abel hat es geschrieben, Heino Buerhoop ins Plattdeutsche gebracht. Um es kurz zusammenzufassen: Es ist ein Knaller! Und das sowohl des Inhaltes wegen als auch aufgrund der Besetzung. Man könnte meinen, es wäre so echt für diese Theaterspieler geschrieben. Das sind alles „Laien“, aber solche mit Profession!

Worum geht es in dem Stück? Das muss man eigentlich gar nicht wissen. Hilfreich allerdings vielleicht ist, dass man Begriffe wie „verrückt“ und „normal“ zu relativieren vermag nach der Redensart: „Jedeen is anners verrückt, blots verückt sünd wi al!“. Soviel allerdings sei verraten: Das Stück spielt in St. Peter-Ording in der „Offenen Wohngruppe der psychiatrischen Klinik“ auf der Bühne des Olsdorfer Kruges. Ärztin Dr. Dr. Ilse Schanz (Angela Ehlers) hat alles im Griff. Agnes Adalon (Astrid Klützke), Tochter einer reichen Hoteldynastie ist per richterlichen Beschluss zwangseingewiesen, ebenso Marianne (Kirsten Anton). Freiwillig haben sich in die Behandlung begeben die manisch-depressive Malerin Dörte (Gudrun Martin), der zwangsneurotische Finanzbeamte Hans (Hans Thomas Thomsen) und der soziophobe Willi (Olaf Jensen). Zu Besuch meldet sich Alice Adolon (Antje Jensen), feine Dame und Mutter von Agnes an. Sie hat keine Ahnung, dass ihre Tochter in der „Klapse“ ist. Dass aber muss unbedingt verheimlicht werden. Zu Besuch kommen außerdem die „Tuppertante“ Herta (Brigitte Einsmann) und der Volksbarde Hardi Hummer (Peer Kern aus Wesselburen) mit dem Reporter Freddi (Hans Möller) vun’t „Geele Blatt“. Er ist zugleich der „Supi“-Beschäftigungstherapeut Rolf. Wie immer gehören Günter Prigge, Helmut Walter sowie Beatrix und Heiko Prieg hinter den Kulissen dazu.

 

In der ersten Szene ist man gleich von dem Bühnenbild angetan und erlebt Kirsten Anton als singenden Volksmusikfan sowie Astrid Klützke, die „Hans“ auf dem Sofa umgarnt: „Du hest Recht, wi schüllt op jeden Fall nix anbrennen laten.“ – Weets’t Bescheed?

Die Premiere war ausverkauft. Viele Einheimische haben sich das nicht entgehen lassen und waren begeistert. Das gilt genauso für die vielen Urlauber. Sie waren in der Mehrzahl. Ob aus Kölln oder Kaiserslautern, Hamburg oder Flensburg – Plattdeutsches Theater hat was! Die nächsten Aufführungstermine sind am Sonnabend, 14. Oktober sowie danach im November am Freitag, 10. und Sonnabend, 11. jeweils um 20 Uhr im Olsdorfer Krug. Karten gibt es bei Sport 2000 in der Nordergeest.

Hans Jörg Rickert, 30. September 2017, HN und www.jb-spo.de

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Georg Panskus