2021 Februar

Zwischen den Jahreszeiten – eben noch Winter und dann Frühling

 

Der Monat Februar bot dieses Jahr eine Vielfalt an besonderen Eindrücken

 

Im Februar eine Woche durchgängig Frost und danach frühlingshafter Temperaturanstieg – das hatte es in den letzten Jahren in St. Peter-Ording nicht gegeben. Eis am Strand, der Ordinger Sielzug und die Pütten am Norderdeich im Naturschutzgebiet zwischen Grudeweg und Tümlauer Chaussee (St. Peter-Brösum) zugefroren, hatte schon seinen Reiz. Dazu kamen ein klarer Himmel und frische Luft. Danach wurde aus Schnee wurde Regen, es taute schnell, und der Frühling zog mit bis zu 14°C am 21. Februar ein.

 

Auf einmal waren dann auch die Nonnengänse überall wieder da. Bei dem starken Frost waren sie nicht zu sehen gewesen. Sie hatten sich einen anderen „Zwischen-Überwinterungsplatz“ gesucht. Starenschwärme hatte sich schon vor der Frostperiode hierher verirrt. Am 20. Februar waren bereits die ersten Kiebitze zu beobachten. Inzwischen sind sie richtig da. Die ersten drei Lämmer und Mutterschafe waren am 24. Februar beim Flugplatz auf einer Fenne zwischen Feldhausweg und Tating zu sehen. Und am Böhler Weg hatte jede der seit 2016 von einer auf 2019 sechs angewachsene weißen „Graugänse“ einen eigenen Pulk von grauen Artgenossen um sich. Sie sind standorttreu zwischen B 202 und Feldhausweg, Wittendüner Allee bis nach Böhl/Süderhöft am Eiderweg anzutreffen, inzwischen sogar manchmal im Vorland beim Böhler Leuchtturm in Richtung Dorf. – Und die Schneeglöckchen blühen auch!

Hans Jörg Rickert, 27.02.2021, www.jb-spo.de

St. Peter-Ording, Tating und Tümlauer Koog loteten mögliche Kooperationsbereiche aus

 

Zu einem Kooperationsraum Eiderstedt-West ist es aber nicht gekommen

 

Seit einigen Jahren arbeitet auf Eiderstedt der Kooperationsraum Mittleres Eiderstedt (KRME). Für die Gemeinden St. Peter-Ording, Tating und Tümlauer Koog stellte sich 2019 die Frage: Wollen wir dazu als Ergänzung einen Kooperationsraum Eiderstedt West schaffen? Zu einem solchen aber ist es in der seit März 2020 bis jetzt gelaufenen intensiveren Arbeitsphase mit Bürgerinnen und Bürgern jedoch nicht gekommen.

Die Moderatoren Torsten Beck und Susanne Dahm von „pakora.net“, Betina Breucha vom Amt Eiderstedt als Koordinatorin, Cornelia u. Klaus Moldenhauer, Hans Jörg Rickert, Björn Rodewald und Andrea Streubier als beauftragte Obleute von Arbeitskreisen sowie die Bürgermeister Rainer Balsmeier und Hans Jacob Peters bewerteten am 10. Februar in dem Corona-bedingt virtuellen Treffen die Entscheidungen bzw. eingeschlagenen Wege positiv. Torsten Beck bilanzierte für alle: „Unsere Arbeit hat sich gelohnt, auch wenn nun noch keine umgesetzten Ergebnisse vorliegen.

 

VORGESCHICHTE

Als der Kreis Nordfriesland das Angebot gemacht hatte, über das Büro „pakora.net“ ein zweites Kooperationsraum-Projekt zu starten, initiierte Bürgermeister Rainer Balsmeier von St. Peter-Ording zusammen mit den Bürgermeistern Hans Jacob Peters von Tating und Christian Marwig von Tümlauer Koog die Bewerbung für die Teilnahme. Sie war erfolgreich, man machte sich auf den Weg.

Das Projekt „Kooperationsraum-Coaching“ wurde für die drei Gemeinden kostenfrei über Mittel aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE) finanziert. Der Kreis Nordfriesland hat solche eingeworben und cofinanziert. Insgesamt fünf mögliche Kooperationsräume starteten in Nordfriesland im Kreis.

Auf Eiderstedt findet zwischen den Gemeinden in vielen Bereichen bereits seit langem eine Kooperation statt. Sie war schon vor 2008 – Schaffung des Amtes Eiderstedt als Verwaltungseinheit - eine an der Praxis orientierte Notwendigkeit. Im Bereich Schule kooperieren St. Peter-Ording, Tating und Tümlauer Koog seit den 70iger Jahren. Ab 2009 setzte man dies – wegen der Schulreform um die Schule in Garding und in Tetenbüll erweitert - im Schulverband Eiderstedt nahtlos fort. Die beiden ev.-luth. Kirchengemeinden St. Peter-Ording und Tating sind vor einigen Jahren zu einer zusammengefügt worden. Tating und Garding entsorgen ihre Abwässer über das Klärwerk SPO. Städtebaulich gehört ein Teilgebiet von Tating zu SPO. In der Kita arbeiten die drei Gemeinden seit Jahrzehnten zusammen.- Schnittmengen aber gab es dem Ermessen nach weitere. Deswegen war die Frage: „Ließe sich die Arbeit über einen Koop-Raum in eigener Regie oder ähnlich dem im mittleren Eiderstedt optimieren?“

 

VORGEHEN

Torsten Beck und Susanne Dahm von „pakora.net - Netzwerk für Stadt und Raum“ sowie Regionalentwicklerin Betina Breucha klopften mit den Gremien aus den Kommunen in Informations- und Austauschtreffen von Arbeitsgruppen und Workshops die Themenbereiche ab. Sie unterstützten bei der Erarbeitung von Problemlösungen und informierten über das Einwerben von Fördermitteln. Zwingende Vorgabe für alle Aktivitäten lautete: Zielgruppe sind die Einheimischen. Im Dezember wollte man fertig sein. Wegen Corona wurde der Zeitrahmen auf Februar ausgeweitet.- Auf einer Bürgerwerkstatt im März 2020 waren die zu bearbeitenden Themen vereinbart worden: Mobilität, Wohnformen, Alltagshilfen, Nachhaltigkeit und Vereine. Allein wegen der jeweiligen Materie und auch jahrzehntelanger Gewöhnung waren zum Teil „dicke Bretter zu bohren“.

 

ERGEBNISSE

Beim Thema Mobilität wurde von Beginn an deutlich, dass man über die drei Gemeinden hinweg denken muss. Daher haben sich die an diesem Thema Interessierten von Anfang an mit der Arbeitsgruppe Mobilität des KRME zusammengetan. Vertreten ist das „Westliche Eiderstedt“ dort durch Cornelia und Klaus Moldenhauer.

Beim Thema Nachhaltigkeit z.B. wurden unterschiedlichste Sichtweisen offenbar. Bei den Vereinen ergaben sich über eine Fragebogenaktion eine Reihe von Schnittmengen wie jährliche Treffen, Terminabsprachen und eine gemeinsame Homepage, aber die Eigenständigkeit des Arbeitens und Selbstständigkeit sind ein hohes Gut. Das wurde dann in einem Treffen weiter thematisiert. Man will weiter im Gespräch bleiben. Obleute sind Erik Langel und Hans Jörg Rickert.

Bezüglich neuer Wohnformen einschließlich sozialer Angebote wie Gesundheitsfürsorge haben Andrea Streubier und Björn Rodewald – unter Einbeziehung der Ergebnisse des Wohnraumversorgungskonzepts SPO/Tating - ein erstes Konzept erarbeitet, welches passende Wohnformen für Ältere, aber auch für jüngere Menschen mit Handicap sowie günstigen Wohnraum für Beschäftigte aus lokalen Betrieben bietet und daneben auch den sozialen Zusammenhalt durch neue Treffpunkte stärken soll. Hieran wird zurzeit weitergearbeitet. Auch das Thema „Alltagshilfen/nachbarschaftliche Unterstützung“ soll eingebunden werden.- Die Arbeit am Thema „Wohnraum“ und „Medizinisches Versorgungszentrum“ ist vordringlich. Hier geht es jetzt vor allem darum, auch ein Gelände zur Verfügung zu haben. Was die Vereinsarbeit betrifft, ist weitergehende Kooperation in kleinen Schritten angesagt.

 

FAZIT

„Normalerweise“ sollte ein Kooperationsraum nach einer gewissen Anlaufphase eine gemeinsame Organisationsstruktur mit regelmäßig arbeitenden Gremien wie bspw. einer Steuerungsgruppe, Arbeitsgruppen und Bürgerwerkstätten aufbauen. Nicht nur wegen Corona kam es im westlichen Eiderstedt anders. Einige Themen lassen sich zwischen den drei Gemeinden „auf dem kurzen Dienstweg“ besprechen, für andere ist eher das ganze Eiderstedt einzubeziehen, dazu kamen auch personelle Wechsel. Die Beteiligten haben daher entschieden, den Schritt hin zu einer Formalisierung nicht zu gehen. Die entstandenen Initiativen aus der Bürgerschaft werden weiterhin unterstützt.

Dennoch war dieses Vorhaben von größerer Bedeutung als man zunächst schließen mag. Die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik hat einerseits Fronten aufgebrochen, andererseits Klarheit darüber geschaffen, dass dies oder das institutionell nicht sinnvoll ist.

Wenn die Einschränkungen durch Corona die Arbeit auch erschwert haben, sind mithilfe der aktiven Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern wichtige Themenbereiche herausgearbeitet und erste Projektideen aufgezeigt und auf den Weg gebracht worden. „Gar nicht genug betonen kann man, wie wichtig es war, dass Menschen zu einer gemeinsamen Sache in den Dialog gekommen sind,“ sagte Betina Breucha.

Hjr, 20. Februar 2021, HN und www.jb-spo.de

Für die Eltern bleibt es bei der hervorragenden Qualität der Kita in SPO

 

Durch die Kita-Reform des Landes kommen auf St. Peter-Ording, Tating und Tümlauer Koog Mehrkosten zu

 

Das Gesetz zur Stärkung der Qualität in der Kindertagesbetreuung und zur finanziellen Entlastung von Familien und Kommunen (KiTa-Reform-Gesetz) wurde am 12. Dezember 2019 vom Schleswig-Holsteinischen Landtag beschlossen. In den Kommunen sind infolgedessen Anpassungen an die neue Gesetzeslage erforderlich. Das geplante Inkrafttreten musste als Konsequenz aus den getroffenen behördlichen Anordnungen zur Eindämmung des Coronavirus um fünf Monate auf den 1. Januar 2021 verschoben werden. Wesentliche Reformpunkte waren aber bereits zum ursprünglich geplanten Beginn des Kitajahres 2020/2021 zum 1. August umzusetzen.

Träger für die Evangelische Kindertageseinrichtung „Ev. Kita und Familienzentrum St. Peter-Ording, Tating und Tümlauer Koog“ ist das Kindertagesstättenwerk des ev.-Luth. Kirchenkreises Nordfriesland in Breklum. Seit dem 1. Jan. 2011 besteht zwischen dem Kita-Werk und den Kommunalgemeinden ein Vertrag zum Betreiben der Kindertagesstätte St. Peter-Ording. Dazu gehört eine Finanzierungsvereinbarung auf der Grundlage einer Defizitfinanzierung. Diese musste jetzt angepasst werden. In Zusammenarbeit mit dem Kita-Werk, der Leitung und dem Fachbereich Bürgerdienste und Ordnung des Amtes Eiderstedt ist der Entwurf der Anpassungsvereinbarung aufwändig und sorgfältig vorbereitet worden.

Fachbereichsleiter Sven Jacobsen vom Amt Eiderstedt betonte in seinem Vorbericht: „Wir haben in St. Peter-Ording eine Kita mit einer hervorragenden Qualität, die bereits in der Vergangenheit die Qualitätsstandards erfüllt hat.“ Die Absicht des Gesetzes, allgemein die Qualität der Kitas zu steigern und gleichzeitig die Kosten für das Betreiben zu senken, gleiche allerdings der Quadratur des Kreises. „Unterm Strich steigen die Kosten, auch für unsere Kommunalgemeinden.“ Ein wesentlicher Punkt des Gesetzes ist nämlich die Deckelung des Elternbeitrages auf einen landesweit einheitlichen Maximalbetrag. Dieser werde aber schon erhoben, ergab die spätere Aussprache.

Die Kita St. Peter Ording ist nach Inkrafttreten des Kita-Reform-Gesetzes zum 1. Januar dieses Jahres angelegt auf eine Betreuung von 4 Krippengruppen, 1 Natur-Kinder-/Hortgruppe und 9 Kinder-/Hortgruppen mit jeweils bestimmten Betreuungszeiten. Flexible Randzeiten kommen bei diesen für die Ankunft der Kinder morgens und für die Abholung am späten Nachmittag dazu. Das ist ohne logistische Meisterleistungen und Engagement des Betreuungspersonals nicht machbar. Mittagessen und Frühstück sind im Angebot und werden in der einrichtungseigenen Küche durch dafür explizit angestelltes und ausgebildetes Personal zubereitet.

 

Im Februar 2019 konnte man nach 1½-jähriger Auslagerung in das ehemalige Kurheim Köhlbrand den fertiggestellten großen Anbau (inklusive der Sanierung der älteren Bauten) beziehen. Damit allein ist die Kita von den räumlichen Gegebenheiten her super aufgestellt. Das Gebäude wird von der Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Peter-Ording und Tating mietfrei zur Verfügung gestellt. Der Betrieb und die Kosten für Instandhaltung/Sanierung erfolgen zu Lasten des Kita-Haushaltes über zwei langfristige Darlehen. Derzeit werden mehr als 210 Kinder betreut.

 

 

Durch die im Kita-Gesetz bestimmten neuen Finanzierungsströme fällt zwar das verbleibende Defizit für die Kita SPO geringer aus. Neben dem Defizitausgleich ist aber jetzt ein Wohnsitzanteil zu leisten, so dass die Ausgaben insgesamt steigen. Bürgermeister Rainer Balsmeier hatte das schon immer vorausgeahnt. Der Träger hatte bisher einen Anteil von 5 Prozent zu leisten. Dieser muss nach dem neuen Gesetz auf Null zurückgeführt werden. Das Defizit ist für das Wirtschaftsjahr 2021 mit 680.200 € veranschlagt. Es ist ausschließlich unter den drei Finanzierungsgemeinden aufzuteilen. Für St. Peter-Ording ergibt sich ein Anteil von 503.807,46 €, für Tating von 174.594,65 € und für Tümlauer Koog von 1.797,89 €.

Die nun von der Gemeindevertretung St. Peter Ording einstimmig beschlossene Anpassungsvereinbarung gilt für den gemäß Gesetz verankerten Übergangszeitraum bis zum 31. Dez. 2024. Danach ändern sich die Finanzströme nochmals. Das hat dann eine erneute Anpassungsvereinbarung zur Folge. Die jetzige war in der Sitzung des Kita-Ausschusses am 14.12.2020 erarbeitet und in einer virtuellen Sitzung des Ausschusses für Jugend, Kultur, Bildung und Sport beraten und zur Annahme empfohlen worden. Zur Vereinbarung gehören der Vertrag mit a) Anlage zur Anpassungsvereinbarung und b) Finanzierungsvereinbarung der Gemeinden sowie dem Vergleich der Finanzierungsstruktur alt/neu und der Entwicklung der Kita-Aufwendungen (2019 bis 2021). Klärungsbedarf gab es keinen. Peter Arndt hatte nur eine grundsätzliche Einlassung zum Kita-Reform-Gesetz. Die Gemeindevertretungen von Tating und Tümlauer Koog sind nun am Zuge.

 

Als 1965 der ev. Kindergarten in St. Peter-Ording mit zunächst zwei Gruppen seine Betreuungsleistungen für Kinder von 3 bis 6 Jahren anbot, ahnte niemand, in welcher Art sich diese Bildungs- und Erziehungseinrichtung zum Wohle von Kindern und des Miteinanders in Familien weiterentwickeln würde. Junge Familien erwarten das Vorhandensein solcher Betreuungsleistungen für Kinder ab Beginn des 2. Lebensjahres in den Krippengruppen, ab 3 Jahre dann im Kindergarten und schließlich bis Ende der Grundschulzeit im Hort an ihrem Wohnort bzw. in der näheren Umgebung. Die Corona-Pandemie hat uns deren Bedeutung für unser Alltagsleben mehr als nur bewusst gemacht.

Kita und Utholm-Schule (Grundschule), dazu die Utholm-Sporthalle, befinden sich in Sackgassenlage und sind direkt benachbart. Kita und alle Schulen am Ort und auch in Tetenbüll und Garding kooperieren mit der Nationalparkverwaltung. Mit der Utholm-Schule existiert eine über Jahre gewachsene und vielfältige Kooperation.

Hjr, 23. Februar 2021, HN und www.jb-spo.de

 

Siehe auch unter www.jb-spo.de

2019 - März 2   Einweihung der Evangelischen Kindertagesstätte in der Kirchenleye

Die Corona-Pandemie ist hinderlich bei der Bürgerbeteiligung fürs VEK

 

Der Zeitrahmen für die Erarbeitung und Verzahnung von Verkehrs- und Ortsentwicklungskonzept wird auf das Jahr 2022 ausgedehnt

 

VORGESCHICHTE

Seit Herbst 2019 arbeitet das Büro SHP Ingenieure aus Hannover an einem Verkehrsentwicklungskonzept. Der auf Drängen der CDU-Fraktion eingerichtete Verkehrsausschuss hatte die Erstellung eines solchen Konzeptes in seiner ersten Sitzung im Juli 2019 gefordert. Im Nachgang wurde dann auch noch ein Ortsentwicklungskonzept an das Büro B2K aus Kiel in Auftrag gegeben. Beide Konzepte sollen miteinander verzahnt werden. Zielvorstellung dafür war Ende 2021. Das war schon unter Normalbedingungen sportlich gedacht.

Ohne Bürgerbeteiligung sind solche Vorhaben in einer Gemeinde nicht mehr machbar. Verfahrenswege schreiben Beteiligung der Öffentlichkeit verbindlich vor. Diese lief in St. Peter-Ording auch zügig und gut an. Die erste Veranstaltung mit Bürgern gab es am 22. Januar 2020. Dann kam Corona. Trotzdem war man dank der Arbeit von Jörn Janssen und seinem Team von SHP gut davor. Von Beginn an war von dessen Seite deutlich gemacht worden, dass die Erarbeitung des VEK mit der Durchführung von Verkehrsprojekten verbunden sei, aus denen auch Erkenntnisse für die Machbarkeit gezogen werden sollten.

 

So gab es dann im Laufe des Sommers und Herbstes zwei weitere Sitzungen des Verkehrsausschusses. Zunächst war die Analyse der verkehrlichen Situation mit Strategien für eine Umsetzung vorgestellt worden. Vier „Leuchtturm-Projekte“ – 1) Einbahnstraßen-Regelung für die Zufahrt zum Ordinger Strand von der B 202 (Dreilanden) über die Utholmer Straße und die Nordrampe und Abfahrt über die Südrampe in Richtung Strandweg/Dreilanden, 2) Umwandlung der Pestalozzistraße in eine Fahrradstraße auch im Sinne von Schulwegsicherung, 3) temporäre Vermeidung von Durchgangsverkehr sowohl in der Dorfstraße im Ortsteil Dorf wie auch 4) in der Straße „Im Bad“ im Ortsteil Bad wurden ins Auge gefasst. Nach Abklärung der Machbarkeit mit Verkehrsbehörde etc. diskutierte die Gemeindevertretung heftig, aber schließlich wurde der Durchführung für die Monate Juni bis August 2021 zugestimmt. Vorgeschlagen worden war seitens der Behörden allerdings ein verlängerter Zeitraum, um validere Ergebnisse für die Auswertung zu haben.

 

Die Gemeindevertretung billigten dabei in der Dezembersitzung die seitens des Verkehrsausschusses für ihn zusätzlich gewünschte Entscheidungshoheit nicht, sondern behielt sich dieses Recht vor. Insbesondere die temporäre Minderung des Durchgangsverkehrs macht aus Akzeptanzgründen eine Bürger- und auch Anliegerbeteiligung unter Einbeziehung von Vereinigungen wie „DEHOGA“, „WFG“, „Wir für St. Peter-Ording“ etc. erforderlich. Diese war wegen Corona bisher nicht möglich. So gab es für die Sitzung der Gemeindevertretung ein neues Papier.

 

JETZT

  • „Einbahnstraßenregelung“ in Ording und „Fahrradstraße“ in Böhl sollen von Mai bis September in 2021 erprobt werden.
  • Die temporäre Verringerung von Durchgangsverkehr in der „Dorfstraße“ und „Im Bad“ soll erst 2022 in demselben Zeitraum erprobt werden.

 

Es gab vor allem wegen der „temporären Sperrungen“ wieder eine längere Debatte, aber schließlich wurde dem Vorschlag zur weiteren Bearbeitung der „Umsetzung von Verkehrsversuchen im Zuge des Verkehrskonzeptes in den Jahren 2021 (Ording und Böhl) und 2022 (Dorf und Bad) einschließlich der damit verbundenen Streckung des Zeitrahmens bei zwei Enthaltungen mit 13 Ja zugestimmt. Zwei Gemeindevertreter fehlten entschuldigt.

 

Kritikpunkte an den Versuchen in 2021 waren die stark anzunehmende Verlagerung des Verkehrs von der Pestalozzistraße in die Böhler Landstraße vorwiegend von Ingrid Brill und für 2022 „die temporäre Sperrung“ in ihren Auswirkungen überhaupt und i.e.S. im Hinblick auf Parkmöglichkeiten insbesondere von Jan Duggen.

 

Zur Vorbereitung auf die Verkehrsversuche in 2022 ist eine Bürgerbeteiligung zur Ermittlung der Belange der davon betroffenen Bürger und Anlieger durchzuführen, damit diese in den Planungsprozess einfließen können.

Die Kosten für diese Projekte werden mit 120.000 € in den Haushaltsplan eingestellt. Für 2021 werden 80.000 € veranschlagt, für 2022 sind es 40.000 €. Die Ausweitung für die Erstellung von VEK und OEK bis Ende 2022 ist vertragsmäßig nicht mit etwaigen Zusatzkosten verbunden.

Hjr, 19. Februar 2021, HN und www.jb-spo.de

 

Siehe zum Verkehrsentwicklungskonzept auch diese Beiträge unter www.jb-spo.de

2019      Juli         Verkehrsausschuss setzt in seiner ersten Sitzung ein Zeichen

2019      Sept.     Antrag der CDU-Fraktion zur Verkehrslenkung wurde abgelehnt

2020      Jan.        Zuviel Verkehr in St. Peter-Ording – aber wie kommen wir sonst hin?

2020      Juli         Verkehrskonzept - Online Befragung bis zum 31. August verlängert

2020      Sept.     Die Vielfalt der verkehrlichen Fragen bereitet Probleme

2020      Nov       Analyseergebnisse zum Verkehrskonzept für St. Peter-Ording

2020      Dez        Verkehrsausschuss empfiehlt die Erprobung von vier Maßnahmen

2020      Dez        Gemeindevertretung machte es sich in einem Fall wieder sehr schwer

Kommentar von Georg Panskus

 

Wenn die Flüssigkeit in einer Flasche langsam herausfließen soll, muss man den Flaschenhals enger machen.

 

Bei normalem Verkehrsaufkommen am Alltag werden die beiden Verkehrsströme von der Eiderstedter Straße und von der Bundesstraße noch gemütlich an der Ordinger Kirche vorbei über den Deich (enger Flaschenhals) fahren können. Wie sieht es aber an den Wochenenden aus?

 

Wenn am späten Nachmittag die Strandbesucher zurückfahren wollen, steht ihnen der Abbieger rechts (enger Flaschenhals) zur Verfügung auf die Straße am Deich. Die Radfahrer wollen da auch entlang.  An der Einbiegung beim Café Köhm auf die Bundesstraße nach links und rechts liegt rechter Hand eine Fußgängerampel, die manchmal den Verkehr stocken lässt. Jetzt soll davor noch eine Behelfsampel hinkommen, die eine schnelle Einfädelung nur stoßweise zulässt, es sei denn, sie wird intelligent nach Verkehrsaufkommen geschaltet.(Mein Vorschlag vor nun schon ungefähr vierzig Jahren, dort einen Kreisverkehr einzurichten, wurde damals vom Straßenbauamt mit einem süffisanten Lächeln abserviert.)

 

Eine Einbahnstraßenregelung hatten wir schon mal!

Ich erinnere mich noch, dass am Nachmittag in Ording ein Gewitter aufzog. Damals befanden sich aber noch mehr Autos am Strand als gewöhnlicherweise heute. Nur zögerlich setzten sich die Urlauber in Bewegung, dann wurden es immer mehr. Wind und starker Regen setzte ein, es bltzte und donnerte und wir standen mit unseren Autos in einem Riesenstau. Die Autos konnten nur auf einem Weg (enger Flaschenhals), nämlich nach rechts, über den Deich. Die andere Spur war leer. Es wollte ja keiner mehr zum Strand, aber es durfte auch keiner diesen Weg zurück benutzen - Einbahnstraße. Fast eine Stunde dauerte es, bis wir beim Café Köhm waren und da standen wir wieder lange, bis wir auf die Bundesstraße einbiegen konnten.

Man lernte daraus.

Hungerhamm: beliebter Naturraum, aber keine öffentlichen Parkpätze

 

In den Wintermonaten kann Parken hier nur eingeschränkt geduldet werden

 

Hungerhamm war einst ein fast menschenleerer Fleck in Ording. Der Name sagt schon, dass es hier nicht viel zu holen gab. Es war der Ort der Fischer, aber dieser Beruf ist in St. Peter-Ording nicht mehr beheimatet. Die Strandverhältnisse haben sich verändert. Die Kutter mussten nach der Sturmflut 1962 in den kleinen Tidehafen Tümlauer Koog ausweichen. Steinmolen wie 1950 sucht man heute in Ording Nord bei „Nackhörn“ vergeblich. Die ehemaligen Fischerhäuser am Norderdeich dienen jetzt Ferienzwecken oder sind in Privatbesitz. Norderdeich Nr.41 war u.a. einmal das „Armenhaus“.

 

Hungerhamm heute müsste eigentlich als ein „Schatz der Natur“ unter Schutz gestellt werden. Aber der Tourismus nahm 1877 in Ording seinen Anfang. Er brachte Geld in eine der ärmsten Ecken von Eiderstedt und sorgte entscheidend mit für die Entwicklung von St. Peter und Ording zur heutigen Tourismusdestination.

 

Der Verein Kunstinitiative St. Peter-Ording veranstaltet seit nunmehr zehn Jahren in einem Teil der in der Saison von den Strandkörben freien Strandkorbhalle seine ansprechende und auch gut besuchte Sommerausstellung.- Der Übergang vom Norderdeich durch die herrliche Dünenlandschaft an den Strand wird nicht von Mitarbeitern der Tourismus-Zentrale kontrolliert. Der Strand ist sozusagen frei zugänglich.- Ein Teil des hinter den Dünen liegenden Strandes ist hier zudem als Hundeauslaufgebiet gekennzeichnet. Notgedrungen hat man sich seitens Nationalparkverwaltung und TZ dazu durchgerungen. Wirtschaftlicher Tourismus fordert seinen Tribut.

 

Einen öffentlichen Parkplatz aber gibt es in Hungerhamm nicht. Von der Deichrampe Nord bis hin zum Grudeweg gilt am Norderdeich durchgängig Halteverbot. Es gibt extra Ausweichbuchten. Der Grünstreifen dient auch dem Gewässerschutz, denn an ihm entlang führen Entwässerungsgräben, auf Eiderstedt seit Jahrhunderten unbedingt erforderlich. Die Grasnarbe ist zu erhalten, damit das Wasser auch versickern kann. Durch das unzulässige Parken von Fahrzeugen aber wird sie verdichtet und vor allem bei nassem Wetter geschädigt.

 

 

Vom 15. März bis 31. Oktober hat man den Platz um die Strandkorbhalle zwecks kontrollierter Parkmöglichkeit verpachtet. In der übrigen Zeit wird im vorderen Bereich des Grandplatzes das Parken von PKW geduldet. Der Platz ist jetzt auch nicht als Parkplatz ausgeschildert. Er dient im wesentlichen Lagerzwecken, und das auch für Notfälle und muss deswegen jederzeit frei sein. Gerade am Wochenende aber kommen in „Corona-Zeiten“ noch mehr Tagesausflügler. Man kennt den Platz zum „Parken“.

 

„Hungerhamm“ war einmal ein Geheimtipp. Das ist schon lange nicht mehr so. Jetzt ist dieser schöne Ort in St. Peter-Ording mit Konfliktpotential behaftet. Egal, was man letztlich machen würde, richtig machen kann man es nicht, und vor allem auch nicht allen recht machen. Die Hoffnung auf Einsicht in die Notwendigkeiten stirbt zwar zuletzt. Die Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes des Amtes Eiderstedt müssen trotzdem ihren Pflichten nachkommen. Wie schön wäre es doch, wenn PKW-Besitzer und Hundeliebhaber den Ausweichparkplatz an der Utholmer Straße nutzten und von dort aus den Hundestrand mit ihren Vierbeinern an der Leine und mit Kottüten versorgt aufsuchten und wirklich erst im ausgewiesenen Bereich laufen ließen.

 

Hans Jörg Rickert, 16. Februar 2021, HN und www.jb-spo.de

Ernennung und Vereidigung von Jürgen Ritter zum Bürgermeister

 

Ab 1. Mai zeichnet er mit seiner Unterschrift verantwortlich für St. Peter-Ording

 

Zwei Eigenschaften bringt Jürgen Ritter schon einmal mit: Er kann unterschreiben und jemand anderen beim Unterschreiben genau auf die Finger schauen. Das konnten alle in der 19. Sitzung der Gemeindevertretung am 16. Februar 2021 sehen und erleben. Als Bürgervorsteher Boy Jöns und er sich dann Corona-gerecht beglückwünschten, war auch klar: Der Mann hat Humor. Danach kam von diesem in seiner klar strukturierten und auch beeindruckenden Rede am Ende ein eindeutiges Bekenntnis für St. Peter-Ording: „Ihnen ganz persönlich – und zwar jedem einzelnen - wünsche ich ebenso das Beste, wie Ihrem Sankt Peter-Ording, das nun auch „mein“ Sankt Peter-Ording sein darf.“- Spontanen Beifall gab es von allen Anwesenden in der Aula des Gymnasiums der Nordseeschule: den Mitgliedern der Gemeindevertretung, Bürgermeister Rainer Balsmeier sowie Ralf von Dohlen und Sven Jacobsen vom Amt Eiderstedt und der wegen Corona nur begrenzt möglichen Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern.

 

Bürgervorsteher Boy Jöns hatte zu Beginn der Sitzung insbesondere Jürgen Ritter und seine Frau Heike in der Runde willkommen geheißen.

Ihm oblag es, den künftigen hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde St. Peter-Ording zu vereidigen und dabei alle Formalien zu beachten. Trotz seines legeren Auftretens verlieh er diesem feierlichen Akt gekonnt eine angemessene Würde. Nachdem er mit einem kurzen Schlenker auf die inzwischen schon mehr als 24 Jahre Amtszeit von Bürgermeister Rainer Balsmeier hingewiesen hatte, leitete er zu dem Akt über und erläuterte das Prozedere.

Die Ernennungsurkunde habe der Bürgermeister ausgefertigt, überreichen aber werde er sie.  Nach der Vereidigung sei die erforderliche Niederschrift von Jürgen Ritter und ihm zu unterschreiben. Dieser Zeitpunkt der Vereidigung passe auch sehr gut, ergänzte er, damit sich der künftige Bürgermeister einarbeiten könne.

Nachdem beide unterschrieben hatten, wandte er sich glaubhaft mit diesen Worten an Jürgen Ritter: „Ich freue mich auf Ihre Zeit als Bürgermeister.“

 

Dieser wusste, was er jetzt zu tun hatte. Seine Rede kam rüber. Er erinnerte an die Zeit vor der Wahl, als er sich in St. Peter-Ording umgesehen und in Gesprächen und bei Besuchen bekannt gemacht hatte. „Für mich und meine Familie ist heute ein wichtiger, ein schöner Tag. Ein Tag, auf den ich hingearbeitet habe, ein Tag, den die Bürger von Sankt Peter-Ording mir möglich gemacht haben, indem sie mich – trotz harter, aber fairer Konkurrenz - zum künftigen Bürgermeister der Gemeinde gewählt haben.“ Er habe viele Menschen aus St. Peter-Ording kennen und schätzen gelernt und dabei von ihren Sorgen und Befürchtungen, ihren Hoffnungen und Zukunftsvorstellungen erfahren. Er habe das verinnerlicht und verstanden. Er sei sich sicher, dass seine Entscheidung für die Übernahme des Bürgermeisteramtes richtig gewesen ist.

 

Jürgen Ritter versicherte: „Was ich versprochen habe, das werde ich halten: Ich bin und bleibe unabhängig. Ich bin und bleibe unvoreingenommen. Ich bin und bleibe offen für alle Anliegen, Sorgen und Nöte.- Ich werde Bürgermeister für alle sein. Und werde das auch bis zum Ende meiner Amtszeit bleiben.- Keine Frage: Große Aufgaben stehen vor uns.- Wir werden sie gemeinsam angehen, und wir werden sie gemeinsam bewältigen.“

Hans Jörg Rickert, 17. Februar 2021, HN und jbspo.de

ZUR  ERINNERUNG

 

 

Jürgen Timmann

18. Januar 1949 – 30. Januar 2021

 

Sein Haus in der Straße „Am Wäldchen“ war für ihn Heimat. Hier lebten er und sein jüngerer Bruder mit ihrer Mutter seit 1960. Der Vater war schon verstorben. Beide besuchten das Nordseegymnasium St. Peter. Dort engagierte sich Jürgen Timmann in der Schülervertretung, war der „Kulturpräfekt“ und brachte die Schülerzeitung heraus. 1970 machte er sein Abitur und schrieb sich dann an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel für das Studium der Theologie und der Geisteswissenschaften ein. Nach dem Gymnasiallehrerexamen in den Fächern Religion und Geschichte begann 1976 seine Zeit als Lehrer. Oberstudienrat wurde er 1993 und schied 2014 aus dem Schuldienst.

Vielseitig interessiert war Jürgen Timmann schon immer gewesen. Nicht nur sein Erfahrungsschatz aus der gewerkschaftlichen Arbeit in der GEW war groß. Geradeheraus, aber nie aufdringlich, sondern mehr im Hintergrund wirkend, und mit vielen Fähigkeiten ausgestattet, arbeitete er ehrenamtlich im Förderverein für Kunst und Kultur Eiderstedt e.V. in Garding. Er war nicht nur dessen Schriftführer, er glättete auch manche Wogen.- In St. Peter-Ording wirkte er im Verein KulturTreff e.V. einsatzfreudig für die Rezertifizierung des Museums Landschaft Eiderstedt mit.

Im Klotzkreis, einer seit langem in St. Peter-Ording existierenden Herrenrunde, war er geschätzter Gesprächspartner und Vortragender.

Besonders engagiert hatte er sich von Beginn an, also ab Januar 2019, für des Entstehen des Ü 60 Beirates. Er wurde im März 2020 zum Mitglied des Vorstandes gewählt und übernahm dort das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Man war gewissermaßen noch in der Einarbeitungs- und Findungsphase. Er wurde für die einsetzende Phase der Konsolidierung gebraucht. Nun fehlt er aufgrund seines plötzlichen Todes auch hier.

Mit seiner konstruktiven und humorvollen Art und seinem Engagement hat er der ehrenamtlichen Arbeit gutgetan. Viele Menschen in St. Peter-Ording und auf Eiderstedt danken ihm für sein Wirken.

Hans Jörg Rickert für das Jahrbuch St. Peter-Ording

                                                                                                 im Februar 2021

„Wildes Campen“ will man in St. Peter-Ording so weit wie möglich gegen Null bringen

 

Tourismus-Ausschuss bringt eine Umsetzungsstrategie auf den Weg

 

Parken und „Wildes Campen“ in St. Peter-Ording sind zweierlei. Beides aber stellt Ordnungsamt und Polizei vor besondere Herausforderungen. Bei Verstößen gegen das Nachtparkverbot am Strand wurde bis Juli 2019 ein Verwarngeld in Höhe von 30 € fällig. Weil sie zugenommen hatten, erschien eine Erhöhung auf 50 € hinreichend, um dem unzulässigen Parken entgegenzuwirken. Das jedoch hatte nicht die erhoffte abschreckende Wirkung. Je nach Wetterlage waren es am Strand 30 bis 100 Fahrzeuge. Die Polizei hat in 2020 mehrfach die Strandparkplätze geräumt. Auch gegen „Wildes Campen“ haben Ordnungsamt und Streife gemeinsam Kontrollen unternommen. Durch die Corona-Pandemie haben diese Verstöße auch noch einen Zulauf erfahren. Damit lag die Thematik erneut auf dem Tisch.

 

Tourismus-Zentrale und Polizeistation St. Peter-Ording sowie das Ordnungsamt des Amtes Eiderstedt und die Bußgeldstelle des Kreises Nordfriesland haben die Gemengelage in mehreren Gesprächen erörtert und gemeinsam nach Möglichkeiten gesucht, hier Abhilfe zu schaffen. So hat man sich auf die „Umsetzung einer Strategie gegen ‚Wildes Campen‘ “ verständigt. Diese schließt aber auch eine Ausnahmeregelung für den Parkplatz in der Utholmer Straße in Ording ein.

 

Fachbereichsleiter Sven Jacobsen vom Amt Eiderstedt erläuterte den Mitgliedern des Tourismus-Ausschusses zunächst die Sachlage und stellte dann das Strategiekonzept vor:

 

1) Verstöße gegen das Nachtparkverbot am Strand sollen ab dem 15. März 2021 mit einem Bußgeld von 100 € zzgl. 25 € Gebühren und 3,50 € Auslagen geahndet werden. Die erhöhte Geldbuße gilt auf den Strandparkplätzen in Ording und Böhl sowie auf den Bermenparkplätzen in Ording und am Südstrand im Dorf.

 

2) Auf dem Parkplatz „Utholmer Straße“ wird das Übernachten in Fahrzeugen “zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ geduldet. Dafür sollen u.a. ergänzende Maßnahmen umgesetzt werden: Erhebung einer Nachtparkgebühr (22.30 bis 7:30 Uhr) in Höhe von 1,50 €/Std. während der Hauptsaison (Juni – August) und Einrichtung einer Schrankenanlage mit Kassenautomat

 

3) Die Polizei wird im Rahmen der Nachtstreife weiterhin Kontrollen des „Wilden Campens“ durchführen.

 

Sachlich und umfassend gestaltete sich die Aussprache. Thorsten Malorny betonte: „Ich bin 1 zu 1 für dieses Strategiepapier.“- In Bezug auf die im Land allgemeine öffentliche Diskussion, in unmittelbarer Nähe zu Campingplätzen Ausweichplätze einzurichten, war das Echo ziemlich gleich. Joachim Korupp sah aus Erfahrung Probleme bei der geplanten erlaubten Nutzung der Sanitäreinrichtungen eines benachbarten Campingplatzes. Die wüchsen schließlich nicht mit. „Für unseren Platz kann ich mir das nicht vorstellen“, sagte er. In der Diskussion erkennbar wurde auch, dass man für Mitglieder des Vereins „Boardsport SPO e.V.“ Parkmöglichkeiten schaffen sollte.

 

Der Aufwand für die Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei sowie der anschließenden Bearbeitung im Amt Eiderstedt bzw. beim Kreis Nordfriesland bliebe hoch. Dazu kämen die Kosten für die Herrichtung des Parkplatzes an der Utholmer Straße. Sie schlügen mit ca. 40.000 € zu Buche.

 

„Wenn wir den Weg vom Strand weg gehen wollen, bleibt uns aber nichts anderes übrig“, so Bürgermeister Rainer Balsmeier. Man war sich insgesamt einig, dass es bei Beachtung aller Gesamtumstände sträflich sei, den Verstößen nicht mit neuen und trotzdem der Situation angemessenen Regelungen zu begegnen.- Das Strategiepapier zum „Eindämmen des Wilden Campens“ wurde einstimmig angenommen.

 

Hintergrund

Während der Strandöffnungszeiten von Mitte März bis Oktober verletzen immer wieder viele das Nachtparkverbot von 22.30 bis morgens 7.30 Uhr. Schon beim Auffahren auf die Deichüberfahrtsrampen sind die Halteverbotshinweise eindeutig erkennbar. Auch das Befahren der Strände ist über Nacht verboten. Aber auch das unzulässige Übernachtparken in Wohnmobilen auf Parkplätzen oder sonst irgendwo verstößt gegen gesetzliche Regelungen.- Für die Ortslage wird seitens des Gesetzgebers angenommen, dass St. Peter-Ording Zielort der Fahrt ist. Reisende haben sich deswegen im Vorweg um eine zulässige Übernachtungsmöglichkeit zu kümmern. So einfach „über Nacht bleiben“, weil es so schön ist, gilt eben nicht.

Die Gemeinde hat sich nämlich im Strandnutzungsvertrag mit dem Land Schleswig-Holstein verpflichtet, das Nachtparkverbot in geeigneter Weise umzusetzen. Das erlaubt auch das Erheben von Verwarn- und Bußgeldern unabhängig zum bundeseinheitlichen Bußgeldkatalog zur StVO. Die im vergangenen Jahr ausgehandelte Verlängerung des Vertrages gestattet das Parken mit Fahrzeugen am Strand eben nur als Ausnahmeregelung! Der Strand ist per Nationalparkgesetz seit 1985 Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und seit 2009 auch UNESCO-Weltnaturerbe.

Hans Jörg Rickert, 23. Februar 2021, HN und www.jb-spo.de

Siehe dazu auch unter www.jb-spo.de

2019 - Aug.      Nach zehn Jahren ist eine Anpassung der Parkgebühren erforderlich

2020 – Nov.      Interessensausgleich zwischen Naturschutz und Tourismus

Der Wirtschaftsplan der TZ geht für 2021 von einem hohen Verlust aus

 

Corona und die derzeitigen Unsicherheiten bei den Erträgen führen dazu

 

Rainer Balsmeier ist zurzeit in der Doppelfunktion als Bürgermeister und Tourismus-Direktor tätig. Ab 1. März wird Katharina Schirmbeck die seit November vakante Stelle der Tourismus-Direktorin übernehmen. So erläuterte er dieses Mal den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Tourismus-Zentrale. Der ausgewiesene Verlust in Höhe von 1.962.480 € ist für 2021 aufgrund der Situation erwartet hoch angesetzt. Er wird mit dem tatsächlichen Verlust 2020 in Höhe von etwa 1 Mio € gegenüber der im Nachtragshaushalt noch höheren Summe von 1.771.241 € mit den Gewinnvorträgen aus den Wirtschaftsjahren 2010 bis 2019 ausgeglichen. Deren Höhe beläuft sich auf 9.742.790 €.

Balsmeier betonte: „Wir müssen mit Verlusten planen.“ Wenn keine Gewinnvorträge mehr erwirtschaftet würden, reichte es bis 2025/26. Danach wären die Verluste aus dem Gemeindehaushalt auszugleichen.

 

Die Kalkulation für 2021 ist schwierig und inwieweit Erträge generiert werden können, sei unsicher, erfuhren die Mitglieder aus den politischen Gremien und einige Bürger*innen. Die Sitzung des Tourismus-Ausschusses war Corona-bedingt die erste öffentliche Sitzung in 2021. Es gab noch freie Plätze.

Der Wirtschaftsplan ist untergliedert in Erfolgsplan (Erlöse 14.933.190 € und Aufwand 16.895.670 €) und Vermögensplan sowie die Stellenübersicht. Die Erlöse für 2021 wurden geringfügig nach unten angepasst. Die wetterabhängigen Einnahmepositionen – Tageskurabgabe, Strandkorbvermietung und Parkentgelte – wurden unterhalb der seit 2017 erreichten Erlöse geplant. Die Tourismusabgabe wurde mit 1.470.700 € als dem kalkulierten Wert eingestellt. Sie erbrachte in den Jahren 2017 bis 2019 jeweils über 1,9 Mio €. Auch für 2020 sieht der Ertrag derzeit positiv aus; die endgültige Berechnung fehlt allerdings noch. Aufgrund der Covid-19 Pandemie wurden die Kurmittel- und Dünen-Therme-Erlöse ebenfalls angepasst. In der Dünen-Therme und Sauna liegen sie gegenüber vorher bei nur 60%.

 

Hinsichtlich des Bauhofs sind gemäß Übernahmevertrag seitens der Gemeinde 807.100 € im Wirtschaftsplan als Erlös eingetragen. Damit ist die Übernahme abgeschlossen, und die TZ stellt der Gemeinde ihre erbrachten Leistungen für die Wahrnehmung der hoheitlichen Aufgaben ab 2022 in Rechnung.- Die Planungen für die Verlegung des Bauhofes vom Dorf an den Brüllweg/Neuweg laufen. Die Kosten dafür sind im Vermögenshaushalt mit 100.000 € angegeben. Bei den Verpflichtungsermächtigungen schlägt der Bauhof mit 5 Mio € zu Buche.

 

Die Aufwandspositionen wurden überwiegend an die tatsächlichen Zahlen des Jahres 2020 angepasst. Der Personalaufwand beläuft sich auf knapp 6,265 Mio €. Das sind rund 353.000 € mehr als im Planansatz 2020. Berücksichtigt wurden dabei eine Tariferhöhung um 1,4 % ab April sowie 100.000 € Kurzarbeitergeld für den Lockdown im Januar 2021. Die Stellenübersicht weist 148,48 Stellen aus. Das sind 0,27 Stellen mehr als für das Wirtschaftsjahr 2020.

Das alte Rollschuhfeld ist geräumt - die Baumaßnahme "Familientreff" kann beginnen.

 

Im Vermögensplan wurden der für 2021 zugesagte Zuschuss für die Erweiterung „Promenade II“ (Tiefbau) mit 2 Mio € (Förderanteil 70%) sowie der für den Familientreff mit 5.790.490 € (Förderanteil 90%) eingestellt.

 

Auf der Ausgabenseite sind die großen Positionen die Kosten für die Promenade II, das Gebäude Familientreff mit Gastro, die neue Strandgaststätte Strandbar 54 °N, eine neue Elektrolyseanlage für die Wasseraufbereitung in der Dünen-Therme und eben die Planungskosten für den Bauhof. Einzahlungen und Auszahlungen belaufen sich auf je 19.231.220 €.

 

Festgesetzt werden die Gesamtbeträge für Kredite mit Null € und der Verpflichtungsermächtigung mit 7,572 Mio €. Der Höchstbetrag der Kassenkredite wird mit 9 Mio € festgesetzt.

 

Der Entwurf des Wirtschaftsplanes 2021 war bereits Mitte Januar zugestellt worden, damit aufgrund Corona geringerer Präsenzsitzungen schon im Vorfeld Fragen gestellt werden konnten. Das wurde nicht in Anspruch genommen. Eine Aussprache erübrigte sich in der Sitzung. Einstimmig befürwortete der Tourismusausschuss die Vorlage.- Erneut beraten wird der Wirtschaftsplan in der Sitzung des Finanzausschusses am 8. März, um dann am 22. März in der Sitzung der Gemeindevertretung verabschiedet werden zu können. So jedenfalls ist es geplant.

Hjr, 09. Februar 2021, HN und www.jb-spo.de

 

Siehe dazu auch unter www.jb-spo.de

2020      Juli           -  Pfahlbau Strandbar 54° Nord muss rückverlegt werden

2020      August   -   Mit dem Pfahlbau „Strandbar 54“ Nord“ beschäftigte sich nun der Tour.-Ausschuss

2020      Sept.         -  Für den Bauhof gibt es am Neuweg eine Zukunftsperspektive

2020      Oktober  -  Tourismus-Ausschuss beschäftigte sich mit den Folgen von Corona (Haushalt)

2020      Nov-Dez. - „Der Adler ist gelandet“ - Erlebnis pur auf einen Kilometer (Promenade 2)

Entkusselungsarbeiten in St. Peter-Ording für dieses Jahr beendet

 

Aspekte wie Biodiversität, Küsten- und Waldbrandschutz werden dabei berücksichtigt

 

Die Dünenwälder von St. Peter-Ording erstrecken sich von Ording bis nach Böhl. Dieses Gebiet hat vor hundert Jahren etwa so ausgesehen, wie heute die Dünen am Norderdeich von der Überfahrt bis nach Hungerhamm. Bäume gab es da nicht. Förster und Einwohner haben mit Kiefern dafür gesorgt, um die Sandmassen festzuhalten. Der Sandflug hatte insbesondere Ording zum „Armenhaus“ von Eiderstedt gemacht. Doch der Wald an sich bleibt bei der Entkusselung aus eben diesem Schutzgrund unangetastet. Die Arbeiten finden hauptsächlich in den vor ca. 30 bis 40 Jahren noch offenen und mit Heide und Dünengräsern bewachsenen Dünenbereichen statt.

Nach zwei Wochen Arbeit sind die jährlichen Entkusselungsmaßnahmen zum Abschluss gekommen. Etwas arbeitsintensiver war diesmal der nördlich gelegene Bereich am Strandweg. Hier musste man nach dem Ende der linksseitigen Bebauung gegenüber dem Gelände Köhlbrand erst eine Lücke schaffen. Ein „Aufklärungsschild“ weist auf Entkusselung als Küstenschutz- und Dünenpflegemaßnahmen hin.

 

Die Zusammenhänge sind von einer großen Komplexität. Im Gespräch u.a. mit dem Förster Patras Scheffler des DHSV erhellten sich diese.

  1. Ein vorhandener Dünenkorridor mit überalterten und zugewachsenen Heidebeständen wurde vom Strandweg bis zum Spielplatz „Ponderosa“ wieder freigestellt, damit sich diese auf den in Teilen offenen Sandflächen verjüngen können. Einige Kieferngruppen in der offenen Fläche wurden als Habitatbäume und zur Strukturierung der Landschaft belassen. Auch sie bieten vielen Arten Unterschlupf und Lebensraum.
  2. Im Zuge der Arbeiten wurde zusätzlich eine Gasse geschaffen. Sie führt schlangenlinienförmig in das dahinterliegende Wald- und Küstendünengebiet und dient zur Bewirtschaftung der Waldfläche und zu deren Schutz vor Brandgefahr. Gleichzeitig verbindet sie nun auch die offenen Lebensräume bei Maleens Knoll mit denen am Strandweg. Neben anderen Arten wird dadurch der hier vorkommenden seltenen Zauneidechse die Wanderung und der genetische Austausch ermöglicht. Hier hat man drei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Waldbrandschutz, Artenschutz durch Biotopverbund und Vorbereitung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung.
  3. Die Maßnahmen zum Waldbrandschutz werden auch in Zukunft intensiver verfolgt. Überall im Wald- u. Dünengebiet finden sich Hinweisschilder auf Brandgefahr. Durch achtlos weggeworfene Zigaretten und Ignoranz gegenüber dem Rauchverbot entstandene Wald- u. Dünenbrände haben die Freiwillige Feuerwehr St. Peter-Ording bisher jedes Jahr nicht nur einmal ausrücken lassen.

 

Im Grunde sind diese Arbeiten generell eine Bewirtschaftungsmaßnahme zum Erhalt einer hohen Biodiversität sowie von Natur und Landschaft. Zugleich ist es aber auch eine Dünenpflegemaßnahme, die diese lockeren Dünen- und Waldgebiete aufwerten soll, indem der ursprünglichen Dünenvegetation und der damit verbundenen Artenvielfalt Raum gegeben werden. Auch der Wald will für nachkommende Generationen gepflegt werden. Langfristig sind klimastabile Mischwälder mit Laub- und Nadelbäumen und hohem Totholzanteil als Lebensraum erforderlich. Derzeit dominieren die Nadelgehölze, was den Wald für Schäden anfällig macht. Hier sollen mit „Hilfe“ von Eichelhähern auf natürliche Weise „Eichen“ gesät werden, die diese Küstenwälder naturgemäß prägen würden. Mit ihren Wurzeln sorgen die Eichen für eine Sicherung der ansonsten „weichen“ Dünen. Das weiß man aus langjährigen Erfahrungen und kann man in anderen Regionen eindrucksvoll sehen.

 

Die Maßnahmen zum Waldumbau von Nadelholzmonokulturen zu standortangepassten Mischwäldern werden zukünftig auch über das Projekt Sandküste St. Peter-Ording mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz (wir berichteten) gefördert. Es gehört satzungsgemäß zu den Aufgaben des DHSV im Rahmen des Küstenschutzes und der generationengerechten Waldbewirtschaftung. In seinem Besitz sind in St. Peter-Ording ca. 245 Hektar Wald- und Dünenflächen, die er zu pflegen und zu bewirtschaften hat. 153 Hektar davon sind FFH-Gebiet. Mit dem DHSV beteiligt sind an diesen Vor-Ort-Maßnahmen das LLUR, die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland, die Gemeinde SPO, der WWF und die Schutzstation Wattenmeer.

 

Die in die Dünen gerissene Lücke wird nach Beendigung der Maßnahmen einschließlich des Abräumens des Holzes mit Sand so verschlossen, dass danach aber eine Möglichkeit des Überfahrens gegeben ist. Die Spuren im Gelände erholen sich durch die naturgegebene Vegetation. Wie positiv sich die bisherigen Dünenpflegemaßnahmen ausgewirkt haben, ist besonders um Maleens Knoll wie auch in den Dünen von der Reha-Klinik Goldene Schlüssel bis nach Böhl erkennbar.

Hans Jörg Rickert, 03. Februar 2021, HN und www.jb-spo.de

 

Die „Südallee“ in St. Peter-Dorf war einst der Hauptweg zum Südstrand

 

Eine Straße mit Geschichte und Erinnerungen an eine schöne Kinderzeit

 

Nun ist die Pension Dünenschloss auch abgerissen worden. Mit zwei Baggern war man seit dem 28. Januar am Arbeiten. Da blieb keine Fensterscheibe heil, auch kein Waschbecken, aber alles wurde den Vorschriften entsprechend sortiert und abtransportiert.-

In der zweiten Dezemberwoche 2020 war zuerst Südallee Nr. 3 „abgeräumt“ worden. Dann folgte Mitte Januar 2021 „Seehausen“ (Nr. 8). Beide Häuser standen schon ein Jahr lang leer. An der Stelle des ehemaligen „Deichheim“ in direkter Nachbarschaft zum „Dünenschloss“ liegt die große Fläche schon seit 2016 brach. Sie reicht nördlich und westlich zur Hälfte bis an das Grundstück Badallee 15. In dessen Nachbarschaft ist südlich inzwischen ein Neubau (Wohnhaus) entstanden.

 

Das „Dünenschloss“ stand seit 1927. In dem Jahr wurde auch das Haus Südallee 1 gebaut. 1929 kam als Drittes das „Deichheim“ dazu. Alle anderen Häuser mit den ungeraden Nummern sind erst in den 1950er Jahren bzw. später entstanden, wie Nr. 10 (Wohnen und Vermieten) und Nr. 8. Die neuesten Bauten sind Nr. 2a (Wohnhaus 2008) und Nr. 6 (Ferienwohnungen „Süderpiep“) sowie die der Badallee zugeordneten Nr. 13 (Dorfcafe) und Nr. 13a. Sie stehen auf dem Gelände des von 1955 bis 2000 von Martin Jensen bis ins höhere Alter betriebenen Campingplatzes.

 

„Nun steht nur noch eins von den alten Häusern aus meiner Kinderzeit“, sagte Peter Hansen (*1945).

Er wohnt in Nr. 7, seinem Elternhaus. Sein Vater Claus Hansen (1910-92) ist von Oster-Ohrstedt nach St. Peter gekommen. Mit seiner Frau Johanna hat er im Sanatorium „Goldene Schlüssel“ gearbeitet. Walter Kolbe war einer seiner Arbeitskollegen. Für 1,25 DM pro Quadratmeter erwarben beide1953 ihr Bauland. Dem von Dr. Felten geführten Sanatorium gehörte das damalige Land von Düneneck sowie Deichstraße und Südallee.

Peu á peu wurde der Grundstückspreis dann über Jahre monatlich vom Lohn „abgestottert“. Nr. 7 steht seit 1954. Das Haus Nr. 9 von Walter Kolbe ist inzwischen einem Neubau mit Ferienwohnungen gewichen. Alle anderen Häuser, auch das abgerissene Südallee 3 – die Eltern Koll von Inke Ibs (Grothusenkoog) hatten es einst gebaut - entstanden danach. Es waren meistens Eiderstedter, die hier bauten. Ingeburg Koll war eine geb. Peters aus Ording (Gräftendiek). Ihr Mann hatte eine Landstelle in Esing.

 

Der Südstrand von heute wurde für das Dorf um ca. 1900 attraktiv. 1910 war in Ording das Hotel Utholm eröffnet worden. Zimmervermietung existierte schon vorher. Im Bad gab es bereits 1877 das erste Hotel. 1913 gründete das Doktorenehepaar Dr. med. Richard Felten und Dr. med. Felicitas Felten-Stoltzenberg das Sanatorium „Goldene Schlüssel“. Es existiert heute als DRK Reha-Klinik und liegt seit jeher etwa auf der Hälfte der Strecke zwischen Bad und Dorf.

 

Dass mit Sommergästen Geld verdient werden konnte, hatte man auch im Dorf begriffen und war „auf diesen Zug aufgesprungen“.

In der Badallee – einem Sandweg – waren beidseitig Häuser gebaut worden. 1905 wurde sie zu einer Grandchaussee in Richtung Bad „ausgebaut“ worden und 1913 trotz vorhandener Skepsis seitens der Dorfbewohner geklinkert. Auch Bäume hatte die Straße und damit alle Voraussetzungen für das Entstehen einer richtigen Allee. Vermietung mit Vollpension brachte Geld. Das war nicht nur ein gutes Zubrot, sondern entwickelte sich wie später beim Dünenschloss sogar von einer Nebenerwerbs- zu einer Haupterwerbsquelle. Nicht nur im Bad und in Ording, auch in St. Peter ging es aufwärts.-

 

Die Straße „Zum Südstrand“ gab es noch lange nicht. Hier schlängelte sich bis ca. 1970 stattdessen ein Weg durch die Dünen. Bis 1840 hatte es von der Stelle des heutigen Rathauses noch einen direkten Zugang zur Nordsee gegeben. Das gesamte Land zwischen Dorfdeich bis hin zur Deichstraße und Düneneck entwickelte sich zu einer richtigen Dünen- und Heidelandschaft. Sie blieb es bis zum Kriegsende und darüber hinaus. Für die Kinder war es ein beliebtes Spielgelände, in dem man frei herumstromern konnte. Das änderte sich allmählich, nachdem seit 1968 – Gründung des Reitervereins St. Peter - die Reitanlage Dreililien geschaffen wurde. Mit dem Deich- und Hauptsielverband existiert ein noch heute geltender Vertrag. Ihm gehört das Land vor dem das Dorf schützenden Deich. Dieser dient seit 1976 über Westmarken bis nach Ording als zweite Deichlinie. In diesem Jahr wurde die Erhöhung des Seedeiches ab „Goldene Schlüssel“ in Richtung Böhl beendet. Dazu erforderlicher Sand wurde dem existierenden Dünengebiet entnommen.

Die Südallee war 1920 zwar nur ein Sandweg, aber bereits der Hauptweg zum Südstrand. Für den Bau der ersten Häuser war die Nähe zum Strand ausschlaggebend. Alle drei Häuser dienten zum Wohnen und im Nebenerwerb für Feriengäste als Pensionen mit Frühstück bzw. auch Vollverpflegung. Bei diesen Bauten blieb es dann aber wegen des Krieges bis Anfang der Fünfziger.

 

Den Namen Südallee trug die Straße zu Recht. Sie war ein wassergebundener Kiesweg mit Gegenverkehr. Links und rechts standen im Wechsel Pappeln und Eichen. Die schneller wachsenden Pappeln sollten dann später zugunsten der Eichen entfernt werden. Bei der Asphaltierung aber fielen alle Bäume. Noch heute fällt auf, dass die Südallee nur einen Bürgersteig in Richtung „Zum Südstrand“ besitzt. Keiner wollte den gerne haben, bis dann Martin Jensen erklärte: „Dat övernehm ik, de Siet höört je sowieso mi to.“ Das hatte man dann so miteinander nachbarschaftlich „abgeschnackt“. Streit wegen solcher Angelegenheiten wurde eben vermieden. Schließlich war man auch in der Feuerwehr gemeinsam aktiv, entweder bei der Kapelle oder im Löschdienst.      

 

Als einziges Haus ist nun nur noch Südallee 1 erhalten, und das sogar in seiner Ansicht von außen. Ignaz und Helga Rott sind seit 1992 die dritten Eigentümer. Sie bewohnen das Haus und vermieten auch. Erworben haben sie das Anwesen von Georg und Marie Sönkens, Eltern von Christel Sönkens (*1948). Sie wohnt weiterhin an ihrem Geburtsort. Ihre Eltern hatten das Haus noch vor Ende des Krieges mit Hilfe von Darlehen kaufen können.

Christel Sönkens Mutter war eine geborene Jacobs aus St. Peter, der Vater kam von Garding. Er war Maler und bei den Deutschen Werken beschäftigt und während des Krieges erst in Griechenland und zuletzt in Norwegen. Für beide war klar, dass sie nach dem Krieg nach Eiderstedt zurückwollten. Mit ihren drei bis 1940 geborenen Jungs wohnte die Mutter in Kiel. Als sie dort Mitte des Krieges ausgebombt worden war, kam sie in ihrem Heimatort unter. Nach der Entlassung aus englischer Gefangenschaft kam auch der Vater hierher, und Christel Sönkens erblickte als „Nachzügler“ das Licht der Welt.

Das Haus war von dem Vorbesitzer gleich so gebaut worden, dass man vermieten konnte. Während des Krieges gab es erst Einquartierungen von Soldaten. Am Kriegsende ließ der Zustand des Hauses sehr zu wünschen übrig. Auch manches Fußbodenbrett war verheizt worden. Danach diente es der Unterbringung von Flüchtlingen.- Christel Sönkens kann sich gut daran erinnern, wie es in den Fünfzigern war. Im Haus gab es sechs Zimmer für zwei Betten und ein Einzelzimmer. Nicht nur die wurden bei Vollpension an die Sommergäste vermietet, auch das Wohn- und das Schlafzimmer. Die Saison war ja nur sechs Wochen bis später maximal 100 Tage und nicht wie heute über das ganze Jahr. Die Eigentümer selbst schliefen in den Schuppen, die sonst auf dem Gelände der Unterbringung von Gerätschaften und anderem dienten. Schuppen gehörten früher zu jedem Haus dazu, denn Keller zu bauen war auf Eiderstedt wegen des hohen Grundwasserstandes nur selten bzw. auch in Bezug auf die Kosten kaum möglich. Den Tag über war man wegen der Gäste vollbeschäftigt, so dass dies alles zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens gehörte. Alle Familienangehörigen waren insgesamt in dieses „Bewirtungsunternehmen“ mit eingespannt.- Als Rotts das Haus für ihre Zwecke übernahmen, wurde innen umgebaut. Das Äußere des Hauses wurde absprachegemäß nicht verändert.

 

Die Straße „Zum Südstrand“ entstand erst nach der Deicherhöhung. Bereits 1961 war das Rathaus erbaut worden. Daher ist die Adresse auch Badallee Nr.1 und nicht „Zum Südstrand“. Der Anbau entstand 1972 und im Zuge dessen auch die Anlage des Bauhofes. Die Häuser hinter dem Parkplatz bei der Historischen Insel in Richtung Südstrand wurden in den 80iger Jahren gebaut. Pro Quadratmeter betrug der vom DHSV berechnete Preis inzwischen bereits mehr als 100 DM. Als Claus Hansen das erfahren hatte, war sein Kommentar in Erinnerung an die 1,25 DM pro qm: „Wenn ik dat wuss harr, harr ik dat all köfft!“

 

Hans Jörg Rickerf, 31. Januar 2021, www.jb-spo.de

Siehe dazu auch unter

 

www.jb-spo.de

2020     Nov/Dez           Die Pension „Dünenschloß“ in der Südallee Nr. 12 hat ausgedient

2020     Juli                   EXTRA-TIPP – Südstrand St. Peter-Ording mit Meer und mehr

2017     Febr.                Aufräum- und Pflegearbeiten in der 2. Deichlinie am Dorfdeich

 

Hefte der AG Ortschronik

Nr. 20/1998 – S. 113ff   Werner Schröder „Chronik des Hauses Deichheim“

 

 

Hrsg. DRK LVSH e.V.  100 Jahre DRK-Nordsee-Reha-Klinik Goldene Schlüssel 1913 bis 2013