2020 JANUAR

 

Zuviel Verkehr in St. Peter-Ording – aber wie kommen wir sonst hin?

 

Erste Bürgerveranstaltung zu einem Verkehrsentwicklungskonzept für den Tourismus-Hotspot

Der Tourismus im Badeort St. Peter-Ording boomt. Auch die Nebensaisonzeiten verzeichnen Zunahmen. 2,5 Mio Übernachtungen und an die 600.000 Tagesgäste im Jahr sind für den 4000-Einwohner-Ort gewaltige Zahlen. So richtig ruhig wird es nicht mehr. Sind die Witterungsverhältnisse gut, rollt besonders der Verkehr am Wochenende – auch in der Nebensaison. Arbeitskräfte pendeln. Dauerwohnraum fehlt, aber er ist am Ort preislich auch nicht für jeden erschwinglich.

Die Gemeinde hat ein Verkehrsentwicklungskonzept (VEK) in Auftrag gegeben. Im Nachhinein ist auch ein Ortsentwicklungskonzept auf den Weg gebracht worden. Eine Verzahnung beider ist erwünscht, aber kein gemeinsames Konzept.

 

Der Zeitraum für die Erstellung des VEK ist auf zwei Jahre bis Dezember 2021 gestreckt, so Jörn Janssen von SHP Ingenieure aus Hannover. Gemeinsam mit Stefan Luft von Urbanus aus Lübeck, beides Unternehmen für Strukturentwicklung und Verkehrsgestaltung, hatten sie die Leitung. Unterstützt wurden sie seitens der Mitarbeiterinnen von SHP Melissa Latzel und Sabrina Stieger sowie von Sven Jacobsen und Christoph Thimm vom Amt Eiderstedt bei der Moderation der Workshops. Die mit über 80 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung fand am 22. Januar im Gymnasium der Nordseeschule statt.

 

Bürgermeister Rainer Balsmeier eröffnete den Abend mit der Frage nach der tatsächlichen Einschätzung der Verkehrsproblematik. Stefan Luft leitete in die Problematik mit ihrer Vielschichtigkeit – Straßenverkehr, Parken, ÖPNV, Barrierefreiheit, Einzelhandel, Querung etc.- und die Gesamtablaufplanung über Bürgerbeteiligung, Gremiensitzungen, Expertengespräche und mehr ein.

 

Vier Workshops sind fest eingeplant. Jörn Janssen machte in seinem Impulsreferat „Wie soll die Mobilität der Zukunft aussehen?“ deutlich, dass ein ganzjähriges Verkehrskonzept zu entwickeln ist, das auch diejenigen berücksichtigt, die hier wohnen und leben, und in dem sehr viele Nutzungsansprüche unter „einen Hut zu bringen“ seien. Fuß-, Rad-, Bus- und fließender Autoverkehr, Parken, Bahnhaltepunkte, Strand und dabei Bad und Dorf als Zentren seien in den Blick zu nehmen. Für die Workshops gelte: Möglichst viele zu Wort kommen lassen, Ideen und Meinungen zulassen.

 

Die Einteilung für die Arbeitsgruppen erfolgte aufgrund der Zugehörigkeit zu den Ortsteilen Dorf, Bad, Böhl und Ording. Ording und Dorf waren am stärksten besetzt. Von „Wir können nicht mehr Verkehr gebrauchen“ (Dorf) über „Im Sommer ist das hier ausgereizt“ (Ording) zu „Parkproblemen in Wohngebieten“ (Böhl) und „mehr Hotels gehen nicht aus verkehrstechnischen Gründen“ (Bad) reichten Aussagen. In den Statements der Moderatoren erwähnte Melissa Latzel für das „Dorf“ besonders die Dorfstraße und das Gewerbegebiet und Jörn Janssen für Ording die Bandbreite der Problematik der Verkehrsbelastung überhaupt und zusätzlich vor allem durch Tagesgäste. Sabrina Stieger zeigte fürs Bad die Problematik auf für „Autos raus! Aber wie kommen wir dann rein?“ und schlug die Reduzierung der Geschwindigkeiten im ganzen Ort auf 30 und für die Eiderstedter Straße auf 50 km/h vor. Sven Jacobsen rückte die Kritik an der Art des Ausbaus der Böhler Landstraße mit den Fahrradstreifen und die Frage nach Parkmöglichkeiten in den Blick.

Die in den Arbeitsgruppen auf Karten festgehaltenen Punkte werden nun ausgewertet und im Herbst in einem zweiten Workshop vorgestellt, ehe dann gezielter als in dieser Findungsphase weitergearbeitet werden soll.

Einheimische wie Gäste/Urlauber können sich ab sofort über die Startseite des Netzauftritts des Amtes Eiderstedt www.amt-eiderstedt.de unter „Aktuelle Meldungen“ „Verkehrskonzept St. Peter-Ording – Mischen Sie mit!“ weiterhin in den Prozess einbringen. Auch über die „Facebook-Seite“ im Auftritt der Tourismus-Zentrale wird das möglich sein, so der Bürgermeister. Das Echo insgesamt auf diese erste Bürgerrunde ist positiv.

 

Anzumerken bleibt: Weniger als 10 Teilnehmer waren unter 45 Jahre, keiner unter 25! Mehr als 50 waren per PKW gekommen – in dieser Jahreszeit bei den Witterungsbedingungen allerdings nicht verwunderlich. Zwecks Einbeziehung Jüngerer wolle man mit der Nordseeschule Kontakt aufnehmen. Das Team um Calvin Muthmann aus dem Abi-Jahrgang sorgte für die Bewirtung der Teilnehmer.

Hans Jörg Rickert, 25. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

 

Pressemitteilung für den Workshop

Die verkehrliche Situation in St. Peter-Ording leidet insbesondere in den Sommermonaten unter einem viel zu hohen Verkehrsaufkommen. Der Autoverkehr – ausgelöst auch durch einen starken Tagestourismus – schränkt die Verkehrsqualität insbesondere in den Ortsteilen Bad und Dorf stark ein. Fußgänger und Radfahrer müssen sich auf viel zu beengten Seitenräumen ihren Weg suchen und kommen sich gegenseitig in die Quere. Eine Verbesserung dieser Situation ist auch vor dem Hintergrund der Konkurrenz in anderen Regionen unbedingt nötig. Auch was das Parken auf dem Strand betrifft, gilt es, auf notwendige Veränderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein. Hinzu kommen die Anforderungen einer planvollen Ortsentwicklung im Zusammenhang mit den verkehrlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten.

Dabei muss der Bewohner mit seinen Bedürfnissen auch Berücksichtigung finden und auf dem Weg zu neuen Lösungen mitgenommen werden. Daher soll nun mit einer ersten Bürgerveranstaltung in einen Dialog eingestiegen werden. Gemeinsam mit dem beauftragten Ingenieurbüro SHP Ingenieure aus Hannover sollen Alternativen und Varianten diskutiert werden.

Dazu lädt die Gemeinde Sankt Peter-Ording Sie am 22. Januar 2020 um 18:00 Uhr in die Räumlichkeiten der Nordseeschule, Pestalozzistraße 62-70, ein. Es wird um telefonische Anmeldung unter 04862/1000-144 oder -145 bis zum 17. Januar 2020 gebeten.

Die Bürgerveranstaltung ist der Auftakt für die Bearbeitung eines innovativen Mobilitätskonzeptes für St. Peter-Ording. Ende 2021 soll es fertig sein. Anhand der Anregungen der Bürger sowie einer darauffolgenden Bestandsanalyse der Gutachter werden Maßnahmenvorschläge entwickelt, die sowohl kurzfristig als auch langfristig zu einer Verbesserung der verkehrlichen Gesamtsituation in St.-Peter-Ording beitragen sollen.

Hannover, 25.11.2019, SHP Ingenieure, entnommen dem Netzauftritt des Amtes Eiderstedt

 

Am Landeswald- und Landeswassergesetz kommt niemand vorbei

 

Die Gesetzesneufassungen machen die Bauleitplanungen noch komplexer

 

In der Einwohnerfragestunde war der B-Plan Nr. 1 wieder einmal Einstieg, …

Dies könnte sich im Kopf des einen oder anderen Teilnehmers in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde St. Peter-Ording abgespielt haben: „Der Klimawandel hat uns voll im Griff. Meeresspiegelanstieg und Kohlenstoffdioxid wirken bis in die kleinste Hütte.“ Die Frage darf nicht lauten: Wie retten wir uns und unseren Besitzstand? Die Frage muss vielmehr so formuliert werden: Wie wollen wir damit umgehen? Klimadeiche sind das eine, aber es gibt noch viel mehr! – Der Saal im Olsdorfer Krug war voll besetzt mit Bürgerinnen und Bürgern. Am neuen Wald- und Wassergesetz des Landes aber kommt keiner vorbei. Das wurde in der Einwohnerfragestunde so „peu a peu“ klar. Andreas Mietz (AWG) hatte an diesem Abend in der Funktion des Ausschuss-Vorsitzenden ein „schweres Amt“.

 

Als von Gudrun Bendig nach dem Stand des B-Planes Nr.1 – er gilt für einen Teil im Bad und hatte wieder einmal ausgelegen – gefragt worden war und nicht nachließ, versuchte Bürgermeister Rainer Balsmeier mit seiner Einlassung grob Klarheit zu verschaffen. Er hatte sich nach etwas längerer Diskussion eingebracht und gesagt: „Ich weiß nicht, wie wir mit dieser Thematik umgehen können. Es ist eine Gemengelage. Stellungnahmen zum Landeswassergesetz können wir nicht übergehen.“ Das aber schien irgendwie nicht begriffen werden zu wollen.- Die Anlieger sind einfach ungeduldig. Sie wollen nach fast 10 Jahren Arbeit am B-Plan endlich Klarheit haben, wie es weitergeht.

Allein wegen des Landeswaldgesetzes hatten sich Verwaltung und Gemeindepolitiker im vergangenen Jahr mehrfach mit dem B-Plan Nr.1 beschäftigen müssen, nachdem schon alles in trockenen Tüchern zu sein schien. Die Hürde wurde genommen (wir berichteten).

Nun ist mit dem Landeswassergesetz* eine weitere Gesetzesneufassung dazu gekommen. Der Ortsteil Bad ist davon unmittelbar betroffen. Statt eines Landesschutzdeiches existiert hier nur ein Regionaldeich, dessen Unterhaltung der Gemeinde und nicht dem DHSV obliegt. Er ist um ca. eineinhalb Meter niedriger als ein üblicher Landesschutzdeich. Deshalb ist bei den B-Plänen schon immer die Hochwassersituation zu berücksichtigen gewesen, das jetzt aber verstärkt.

 

Dieser Hintergrund aber wurde den Anwesenden insgesamt wohl nicht ausführlich genug nahegebracht, so dass es in der Einwohnerfragestunde unter anderem auch um Verluste bei der möglichen Wertschöpfung durch beabsichtigte Investitionen ging. „Wie gehen Sie damit um?“ fragte Peter Hartwig. Diese Frage könne er nicht beantworten, reagierte der Bürgermeister.- Auch das geplante Dünen-Hotel in Ording wurde Gegenstand der Nachfragen in Sachen Hochwasser. Da gilt derzeit weiterhin der „alte“ B-Plan 40.

Am Freitag, 17. Januar hatte es das angekündigte Gespräch mit Minister Bernd Buchholz gegeben (wir berichteten). Der Investor hat eine veränderte Planung vorgestellt. Dazu soll es vor weiteren Erörterungen in den Gremien am 5. Februar um 18 Uhr im Dünen-Hus zuerst eine vorgezogene Bürgerinformation geben, berichtete Rainer Balsmeier. Für das Ortsentwicklungskonzept sind mit einem Antrag beim LLUR die ersten Schritte eingeleitet worden, gab er ebenfalls bekannt.

 

… danach erst kamen die vorgesehen B-Pläne an die Reihe

Nach diesen anfänglich höchst diffizilen Sachverhalten konnte die weitere Tagesordnung zügig abgearbeitet werden. Die B-Pläne Nr. 36 – „Kieferneck“ bis Kreisel „Alter Badweg“ - und Nr. 32 – „Utholmer Straße“ bis „Kölfhamm“ – wurden wegen des neuen LWG von der Tagesordnung genommen. Hier muss nun erst geprüft werden, inwieweit die beiden Pläne seitens des Gesetzes tangiert werden.

 

Es blieben somit „Mobilfunk-Mast im Bad“,

  • das Fassen des Entwurfs- und Auslegungsbeschlusses für den B-Plan Nr. 21 - 4. Änderung - für den Bereich Feuerwehrgerätehaus und den
  • B-Plan Nr 35 – 3. Änderung – Gewerbegebiet Nordergeest sowie das
  • Fassen des Satzungsbeschlusses für den B-Plan Nr. 30 – 6. Änderung - für den Bereich entlang beidseitig der Böhler Landstraße (K 6) vom Wiesenweg bis „Zum Böhler Strand“.

Die Beschlüsse fielen jeweils einstimmig mit Ausnahme von B-Plan 30. Hier gab es eine Gegenstimme. Diskussionsbedarf hatte es u.a. wegen Abstandes der Häuser des ehemaligen „Blindendorfes“ zum Dünenwald gegeben.

 

Für das Feuerwehrgerätehaus besteht aktueller Erweiterungsbedarf. Neue Unfallverhütungsvorschriften machen außerdem die Trennung des Umkleidebereiches von der Fahrzeughalle erforderlich. Da das Baufeld insgesamt eng geschnitten ist, hat die Gemeinde beim Schaffen der baurechtlichen Voraussetzungen für die Gewährleistung des Brandschutzes innerhalb der Gemeinde zu sorgen. Anbauten sind angedacht in Richtung Heedweg und Eiderstedter Straße. Die Zuwegung erfolgt weiterhin wie bisher über den Heedweg.-

 

Da sich evtl. auch für die Polizeidienststelle die Standortfrage ergibt, wird für sie im südlichen Bereich des Geländes planungsrechtlich ein Ersatzstandort sichergestellt.

 

Die 3. Änderung des B-Planes Nr. 35 wird als Bebauungsplanung der Innenentwicklung gem. § 13a BauGB durchgeführt. Sie ist erforderlich wegen der Umsiedlung von ALDI nach Ording. Die Zulässigkeit für einen Lebensmitteldiscounter wird am bisherigen Standort aufgehoben. Nachnutzung mit anderem Sortiment ist geregelt. Darüber hinaus beabsichtigt REWE die Erweiterung ihres Marktes mit zusätzlichem Ausbau für das Sportgeschäft Möller.

 

Schnell fiel die Entscheidung für die Mobilfunkversorgung im Bad durch einen 30 Meter hohen schlanken Schleuderbetonmast mit GFK-Verkleidung. Thomas Fannasch von der Telekom Mobilfunk GmbH hatte die begrenzten Möglichkeiten an diesem Standort vorgestellt. Mehr sei hier nicht machbar. Die Abfrage nach Leistung werde höher sein. Die Realisierung werde so schnell wie möglich nach Baugenehmigung erfolgen. Ab Frühjahr nächsten Jahres könnte die Anlage frühestens arbeiten.

Hjr, 21. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

 

Kommentar

Seitens der Bürger ist Gelassenheit gefordert

Tatsache ist: An den Landesgesetzen kommt keiner vorbei. Die Verwaltung nicht, weil sie an Gesetze, Verordnungen und Ausführungsbestimmungen gebunden ist, aber auch der einzelne Bürger nicht.- Auch Baugrenzen sind einzuhalten, obwohl man doch gerne einen Wintergarten hätte. Es ist eben anders als beim Parken. Vielleicht hat man da Glück, dass die Ordnungswidrigkeit noch nicht gesehen oder übersehen worden ist. Ein Wintergarten ist aber auch nach einer halben Stunde noch sichtbar, und dem Nachbarn vielleicht – weil unrechtmäßig errichtet – ein Dorn im Auge. Beides ist in St. Peter-Ording Fakt und sind keine „Fake News“. Es kann eben nicht jeder machen, was er will. Deshalb gibt es die Bauleitplanung der Gemeinden.

Nachdem nun beim B-Plan Nr. 1 die Situation wegen des Landeswaldgesetzes jedenfalls weitgehend befriedet ist – man musste sich eben mit der Gesetzeslage arrangieren – und man gehofft hatte, dass der B-Plan nach Auslegung in Kraft treten könnte, macht jetzt das Landeswassergesetz einen Strich durch die Rechnung. Auch die Verwaltung ist „not amused“. Sie war froh, „die Kuh endlich vom Eis gebracht zu haben“. Damit die nun in diesem bisher frostlosen Winter „nicht untergeht“, muss die Sachlage überprüft werden. Die Bürger müssen der Verwaltung diese Zeit einräumen. Ihr kann man hier keine Schuld in die Schuhe schieben wollen. Und da nicht nur ein Gesetz greift, muss überlegt und vor allem alles so geregelt werden, dass nicht wieder eine behördliche Eingabe alles zunichtemacht. Gelassenheit ist auf allen Seiten gefordert. Verwaltung – hier das Amt Eiderstedt – kann nicht anders vorgehen.

Man stelle sich nur vor, der eine oder der andere Anlieger wäre mit seinen Investitionen gestartet, und es würde „Stopp“ heißen! - Es ist auch keine Willkür-Politik aus Kiel. Landesregierung und Parlament haben gearbeitet. Wald ist ein Kohlenstoffdioxidverzehrer. Je weniger CO2, desto geringer der Treibhauseffekt und damit evtl. nach heutiger Kenntnis ein geringerer Anstieg des Meeresspiegels. Das ist insgesamt zwar nur „Kleinvieh“, aber „auch das macht Mist.“- Ob dem Landesparlament mit dem Landeswald- und dem Landeswassergesetz nun große Würfe gelungen sind, sei dahingestellt, doch in der Politik sind mehrheitsfähige Kompromisse zu finden. Und die sind bei „Jamaica“ so umgesetzt worden.

Übrigens: Der Politik verdanken wir auch die Landesschutzdeiche, die nach 1962 gebaut worden sind. Wasser kennt keine Grenzen, aber Eiderstedt und St. Peter-Ording mit seinem niedrigeren Regionaldeich im Ortsteil Bad haben eben auch Glück gehabt. Bei der Sturmflut 1981 hatten wir im Bad Wasser.

Hans Jörg Rickert, 23. Januar 2020

Es tut sich was zwischen Fritz-Wischer-Straße und Strandpromenade

 

B-Plan 13 C - Die Zuwegung zum Hotelneubau „urban nature“ ist bald fertig

 

An der Strandpromenade zwischen dem kleinen „Haus Krabbe“ und der Wohnanlage „Atlantis“ soll ein Hotelneubau entstehen. Die Häuser Nr. 13, 15 und 17 standen gefühlt Jahre leer und verwahrlosten mehr und mehr. Im Februar 2019 wurden sie abgerissen. Sie waren Bestandteil des B-Planes Nr 13 C. An ihre Stelle wird das Hotel „urban nature“ kommen.

Ein Teil des Kurwaldes wurde dem B-Plan 15 entnommen und dem B-Plan 13 C zugeschlagen, um eine Zuwegung von der Fritz-Wischer-Straße anzulegen. Das war vor allem seitens der Anlieger strittig. Insgesamt zog sich die Neuaufstellung des B-Planes 13 C hin, bis dann am 4. März 2019 durch Beschluss der Gemeindevertretung einschließlich der Zuwegung alles in „trockenen“ Tüchern war.

Der einstige „Kurwald“ vom Strandläuferweg bis hin zur Fritz-Wischer-Straße hat diese Bezeichnung auch schon seit Jahren nicht mehr verdient. Er ist zusehends verwildert. Das Grabensystem funktionierte nur noch eingeschränkt, wenn überhaupt. Beim Parkhotel ist der Graben nicht mehr erkennbar, zu großen Teilen verschüttet.

Bei der Entwässerung des Kurwaldes ist nun eine erste Verbesserung eingetreten, seitdem das Anlegen der Zuwegung in Arbeit ist. Das ist deutlich erkennbar an neu angelegten Gräben mit Verrohrung unter der Zuwegung. Diese ist fast fertig. Dazu ist in Abstimmung mit der Forstbehörde bereits vorher ein Teil des Baumbestandes entfernt worden. So genannte „Fledermausraketen“ waren davor aufgestellt worden.

Allerdings müssten auch alle anderen Gräben hergerichtet werden. Eine Durchforstung des Kurwaldes täte ebenfalls Not.

Hjr, 10. Januar 2020, www.jb-spo.de

Aus Campingplatz Sass ist Camping SPO geworden

 

Udo Jensen und Stefan Schmaler, beide in St. Peter-Ording aufgewachsen, zur Schule gegangen und fest beheimatet, stellen sich neuen Herausforderungen. Zum 15. Januar 2020 haben sie Campingplatz Sass im Grudeweg 1 im Ortsteil Ording übernommen. Mit Maike Christiansen und Chantal Zahn betreiben sie ab sofort unter dem Namen „Camping SPO“ den im Sommer bis zu 150 Stellplätze umfassenden Reisemobil-Campingplatz mit Zeltfläche. Handwerkliches Geschick und kaufmännische Erfahrung und vor allem viel Mut und Arbeitskraft werden sie in das gemeinsame Unternehmen einbringen. Mit ein wenig Wehmut, aber auch mit Erleichterung haben sich nun Andrea und Jörg Sass vom Campingplatz und ihrem bisherigen Zuhause getrennt.

Die beiden neuen Inhaber gehen nicht unerfahren ihre neuen Aufgaben an, denn beide sind mit Campingurlaub aufgewachsen und haben die Geschäftsübernahme umfangreich vorbereitet. Stefan Schmaler war schon häufig mit seinen Schwiegereltern unterwegs und Udo Jensen kennt die Themen „Campingplatz“ und „Gästebetreuung“ ebenfalls aus seiner Kinderzeit. Bereits Opa Martin und Oma Ingeborg haben im Ortsteil Dorf südlich der Badallee einen kleinen Campingplatz gehabt. Die „Pension Dünenschloss“ gehört heute seinem Bruder Bodo Jensen. Udo Jensen hat bis zum Ende des letzten Jahres als Teilhaber eine Autowerkstatt in Husum betrieben und Stefan Schmaler arbeitete auf dem Bauhof der Gemeinde. Nun kann es mit Camping SPO losgehen. Vieles ist noch zu erledigen, Logo und Internetseite (www.camping-spo.de) stehen schon. Camping SPO wird ab sofort ganzjährig geöffnet sein. Die ersten Urlauber sind bereits da.

Kornfenne und Marrenfenne* hießen die beiden Landstücke vor dem Norderdeich rechts und links des Grudeweges. Sie reichten von der heutigen B 202 bis hin zum quer verlaufenden Entwässerungsgraben etwa in Höhe der ersten S-Kurve, von der aus der Grudeweg dann etwas versetzt zum Seedeich führt. Heute befinden sich auf der Kornfenne direkt hintereinander zwei Campingplätze. Das Areal von Camping SPO ist insgesamt 5,9 Hektar groß.

Im Jahre 1948 hatten Ludwig Sass und seine Frau Frieda mit einem Zeltplatz in Ording begonnen. Sie hatten am Grudeweg ein ärmliches Siedlungshaus. Als Deicharbeiter war der Vater von Jörg Sass beim „Fiskus“ beschäftigt. Jörg und Andrea Sass haben den Campingplatz dann übernommen und in den vergangenen 38 Jahren immer wieder erweitert und den Anforderungen und Wünschen der Gäste entsprechend gestaltet. Schon lange wollten sie vor allem auf der Marrenfenne den Campinggästen komfortablere und vielfältigere Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Die Pläne dafür sind gut durchdacht und fertig. Der Bauausschuss hat seine Zustimmung bereits gegeben. Es fehlt nun noch das Wohlwollen der Gemeindevertretung. Dann kann es losgehen.

Udo Jensen und Stefan Schmaler werden mit Camping SPO die Planungen von Jörg Sass in die Realität umsetzen. Zum Ende des Sommers möchte man gerne mit der Erweiterung beginnen. Gestartet wird mit dem Bau eines zusätzlichen barrierefreien Sanitärgebäudes. Dazu sind ebenfalls behindertengerechte Parzellen vorgesehen. Insgesamt wird Camping SPO später auf rund 200 Stellplätze anwachsen. Dazu werden in den Jahren darauf zehn Campinghäuser für „Bett & Bike“ an der westlichen Grundstücksgrenze entstehen. Für St. Peter-Ording wird die Erweiterung des Platzes eine Bereicherung sein. Die Gemeinde hatte mit Hilfe einer Campingtourismusstudie umfangreiche Analysen in Auftrag gegeben. St. Peter-Ording stellt sich nun in diesem Segment noch besser auf. Udo Jensen und Stefan Schmaler werden mit Camping SPO ihren Teil dazu beitragen. Aber auch Jörg und Andrea Sass bleiben dem Campingtourismus in St. Peter-Ording mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung erhalten. Den Reisemobilhafen im Ketelskoog mit 74 Wohnmobilstellplätzen betreiben sie weiterhin.

  • Kornfenne                ackerbaulich genutzte Fläche
  • Marrenfenne            am Wasser gelegene, zur Gräsung genutzte Fläche

Hans Jörg Rickert, 16. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

 

Siehe dazu unter www.jb-spo.de

2018 November              Besondere Projekte haben oft einen langen Vorlauf - Camping Sass

2019 November              GRUDEWEG – Tipp für eine ERKUNDUNGSTOUR zu Fuß oder per Rad

In St. Peter-Ording wird in den Camping-Tourismus investiert

Erste Runde für „Schölers leest Platt“ – Nordseeschule kürte ihre Besten

 

Vanessa Jungnickel un Levke Wieben warrt för de Landschops-Entscheden mellt

Die Jury der Nordseeschule St. Peter-Ording hatte es nicht leicht, unter den anwesenden zehn Klassensiegern beim Wettbewerb „Schölers leest Platt“ die beiden besten für die Klassenstufen fünf bis sieben und acht bis zehn herauszufinden. Aber dann hatte das Team um Lena Grützmacher aufgrund der Lesevorträge bestimmt die richtige Entscheidung getroffen.

Gudrun Fuchs, Vorsitzende des Nordfriesischen Vereins, Gunnar Bodewaldt, Gonne Witt und sie hatten die plattdeutschen Lesevorträge in den drei Kategorien Lesefertigkeit, Aussprache und Ausdruck zu bewerten. Es gelten die Anweisungen von Johannes Sass. Dort heißt es z.B.: „Einfaches und doppeltes g zwischen Selbstlauten wird als g gesprochen (neger für im Hochdeutschen „näher“), g am Ende eines Wortes als ch (leeg – schlimm), g und gg vor einem t als ch (liggt – liegt).“ Aber auch die Eigenheiten der jeweiligen Region sind zu berücksichtigen. Außerdem „schall leest un keen Theoter speelt warrn“, wie der Plattdeutsche sagt.

Von den jeweils zehn Geschichten aus den beiden Leseheften des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes hatte sich Vanessa Jungnickel aus der Klasse 5 b das von Heinke Hennig geschriebene „Määrken vun den Kohlrabi“ ausgesucht. Dafür hatte sich auch Joris Röhe (6 c) entschieden. Aber Vanessa war einfach ein bisschen besser und von den Fünfen die am besten Vorlesende. Die anderen Teilnehmer aus der Gruppe 5 bis 7 waren Lina Hoppenbrouwers (5 c), Doreen Höpfert (6a) und Samuel Shadbash (7 a). Aus der Gruppe 8 bis 10 las am besten Levke Wieben aus der Klasse 10 b. Sie hatte sich wie Neele Jacobs (10 a) von A. Sonne (Pseudonym) die Geschichte „Sneewittchen un de söven Öllern“ gewählt. In ihr wurde echt Plattdeutsch humorvoll Zeitkritik geübt. Die drei anderen Teilnehmer waren Tillmann Dircks (8c), Tim Brunner (8a) und Anabella Kluge (8 b). Sie lasen alle die Geschichte „Dükern“ von Frenz Bertram. Die war auch wirklich spannend, denn fast wäre der Wettstreit ums Tauchen tragisch ausgegangen. Aber eines wurde bei den Lesevorträgen klar: Jugendliche mögen solche Inhalte plattdeutscher Geschichten und sie sagen ihnen auch etwas.

Für jeden Teilnehmer hatte Lena Grützmacher eine Urkunde und Preise. Vanessa und Levke erhielten als Beste ihrer Gruppen das Buch „Mammut Hansen leevt nich in’n Zoo“ von Gesine Wanke. Die beiden werden seitens der Schule dem SHHB gemeldet. Als nächste Runde kommen im Februar/März „de Landschops-Entschedens“. Im April/Mai folgen „de Regional-Entschedens“ und am 7. Juni, „op den ‚Tag der Schleswig-Holsteiner‘ löppt in’t Freelichtmuseum in Molfsee de grote Lannes-Entscheed“.

Hans Jörg Rickert, 14. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

„Martin“ ist immer noch da - und hat sein Erbgut weitergegeben

 

Der weiße Ganter im Graugansschwarm muss Nachwuchs bekommen haben

 

Wer nach St. Peter-Ording aus Richtung Wesselburen auf der Wittendüner Allee fährt, kann bei günstiger Gelegenheit in einem Graugansschwarm mehrere weiße Gänse beobachten. Ihr Federkleid ist zum Teil mehr oder weniger gesprenkelt, also mit Graugansfedern durchsetzt. Einer der bevorzugten Aufenthaltsorte des Gänseschwarms ist das Areal, das sich gegenüber des Galerie Cafés Richardshof bis hinter den Sattler-Hof zum Olsdorfer Sielzug hinzieht („Gemarkung Süderwittendün“). Dort war im vergangenen Jahr Winterweizen angebaut worden, nun ist eine Kleegrasmischung eingesät. Durch sie sollen bestimmte Ungräser verdrängt werden, um die Fläche danach wieder als Getreideanbaufläche zu nutzen. Etwa drei- bis viermal wird das Gras in den nächsten zwei Jahren für Futterzwecke gemäht. Wenn die Witterung es zulässt, wird auch gerne geheut, statt Grassilage zu machen.

 

Am Sonnabend, 11. Januar dieses Jahres um die Mittagszeit, war es bei kaltem Wind trocken. Zwei Gänseschwärme, ein kleinerer weiter hinten mit einer weißen Gans und vorne ein größerer mit insgesamt sechs weißen Gänsen, waren zu sehen. Maximal vier weiße Gänse hatte ich erwartet, denn die hatte ich dort zuletzt am 28. November gesichtet. Neugierig stellte ich mein Fahrzeug ab, um nach „Martin“ Ausschau zu halten. So hatte ich die weiße Gans mit seinem graugefleckten Hals und einen teilweise grauen Flügel am 10. März 2016 getauft, als ich diese erstmalig mit vier Graugänsen vom Eiderweg aus auf den Fennen ausmachte. Ich war erstaunt ob des gewandten Fluges des weißen Vogels, der scheinbar nur geduldet wurde. Eineinhalb Jahre später – im Oktober 2017 - war Martin dann „Chef“. So schien es jedenfalls.

 

Beobachtet habe ich ihn danach erneut am 19. Dezember 2018 vom Wiesenweg aus. Jetzt aber war klar: Er ist Chef! Sobald er seinen Hals reckt oder in Richtung eines anderen Mitgliedes des Schwarms bewegt, wird reagiert.

Den Sommer über habe ich „Martin“ bisher nicht zu Gesicht bekommen. Aber bereits über vier Jahre hält er sich in den anderen Zeiten mit seinen Artgenossen zwischen B 202 auf den Fennen zwischen Tating und Böhl um den Feldhausweg, die Wittendüner Allee, den Böhler Weg und den Eiderweg beim Golfplatz auf. Insgesamt hat die Grauganspopulation hier zugenommen, aber es sind in diesem Gebiet inzwischen auch überaus viele Nonnengänse anzutreffen. Auch Schwarmdurchmischungen gibt es vereinzelt. Doch vorwiegend gilt: „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Und da fallen die „Weißen“ und unter ihnen „Martin“ bei den Graugänsen besonders auf.

Hans Jörg Rickert, 12. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

Dünenpflegeaktionen starteten dieses Jahr südlich der Reithalle

 

NaWi-Kurs des Gemeinschaftsschulteils der Nordseeschule ist aktiv mit dabei

 

„Viele Hände machen der Arbeit schnell ein Ende.“- Wer kennt nicht diesen Satz. Er trifft auch für die Dünenpflegearbeiten zu. Nur sind diese eine Daueraufgabe, die jedes Jahr im FFH-Gebiet Dünen St. Peter neu ansteht. Schon in den letzten beiden Jahren haben dabei Schülerinnen und Schüler des Gemeinschaftsschulteils der Nordseeschule mit angepackt. Es ist praktischer Naturschutz, den Lehrkraft Robert Sonntag mit seinem Nawi-Kurs auf diese Art betreibt. Die Zehntklässler lernen dabei nicht nur die Dünenvegetation direkt vor Ort kennen, sondern erfahren so auch, wie die Küstendünen entstanden sind und warum die Pflegearbeiten für den Artenschutz von Bedeutung sind.

 

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat die naturschutzfachliche Betreuung für die „Dünen St. Peter“ im Jahr 2017 auf die Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. übertragen. Sabine Gettner, Dipl.-Biologin, ist die Schutzgebietsreferentin. Die freiwillig Dienstleistenden der Schutzstation im Nationalparkhaus unterstützen sie bei der Dünenpflege. Zum aktiven Netzwerk gehören weiterhin der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt, die Nordseeschule und zusätzliche freiwillige Helfer. Mit im Boot sind auch Gemeinde und Tourismus-Zentrale sowie die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland.

Die Dünen St. Peter erstrecken sich von Ording bis nach Süderhöft. In drei Bereichen wird aktive Dünenpflege betrieben. Inzwischen wurden dort zur Besucherinformation auch Tafeln aufgestellt, die über die Gebiete, deren Fauna und Flora wie auch über die Pflegemaßnahmen in Wort und Bild Auskunft geben. Es handelt sich um den großräumigen Bereich bei Maleens Knoll bis zum Alten Badweg, das Gebiet südlich der Badallee von der katholischen Kirche St. Ulrich bis zur Strandüberfahrt bei der Reithalle und den sich südlich anschließenden Dünenzug bis hin zum Karpfenteich beim Nordsee-Internat in Böhl. Fünf Termine sind vor der Vegetationsperiode im Januar und Februar fest eingeplant.

Der erste Termin hat bereits mit großer Besetzung südlich des Dorfes vom Dünenweg aus stattgefunden. Der Nawi-Kurs stellte mit eben über 20 das Gros. Dazu waren von der Schutzstation die dort Dienst Leistenden Simon, Mira, Meret, Marlen und Anna dabei, unterstützt von den ehrenamtlichen Kräften Monika Povel und Christopher Wiese. Der für den DHSV tätige Förster Patras Scheffler und Sabine Gettner hatten die Leitung. Dieses Mal ging es vor allem darum, von den vorjährigen Entkusselungsarbeiten liegen gebliebenes Holz abzusammeln, vorhandene Stubben und kleine Kiefern auszugraben sowie Spätblühende Traubenkirschen zu entfernen. Arbeitsgeräte, vor allem Spaten, waren genügend vorhanden.

Ein Haufen Holz kam dabei zusammen, aber auch Müll. Das Absammeln der losen Äste und Wurzeln soll Nährstoffeintrag / Humusbildung unterbinden. Ziel ist möglichst magerer Rohboden, den Bienen, Ameisenlöwen, Zauneidechsen und typische Dünenpflanzen benötigen.- Den Traubenkirschen rückten vor allem die Jungen zu Leibe. Patras Scheffler gab noch einmal eindeutige Anweisungen: „Ihr wisst, die Traubenkirschen sind erkennbar am Geruch des Zweiges an der Abreißstelle. Wenn sie zu groß sind, dann in Kniehöhe abschneiden, nicht unten!“ Im Mittelteil beim Düneneck soll es an einem der weiteren Termine auch um die Cranberrybekämpfung gehen. Diese und die Traubenkirsche sind durch Menschenhand eingewandert und drohen die ursprüngliche Dünenvegetation zu verdrängen. Der DHSV wird demnächst in bestimmten Bereichen wieder gröbere Arbeiten ausführen. Das ist bereits im Herbst im Rahmen des Dünenmanagements abgestimmt worden.

Hans Jörg Rickert, 14. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

Der Sozialausschuss St. Peter-Ording gewinnt an Format

 

Gesundheitszentrum, bezahlbarer Wohnraum, Ü-60 Beirat und mehr standen an

 

Einige Jahre hatte man den Eindruck, den Sozialausschuss beschäftigten vorwiegend Aktionen für die Senioren in der Gemeinde St. Peter-Ording. Darum ging es in dieser 9. Sitzung auch, als die Vorbereitung Lotto am 12. Februar und der Seniorenausflug am 13. Mai sowie die Nachbereitung der Weihnachtsfeier anstanden. Diese war von Seiten der Kita mit ihren Beiträgen sowie Reiner Wieben am Keyboard bereichert worden. Die großartige Unterstützung durch Sponsoring seitens örtlicher Geschäfte und Unternehmen würdigte Ausschussvorsitzende Monika Grutza (SPD) ebenso. Mit 250 Teilnehmern war sie sehr gut besucht.- Aber so bedeutsame Themen wie Gesundheitszentrum, bezahlbarer Wohnraum, der Ü 60 Beirat und mehr sind inzwischen zu ganz wesentlichen Anliegen des Ausschusses geworden.

 

Zunächst informierte Olaf Henschen über die von Seiten mehrerer sozialer Einrichtungen und vom Kreis Nordfriesland als Kooperationspartner 2019 geschaffene WohnECK NF gGmbH mit Sitz im Kreishaus in Husum. Er ist der Geschäftsführer; in der Verwaltung arbeitet Sylvia Thielebein. Es handelt sich um ein nachhaltig funktionierendes „Nordfriesisches Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“. Dabei geht es insbesondere darum, im Sozialraum Nordfriesland für den Personenkreis Hilfsbedürftiger Wohnraum zu finden und zur Verfügung zu stellen. Für die meisten der Anwesenden, darunter zehn Einwohner, war das erhellend, da für sie allgemein preiswerter bezahlbarer Wohnraum mit diesem Bündnis in Beziehung gesetzt worden war. Diese Problematik rückte nun in den Mittelpunkt und dazu allgemein, dass gemäß Wohnbedarfsanalyse schon jetzt Wohnungen der Größe 35 bis 40 Quadratmeter fehlen und deren Bedarf zunehmen wird. St. Peter-Ording hat eine eigene Wohnungsmarktanalyse in Auftrag gegeben. Deren 1. Entwurf, so Bürgermeister Rainer Balsmeier, liegt nun vor und werde in Kürze in der zugehörigen Arbeitsgruppe erörtert. Voraussichtlich werde man darüber in der Februar-Sitzung des Bauausschusses informieren.

 

Sven Jacobsen, Fachbereichsleiter für Bürgerdienste und Ordnung beim Amt Eiderstedt, erläuterte die zeitaufwendigen Mechanismen für die Vorbereitung und Durchführung der Wahl des Ü 60 Beirates. Bisher sind leider keine Interessenbekundungen für die Besetzung seiner mindestens sieben Mitglieder eingegangen. Ende Januar werden die Wahlbenachrichtigungen an die ca. 1600 Wahlberechtigten versandt. Beigefügt wird ein Beiblatt für die Interessenbekundung „Mitarbeit im Beirat“. Die Wahl wird am Mittwoch, 11. März im Ev. Gemeindehaus durchgeführt. Die Wahlversammlung wird um 15 Uhr eröffnet. Am Dienstag 24. März findet ebenfalls um 15 Uhr die erste Sitzung des Beirates statt, in der dann entschieden wird, wer die entsprechenden Posten Vorsitz, Stellv., Schrift- und Kassenwart sowie Beisitzer übernimmt. Dann erst beginnt die Arbeit für den Ü 60 Beirat als Beratungsgremium für die Gemeindevertretung.

 

Unter Mitteilungen wies der Bürgermeister darauf hin, dass in den Printmedien eine Anzeige geschaltet ist, die zur Interessenbekundung für das Gesundheitszentrum in zentraler Ortslage in St. Peter-Ording auffordert. Sie kann unter www.amt-eiderstedt.de über „Bekanntmachungen“ ebenfalls aufgerufen werden. Im Rahmen der Projektierung ist vorgesehen, neben mehreren Hausarztpraxen auch weiteren Partnern im Bereich des Gesundheitswesens und der Pflege Räume zur Miete anzubieten. Ziel ist, dass ein Gesundheitszentrum mit verschiedenen eng kooperierenden Partnern entsteht.

 

Über Fragen von Einwohnern wurde bekannt, dass die Entscheidung für den Standort des Rettungsdienstes am Flugplatz (Feldhausweg) gefallen ist. Die Gemeinde Tating hat dem entsprechenden Bauantrag zugestimmt.

 

Noch einmal wurde darauf hingewiesen, dass die ganzjährige Nutzung des Ortsbusses über den Erwerb einer Jahresgästekarte mit Bild zum Preis von 84 € möglich ist. Kinder und Jugendliche zahlen nur 14 €.

Hjr, 17. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

... die besten Wünsche für das Jahr 2020 ...

Bürgervorsteher Jöns                                 Bürgermeister Balsmeier                     Tourismusdirektorin Höfinghoff

Zum Jahreswechsel in St. Peter-Ording:

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

wie heißt es doch so schön „Alle Jahre wieder…“ und das gilt auch für diesen Gruß an Sie, lieber St. Peter-Ordinger. Wie jedes Jahr möchten wir den Jahreswechsel nutzen, um für 2019 eine kurze Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf 2020 zu wagen. Wir alle leben direkt oder indirekt vom Tourismus. Die Urlaubssaison beeinflusst somit ganz wesentlich unseren Jahreslauf.

Aber dennoch sind wir kein Feriendorf, sondern ein Ort in dem wir alle leben. An prominentester Stelle haben wir deshalb im aktuellen Tourismusentwicklungskonzept den Leitsatz gestellt: „…. für ein lebens- und liebenswertes St. Peter-Ording …“. Darum dreht sich alles Handeln in Ihrer Tourismus-Zentrale, Ihrem Bürgermeisteramt und Ihrer Gemeindeverwaltung.

 

Das Jahr 2019 startete traditionell mit unserem gemeinsamen Jahresempfang der politischen und der kirchlichen Gemeinde. Mittlerweile ist es eine nicht mehr wegzudenkende Veranstaltung, bei der man viele Informationen erhält und wunderbar ins Gespräch kommt. Wir möchten Sie an dieser Stelle herzlich zum Jahresempfang 2020 am 09.02.2020 um 11:00 Uhr ins evangelische Gemeindezentrum einladen. Leider dann ohne unsere langjährige Pastorin Regine Boysen, die wir im Oktober in Richtung einer neuen Aufgabe nach Flensburg verabschiedet haben. Frau Boysen hat in unserem Heimatort Spuren hinterlassen, die weit über das Konfessionelle hinausgehen. Deshalb hier von dieser Stelle noch einmal ein herzliches „Dankeschön“ und viel Glück sowie die besten Wünsche für sie und ihre Familie.

 

Ein weiteres vom Herzen kommendes Dankeschön gilt unserem ehemaligen Feuerwehrführer Norbert Bies. Er hat über 20 Jahre geradlinig -aber nicht minder menschlich- unserer freiwilligen Feuerwehr auf hervorragende Weise vorgestanden. Natürlich gilt der Dank allen Feuerwehrkameradinnen und -kameraden, die -und das muss man immer wieder betonen- freiwillig Dienst für uns alle übernehmen. Wöchentliche Übungsabende, Schulungen, Jugendarbeit, Fortbildungen und meist über 100 Einsätze pro Jahr, das ist die Leistungsbilanz der Feuerwehr St. Peter-Ording. Dem neugewählten Wehrführer Tom Schade alles Gute und eine glückliche Hand.

 

Ehrenamtliches Engagement in einem ganz anderen Bereich ist die Basis für den Erfolg der Veranstaltungen im Kunsthaus Wittendün. Die Betreuung der Gemeindegalerie und des Kunsthauses durch Hans Jürgen Krähe, Georg Panskus und Eckhard Kloth ermöglicht es uns allen, einen Blick zu werfen auf all die, die St. Peter-Ording mit Pinsel oder Griffel im Bild festgehalten haben. Die Friedrich Karl Gotsch-Ausstellung vom Herbst 2019 ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Nicht minder erwähnenswert sind die Ausstellungen der Kunstinitiative in der Ordinger Strandkorbhalle. Auch all die großen und kleinen Veranstaltungen, die der Verein Kulturtreff im Museum der Landschaft Eiderstedt auf die Beine stellt, sind nicht nur für die Kultur im Ort eine Bereicherung. Sie hauchen dem Museum Leben ein und schärfen unseren eigenen Blick auf gestrige aber auch auf ganz aktuelle Entwicklungen.

 

Der Ordinger Strand hat 2019 ein neues Gesicht bekommen. Zwei neue und tatsächlich auch andere Pfahlbauten sind entstanden. Höher aufgestellt und architektonisch neu gestaltet, haben sie teilweise 40jährigen Bestand abgelöst. Die beiden Pfahlbauten sind, nicht nur für unsere Gäste, mit winterfesten Sanitäranlagen ausgestattet sind.

Die Sportveranstaltungen am Strand, ob Kiten, Surfen, Triathlon, Strandsegeln, Volleyball aber auch die Drachentage sorgten im abgelaufenen Jahr für ein gewaltiges Medienecho, spektakuläre Bilder aber auch für tolle Abendveranstaltungen mit Musik und Tanz.

 

Die Buhne im Bad hat sich, genau wie in den Planungen für die Erlebnispromenade gewünscht, zum zentralen Treffpunkt entwickelt. Die Brücke zum Strand und auch die Gastronomie sind ein Magnet geworden. Die wiederkehrenden Veranstaltungen wie Silvesterfeuerwerk, Biike brennen, Osterfeuer, Konzert der Bundeswehr-Bigband und Soulkitchen sorgten für tausende begeisterte Besucher. Für viele ist aber allein schon der Blick in die Weite des Nationalparks Wattenmeer ein Grund auf die Buhne zu kommen. Besonderes Highlight war in diesem Jahr die Stadtwette im Rahmen der NDR Sommertour in Verbindung mit dem 10-jährigen Jubiläum des Weltnaturerbes Wattenmeer.

Mit der Neugestaltung der Verlängerung der Erlebnispromenade wurde begonnen. Erlebnis und Sport sowie Ruhe- und Erholungsbereiche sind im Entstehen. Im Bereich der ehemaligen Rollschuhbahn wird ein einmaliges Holzgebäude auf Stelzen errichtet: Der Familientreffpunkt.

 

So sehr uns immer wieder Planungen und Projekte beschäftigen, weil ein Ort im Gemeinwesen nie „fertig“ sein kann, ist es auch schön Dinge abhaken zu können. Die Böhler Landstraße ist fertig! Über drei Jahre Bauzeit liegen hinter uns. Sowohl die Eiderstedter Straße vom Markt bis Kreisel Wittendün (Stammeleck) und als auch die Wittendüner Allee sind neu erstellt. Die von vielen gewünschte Ampelquerung über die Wittendüner Allee konnte gebaut werden.

Die Weichen für ein neues Verkehrskonzept sind gestellt. Dementsprechende Beschlüsse sind von den gemeindlichen Gremien gefasst worden. Ein Planungsbüro ist beauftragt. Erste interne Gespräche im Verkehrsausschuss haben stattgefunden, noch im Januar sollen Sie, liebe St. Peter-Ordinger, sich bitte in öffentlicher Veranstaltung einbringen.

Der engere dörfliche Bereich um die Kirche vom Fasanenweg bis zum Heideweg ist in die Städtebauförderung aufgenommen worden. Verschiedene vorbereitende Veranstaltungen hierzu sind schon gelaufen.

Räumlich auch mitten im Dorf, so der derzeitige Diskussionsstand, soll zukünftig ein Gesundheitszentrum entstehen. Um die hausärztliche Versorgung auch weit in die Zukunft zu sichern, gibt es Überlegungen solch ein Projekt von Gemeindeseite anzuschieben. Zu diesem Thema wird Anfang 2020 ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt.

 

Auf dem Weg gebracht hat der Sozialausschuss die Gründung eines Seniorenbeirates für unsere Gemeinde. Hier sollen die Anliegen und besonderen Bedürfnisse der Senioren Einfluss auf Entscheidungen der Gemeinde nehmen. Die Gründungsversammlung wird am 11.03.2020 stattfinden. Über eine rege Teilnahme und anschließend gute und gedeihliche Zusammenarbeit würden wir uns sehr freuen.

Sehr gefreut haben wir uns auch für eine ganz andere Gruppe von Ihnen, liebe Einwohnerinnen und Einwohner - unsere Kinder. Ende März konnten wir die Einweihung unserer evangelischen Kindertagesstätte feiern. Von der Krippe über den klassischen Kindergarten bis zum Hort für die Grundschulkinder ist im Neu- bzw. Erweiterungsbau alles möglich. Ein hochmotiviertes Team und die nahezu perfekte neue Baulichkeit sollen für unsere Kinder die besten Startmöglichkeiten ins Leben ermöglichen.

 

Ein weiteres, für die Zukunft St. Peter-Ordings mehr als wichtiges Projekt ist der Glasfasernetzausbau. Leider haben noch nicht genug Haus- und Wohnungseigentümer Anschlussverträge unterzeichnet. Wir möchten sie von dieser Stelle noch einmal herzlich bitten, wenn sie es noch nicht getan haben, beteiligen sie sich am Glasfasernetzausbau und lassen sich anschließen.

 

Ein anderes Ereignis wirft seine Schatten woraus. Nach über 20  Dienstjahren endet im Mai 2021 die vierte und letzte Wahlperiode für das Bürgermeisteramt. Wir alle sind aufgefordert im Herbst 2020, so die bisherige Planung, einen neuen Bürgermeister für St. Peter-Ording zu wählen.

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, nach so vielen gemeindlichen Worten möchten wir ihnen noch ganz persönlich die besten Wünsche für das Jahr 2020 mit auf den Weg geben. Vom Guten nur das Beste und vor allem Gesundheit wünschen Ihnen

 

Boy Jöns                                                       Rainer Balsmeier                                           Constanze Höfinghoff

Bürgervorsteher                                             Bürgermeister                                                  Tourismus-Direktorin

Festlicher Zentralgottesdienst zu Epiphanias für Eiderstedt in Garding

 

Musikgruppen der Gemeinde St. Christian bereicherten die kirchliche Feier

Unter großer Beteiligung von Gemeindegliedern der ev.-luth. Kirchengemeinden auf Eiderstedt wurde traditionell in der Kirche St. Christian in Garding das Epiphanias-Fest mit einem feierlichen Gottesdienst mit Abendmahl am Abend des 6. Januar begangen. Unter Leitung von Kirchenmusikerin Elisabeth Weisenberger gestalteten die Kantorei in großer Besetzung und die Mitglieder der Musikgruppen den Ablauf beeindruckend schön. Im Anschluss traf man sich zum gemütlichen Zusammensein bei Tee und noch weihnachtlichem Gebäck im Gemeindehaus.

 

Pastor Ralf-Thomas Knippenberg aus Garding hatte die liturgische Leitung, Pastorin Inke Thomsen-Krüger aus Oldenswort teilte mit ihm das Abendmahl aus, Pastor Alexander Böhm aus Tönning hielt die Predigt. In deren Mittelpunkt stand die Geschichte der Weisen aus dem Morgenland (2. Kapitel im Matthäus-Evangelium), die von ihm in das Weihnachtsgeschehen insgesamt hineingestellt wurde. Der Herrnhuter Stern vor der Empore, der schmucke große mit echten Kerzen beleuchtete Tannenbaum, dazu die drei wunderbaren Leuchter gaben der St. Christian Kirche innen ein besonderes Gepräge.

Der Dreikönigstag ist ein besonderer kirchlicher Feiertag. Mit Christi Geburt und dem Besuch der Hirten beginnt das Weihnachtsgeschehen. Die Anbetung durch die Weisen aus dem Morgenland setzt dann zwar nach den zwölf „Heiligen Nächten“ eine Zäsur, aber die Weihnachtszeit endet eigentlich erst mit Mariä Lichtmess am 2. Februar nach vierzig Tagen. Es ist das Fest der Darstellung des Herrn im Tempel und markiert zugleich die „Reinigung der Maria“ nach der Geburt ihres Kindes. Sinnbildlich ist jetzt aller Weihnachtsschmuck aus den Häusern zu entfernen. Zwölf und vierzig sind Zahlen, die in der christlichen Religion eine Bedeutung haben.

 

Wenn dabei bedacht wird, dass man in anderen Ländern Weihnachten erst am Dreikönigstag feiert, verschiebt sich das Geschehen um zwölf Tage, so dass der 14. Februar (Valentinstag) das Ende der Weihnachtszeit bedeutet. Das ist nur eine Woche vor dem 21. Februar, der an der Nordseeküste „Biiketag“ ist. An ihm lodern die Petrifeuer. Er war früher gleichzeitig der Tag des Gesindewechsels und läutete mit der Feldbestellung das Frühjahr ein. So hat eben alles auch einen rituellen Bezug.

Hans Jörg Rickert, 7. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

Das „Museum Landschaft Eiderstedt“ ist weiterhin zertifiziert

 

Der „Verein KulturTreff St. Peter-Ording e.V.“ darf stolz auf seine Arbeit sein

 

Im Jahr 2014 wurde das „Museum Landschaft Eiderstedt“ eines der ersten zertifizierten Museen in Schleswig-Holstein. Es gehörte zu den zehn musealen Einrichtungen, die sich an dem Pilotprojekt des Landes beteiligten. Sechs erhielten damals das Gütesiegel. Inzwischen ist deren Anzahl durch die weiteren Zertifizierungsrunden gestiegen.-

 

Nach jeweils fünf Jahren hat sich ein zertifiziertes Museum zum zweiten Mal den Anforderungen zu stellen. Mit der nun erneuten Anerkennung in Folge hat das MLE den Beweis angetreten, dass hier seitens des Teams kontinuierlich wissenschaftlich fundiert gearbeitet und dass es dem Bildungsauftrag in einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht wird sowie für die Besucher attraktiv ist. Das setze, so formulierte es Dagmar Rösner, Leiterin der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein, bei der Verleihung der Zertifizierungsurkunden, zunächst einmal eine Analyse voraus, warum das Museum besucht werde einschließlich der Gründe, derentwegen es nicht aufgesucht würde. Da sei der Hebel anzusetzen. Oft müssten dazu neue Strategien der Vermittlungs- und Ausstellungskonzepte sowie Marketingstrategien entwickelt werden.

 

In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Museum Landschaft Eiderstedt weiterentwickelt. Im Oktober 2016 konnte die moderne, interaktive Dauerausstellung „Vom Armenhaus zum Badeparadies“ eröffnet werden. Sie widmet sich insbesondere dem Badeleben und der Ortsentwicklung von St. Peter-Ording zu einem touristischen Hotspot, bezieht aber auch die historischen und die naturgegebenen Voraussetzungen mit ein. Weiterhin wurde ein kleines Kabinett für Sonderausstellungen eingerichtet sowie die ständige Ausstellung in vielen Abteilungen überarbeitet. Auch Maßnahmen zur Barrierefreiheit sind in dem aus dem Jahre 1752 stammenden Haus Jensen umgesetzt worden, soweit dies möglich war. Auf diese Punkte wies Sabine Graetke, die Leiterin des Museums, hin. Sie stellte dabei heraus, welch hoher Wert der vielschichtigen ehrenamtlich geleisteten Arbeit seitens des Vereins KulturTreff e.V. durch seine aktiven Mitglieder zuzumessen ist. Einschließlich des Vorstandes bringen sich nahezu 30 ehrenamtlich tätige Mitbürgerinnen und Mitbürger vor allem aus St. Peter Ording in die museale und ortsgeschichtliche Arbeit ein. Ohne deren Arbeitskraft und Engagement wäre das Betreiben des „Museums Landschaft Eiderstedt“ seit 1998 nicht möglich. Dazu kommt noch die Backhaus-Crew mit um die zehn Mitglieder, die als Aktivposten ebenfalls dem Verein KulturTreff zuzurechnen ist.

Wechselvoll ist nämlich die Geschichte des MLE. Das Museum hat seinen Ursprung einer Initiative des Tönninger Bürgermeisters Ehrich im Jahre 1902 zu verdanken, der die Bevölkerung der Stadt zum Spenden von "Alterthümern" aufrief. 1946 beschloss der erste neue Kreistag die von der britischen Militärverwaltung genehmigte Neueinrichtung des Museums in St. Peter. In Tönning waren die Voraussetzungen nicht mehr gegeben. Im September 1951 konnte es dann an seinem heutigen Standort als "Eiderstedter Heimatmuseum" neu eröffnet werden. Unterhalten wurde es bis 1998 vom Kreis Nordfriesland. 2004 erfolgte die endgültige Rückkehr zur Selbstständigkeit. Das gesamte Inventar wurde an das "Amt Eiderstedt" übergeben. Nachdem es zwischenzeitlich zeitweise nur als „Museum Eiderstedt“ benannt wurde, erhielt es 2014 seinen Namen „Museum Landschaft Eiderstedt“ analog auch zum „Heimatbund Landschaft Eiderstedt“. „Landschaft Eiderstedt“ ist in beiden Bezeichnungen als politisch und verwaltungsrechtlicher Begriff zu sehen, der seit dem 15. Jahrhundert historisch belegbar ist.

 

Seit 1998 ist der Verein KulturTreff St. Peter-Ording e.V. Betreiber des Museums. Er wurde zu diesem Zweck eigens gegründet. Der Vorstand des Vereins und ein Team von Ehrenamtlichen gewährleisten gemeinsam mit der Museumsleiterin Sabine Graetke (seit Oktober 2015; vorher Peter Bothe) und weiteren stundenweise beschäftigten Kräften den Betrieb des Museums. Die Gemeinde St. Peter-Ording unterhält das Museum, dessen Sammlung sich im Haus Jensen (Jahr 1752) in der Olsdorfer Straße befindet. Sie trägt auch die Personalkosten, an denen sich der Verein KulturTreff auf der Grundlage von Vereinbarungen in einer Größenordnung von über 20.000 € beteiligt. Die Versicherungskosten für das Inventar trägt das Amt Eiderstedt. Vorsitzender des Vereins mit fast 200 Mitgliedern ist derzeit Walter Petersen. Seine Vorgänger waren Dr. Dieter Undeutsch (bis Nov. 2010), Peter Brancke (bis Jan. 2014) und Hilke Herzberg (bis April 2019).

Die Ausrichtung der Arbeit des Museums im wissenschaftlichen Sinne ist wesentlich von Dr. Dieter Undeutsch (1929-2019) vorangetrieben und gefördert worden. Er hat die Beteiligung an dem Pilotprojekt initiiert. Sein Nachfolger Peter Brancke hat dann die Anmeldung vorgenommen, Hilke Herzberg in seiner Nachfolge mit viel persönlichem Einsatz die Zertifizierung gemeinsam mit dem Team erreicht und die Voraussetzungen für die jetzige Erneuerung weiterentwickelt und geschaffen. Erreicht haben im November 2019 die Fortsetzung des Zertifikates Walter Petersen und Team gemeinsam mit der Museumsleiterin Sabine Graetke. Das ehemalige Gütesiegel neben der Eingangstür ist bereits durch das neue ersetzt worden.

Ebenfalls in Folge von 2014 zertifiziert worden sind jetzt das Dr. Carl-Häberlin-Friesen-Museum in Wyk/Föhr, das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum und die Museen im Kulturzentrum Rendsburg. Erstmals zertifiziert haben sich 2019 das Stadtmuseum Schleswig und das Deutsche Baumschulmuseum Pinneberg.

Im Haushaltsplan 2019 der Gemeinde St. Peter-Ording war für das MLE ein Fehlbetrag von 147.300 € ausgewiesen. Auf Personalkosten entfallen davon 50.000 €, auf Investitionen 20.900 €. Auszahlungen für Sach- und Dienstleistungen und weiteres summieren sich auf 88.100 €. Einzahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit betragen 11.700 €.

Hans Jörg Rickert, 5. Januar 2020, www.jb-spo.de

 

Hintergrundinformationen zum Zertifizierungsprojekt

Auf Initiative des Museumsverbands startete das Pilotprojekt  "Museumsberatung und Museumszertifizierung in Schleswig-Holstein" im Frühsommer 2013 und endete September 2015. Vorbild war das seit Jahren erfolgreich laufende "Gütesiegel" des Museumsverbands Niedersachsen und Bremen e. V. Das Folgeprojekt ab Oktober 2015 stellte dem Museumsverband mit dem Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins e. V. (Projektträger) und dem Nordkolleg Rendsburg zwei neue Partner an die Seite.

Ab 2019 geht es unter der Trägerschaft des Nordkollegs Rendsburg für fünf Jahre weiter: Durch Selbstevaluation der Museen, individuelle Beratungsgespräche vor Ort durch ausgewiesene Museumsfachleute und ein umfangreiches Fortbildungsprogramm werden gerade auch kleinere und mittlere Museen in ihrer wichtigen Arbeit unterstützt. Beteiligen können sich 2020 alle Museen in Schleswig-Holstein auf der Grundlage der "Richtlinien zur Museumszertifizierung in Schleswig-Holstein" mit einer verbindlichen Anmeldung vom 1. September bis 31. Oktober 2019 an das Büro

 

Internetadresse: http://www.museumszertifizierung-sh.de

 

Siehe zu „Zertifizierung“ und „KulturTreff“ vorherige Berichte unter www.jb-spo.de

2014    Nov.    Gütesiegel für Museum Landschaft Eiderstedt (über Archiv-Button)

2019    März    Museum Landschaft Eiderstedt und Verein Kulturtreff blickten auf ein

erfolgreiches Jahr zurück

2019    Sept.   Verein KulturTreff – Was wäre St. Peter-Ording ohne seine Ehrenamtler

Friedrich Karl Gotsch (1900-1984) – Expressionist der zweiten Generation

 

Führung durch die 4. Ausstellung der Kunstsammlung der Gemeinde St. Peter-Ording

Seit Oktober ist in der Kunstsammlung und Galerie Tobien in der Wittendüner Geest die Ausstellung „Friedrich Karl Gotsch und Expressionisten“ zu sehen. Georg Panskus, für alles Künstlerische nicht nur höchst aufgeschlossen, sondern sich auch aktiv ehrenamtlich einbringend und selber mit Farbe und Pinsel vertraut, führte durch die Ausstellung „Friedrich Karl Gotsch“ mit 30 ausgewählten Bildern.

In ihr werden neun Bilder aus der „Friedrich Karl Gotsch-Stiftung“ (1968 entstanden) der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf gezeigt. Dies sind vor allem Ölbilder aus der Zeit von vor 1933. Gotsch musste Einschränkungen seines Schaffens hinnehmen, und er wurde eingezogen. Nach dem Krieg kehrte er nach St. Peter-Ording zurück. Sein Atelier in Berlin war den Bomben zum Opfer gefallen. In St. Peter hatte er sich mit seiner damaligen Partnerin Hilde Goldschmidt (1897-1980) in den zwanziger Jahren mehrfach zum Malen aufgehalten. Sie emigrierte 1933 zuerst nach Österreich, dann nach England.- Der Kontakt zu ihr blieb. Nach dem Krieg hat er das Malen neu begonnen und in St. Peter eine Familie gegründet. Es war für ihn in all den Jahren nicht einfach, finanziell über die Runden zu kommen.

 

Von den Bildern der Ausstellung stammen außerdem sechs aus dem Hause von Dr. Dieter und Ingrid Brill, die anderen sind aus der Kunstsammlung der Gemeinde. Unter ihnen befinden sich elf aus der Stiftung Dr. Hubertus Schenke, die der Gemeindegalerie seitens der in den USA lebenden Tochter Sabine Schmuck übereignet worden sind. Auch die allerersten zwei Bilder, mit denen die Kunstsammlung der Gemeinde begann, werden in der Ausstellung gezeigt. Das alles und weitaus mehr vermittelte Georg Panskus anhand der ausgestellten Bilder. Das Ölporträt von Hans Ralfs (1883-1945), das Gotsch in seiner ersten Schaffensperiode gemalt hatte, spiegelt Dank und Anerkennung für seinen ersten Lehrmeister wider.

Bei Ralfs hatte Gotsch Malstunden gehabt, ehe er schließlich Meisterschüler von Oskar Kokoschka wurde. Daneben hatten Edvard Munchs Expressionismus und die damalige nordische Literatur mit Jacobsen, Strindberg, Hamsun großen Einfluss auf den jungen Gotsch. Er muss auch in Dresden und Berlin den Werken der Künstlergruppe „Brücke“ (Heckel, Kirchner, Pechstein, u.a.) begegnet sein. Die abstrakte Kunstrichtung hat Gotsch abgelehnt, machte Panskus in seiner Führung anhand des Ölbildes „Tanz um das Goldene Kalb“ oder später an Aquarellen und Holzschnitten deutlich. Kurioses kam zutage, als das Geheimnis des Holzschnitt-Titels „Liliencron betrunken“ gelüftet wurde. Anmerkungen zu der jeweiligen zeitlichen wie künstlerischen Einordnung wurde an den Bildern verdeutlicht.

Die acht Kunstinteressierten nahmen so Bereicherndes mit und fühlten sich zusätzlich bestens unterhalten.- Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. März. Die nächste Führung ist angesetzt für Freitag, 14. Februar um 15 Uhr. Über die Galerie Tobien – Tel. 04863 64800 - lassen sich zusätzliche Führungen vereinbaren.

Hjr, 3. Januar 2010, HN und www.jb-spo.de

Eigentlich wie immer – und doch anders

Auf in die „Neuen Zwanziger“! – Jahreswechsel 2019/20 in St. Peter-Ording

 

Ein buntes Bild bot sich um Mitternacht auf der Buhne vor der Seebrücke. Man hatte es schon geahnt. Kaum war Weihnachten vorbei, rollten in St. Peter-Ording die Räder. Deutschland schien sich hier ein Stelldichein geben zu wollen. Die meisten auch mit wirklich fröhlichen Gesichtern. Das hörte sich bei einer größeren Gruppe aus Essen dann so an: „Wir wollen fröhlich sein, wir wollen Spaß haben!“ Und den hatten sie alle. Auch nach dem Feuerwerk vollzog sich der Abzug von der Buhne eher zögerlicher als sonst. Das Jahr 2019 schien versöhnlich ausklingen zu wollen nach den recht vielen Dezemberregentagen und „Weihnachten ohne Schnee!“ Wieder einmal.- Die Temperaturen waren eher vorfrühlingshaft.

 

Schon tagsüber Bilderbuchwetter. Ohne etwas Wind geht es an der Küste nicht, aber Sonne, bläulicher Himmel, Wolken meist nur über dem Horizont oder über den Dünen. Scharen von Spaziergängern auf der Seebrücke, als wenn Saison wäre. Welch Wunder: Kein Küstennebel.

 

Echtes Silvesterlaufwetter.

406 Starter von Klein bis Groß und Alt und Jung hatten sich zum Lauf angemeldet.

Martin Weidner aus Hannover hatte mit seiner Frau Tanja gelassen in der Warteschlange für die Anmeldung gestanden. Drei Runden maximal waren angesetzt. Man konnte wählen. Bei Familie Fellner von „Tri Ducks Dorsten“ lief die erwachsene Tochter nur eine Runde, der Vater zwei und die Mutter drei. Sylvie Fellner war mit ihrem Laufergebnis nicht zufrieden. Schließlich war es für sie gleichzeitig auch ein Trainingslauf für den Ironman in Roth bei Nürnberg. Aber von Anfang an waren sie begeistert: „Die Lage hier ist einfach topp und dazu diese lockere Atmosphäre. – Wir wollten einfach mal raus aus der Enge“, sagte er. Zum allerersten Mal waren sie überhaupt in Schleswig-Holstein.

Für Vater Roul Vierke mit seinen beiden nun 16jährigen Söhnen aus Sehnde bei Hannover ist der Silvesterlauf seit 2013 selbst auferlegte Pflicht nach dem Motto „Just for Fun“.

Aus Stutensee bei Karlsruhe sind seit 2016 zwei Elternpaare mit ihren Kindern dabei. „Ohne Schnüsch geht’s nüsch“ ist gedruckt auf ihren Shirts zu lesen. Sie gehören wie viele andere zu den inzwischen „Dauer-Silvester-Läufern“ in St. Peter-Ording.

Bei der anschließenden Preisverteilung war das Dünern-Hus rappelvoll. Hervorragend die Stimmung - auch wer keinen Preis erwartete, wollte dabei sein, einfach alles miterleben vom „Drum und Dran“. Veranstaltungsleiterin Vanessa Greve und ihr Team von der Tourismus-Zentrale, machten das gewohnt souverän mit Herz. Ihr Dank galt den etwa zwanzig Partnern aus dem Ort, die die Preise sponsern.

 

Das gilt auch für das Feuerwerk, das ohne Sponsoring vieler Unternehmen aus dem Ort so nicht möglich wäre. Darauf wies Janina Domann im Zusammenhang mit ihren Neujahrswünschen seitens der TZ hin.

Leider wurde die Freude über den gelungenen Jahreswechsel noch in der Nacht getrübt. In Wittendün war ein Autofahrer nach drei Uhr früh von der Fahrbahn abgekommen und rammte mit der Beifahrerseite einen Baum.  Der Beifahrer erlag den tödlichen Verletzungen.

Hans Jörg Rickert, 1. Januar 2020, HN und www.jb-spo.de

„L’Enfance du Christ“ – Oratorium von Hector Berlioz (1803-1869)

 

Ein Appell der Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt – aktuell und ewig

Stille – atemlose Stille! – Das letzte „Amen“ im Epilog mit dem Satz für Tenor und Chor a-capella war gerade ganz leise, kaum vernehmbar ausgeklungen. Christoph Jensen ließ die Arme sinken. Er verharrte wohl selbst nachdenklich auf seinem bescheidenen Podium vor dem Ensemble des „Concerto Classico“, der Kantorei St. Peter und den Solisten Claudia Buhrmann (Mezzosopran), Sönke Tams Freier (Bariton) und Julian Redlin (Bass) fast mitten im Chor. Stephan Zelck (Tenor) stand als Erzähler ganz nah hinter ihm vor dem Publikum.- Verhalten leise beginnender, dann langanhaltender Beifall, nie laut, das Nachdenken über das eben Geschehene symbolisierend: Den Appell der Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt – heute genau so aktuell wie vor 170 oder sogar 2000 Jahren.

 

Hector Berlioz (1803-1869) hat mit seinem Oratorium „L’Enfance du Christ“ – Trilogie sacrée op.25 - für Soli, Chor und Orchester ein beeindruckendes Werk geschaffen. Bei aller Dramatik des Geschehens wirkt es dennoch verhalten. Es sind in Abschnitten ganz leise Töne. Sind sie zu Beginn schon bald bedrohlich, wird der Zuhörer dennoch immer wieder versöhnt mit lieblichen und innigen Klängen. Bei allem Kummer, bei allem Leid wird Menschlichkeit offenbar, und selbst die Wüste wartet mit einer klaren, grünen Quelle auf.

Der Erzähler macht die Zuhörer in dem schlicht gehaltenen Accompagnato-Rezitativ der Einleitung unmittelbar mit den Gegebenheiten vertraut. In Bethlehem liegt Jesus in der Krippe. In Jerusalem aber sind römische Soldaten auf ihrer nächtlichen Runde. Dort erlebt man Herodes in seinem Mitleid mit sich selbst und wenig später in seiner Härte aufgrund des Rates der Wahrsager, alle Kinder töten zu lassen. Das Duo von Maria und Joseph – Claudia Buhrmann und Sönke Tams Freier - und der Chor der Engel am Ende des ersten Teiles - „Der Traum des Herodes“ betitelt – leiten mit dem „Hosianna“ versöhnlich über in den zweiten Teil recht kurzen Teil „Die Flucht nach Ägypten“. Dieser ist zugleich die Keimzelle des Oratoriums gewesen, denn Berlioz hat diesen zuerst aus einer Laune heraus skizziert, komponiert und auch aufgeführt. Er wirkt heiter, vermittelt trotz „Sand und Staub“ Idylle. Der Chor der Engel beschließt ihn mit „Halleluja“.

 

Im dritten Teil „Die Ankunft in Sais“ aber werden erst einmal die raue Wirklichkeit und die Strapazen der Flucht offenbar. Das Leben der Drei ist in großer Gefahr. Hilfe kommt endlich durch einen Ismaeliten – wie sie ein Geflüchteter – und alles wendet sich zum Guten. Der Erzähler lässt das Oratorium reflexiv enden: „Und so geschah es, dass durch einen Heiden kam zum Heiland das Heil …“. Der Chor greift dann dessen letzten Satz „Meine Seele, was bleibet dir von deiner Stärke, als deinen Stolz hinzugeben, bewegt durch Gottes Werke“ und setzt fort: “O mein Herz, sei erfüllt von Liebe tief und rein. Durch sie, nur durch sie allein gehst zum Himmel du ein. Amen.“ Das ist unmittelbare Glaubensaussage.

 

Zuhörerinnen und Zuhörer waren berührt von der Musik von Hector Berlioz mit seinen Gestaltungsformen. Das aber war letztlich auf die herausragende Leistung des gesamten Ensembles zurückzuführen. Mit welcher Konzentration, Aufmerksamkeit und Hingabe hier gearbeitet worden ist, verdient höchste Anerkennung. Julian Redlin verkörperte die ihm übertragenen Rollen von König Herodes und im dritten Teil Hausvater der Ismaeliten wunderbar wie auch Claudia Buhrmann, Sönke Tams Freier und Stephan Zelck ihre. Sie waren die „Figuren“ und verliehen diesen ihren besonderen Charakter. Hervorzuheben auch die Leistung der Kantorei mit ihren individuellen Klangfarben z.B. beim Chor der Wahrsager oder dem der Engel wie auch die der Mitglieder des Concerto Classico. Man spiele und singe erst einmal so, dass die Stimmungen rüberkommen. Hier war jedes Mitglied des Ensembles auch als Solist gefragt. Da ging nichts im großen Ganzen unter! Dass das an den beiden Konzertabenden in der St. Peter-Kirche so geschehen konnte, ist unweigerlich mit Kirchenmusikdirektor Christoph Jensen verbunden, der höchst einfühlsam vom Pult her wirkte. Bravo!

 

Ein großes „Danke“ an das Trio von Harfe und den zwei Flöten im dritten Teil, an die drei jungen Sänger des Kinderchores auf der Empore und an Malte Wienhues für den so leisen hintergründigen „Orgelgesang“ am Ende des ersten Teiles.- Wie schön, dass es immer wieder solche großen Konzerte in der St. Peter-Kirche zu erleben gibt!

Hans Jörg Rickert, 30. Dezember 2019, HN und www.jb-spo.de

Volles Programm zum Jahreswechsel 2019/20 in St. Peter-Ording

 

Shantychor „Die Strandräuber“ leitete den Jahreswechsel 2019/20 ein

Über die Weihnachtstage konnte man ein Gefühl „wie früher“ haben. Es war recht ruhig auf den Straßen, im Bad und im Dorf. Am frühen Freitagabend aber war dieses Gefühl dahin: Auf der Eiderstedter Straße rollten wieder die Räder. Kein Wunder, denn es nahte das Wochenende und auf das Wochenende folgte ja schon wieder fast eines, so nach dem Motto „Freitag, Samstag, Sonntag“ hintereinander weg. Und das Wetter spielte mit: Kein Regen, dafür sogar zwischendurch Sonne oder überhaupt klar und kein Frost!.

Schon am Freitag gab es wieder bestimmte Anlaufpunkte: Beim Backhaus gab es frisches Brot, bei LoMa im Gewerbegebiet war Treff zum „Weihnachtsnachklapp“ und auf der Erlebnispromenade war das der kleine Wintermarkt. Noch bis zum 5. Januar ist er.

Am Sonnabend aber leitete der Shantychor „Die Strandräuber“ den Jahreswechsel ein. Der Saal im Olsdorfer Krug war voll besetzt. Weitaus mehr Gäste als Einheimische hatten sich eingefunden und feierten mit den Strandräubern und ihrem Chorleiter Ove Ketels am Akkordeon sowie Alexander Urich auf der E-Gitarre und Thomas Treichel an den Kongas die Nordsee, das Seemannsleben, den Wind und die Wellen. Seit Jahren schon sind sie die singenden Botschafter für den Ort, unterhalten im Dünen-Hus und bei anderen Veranstaltungen, u.a. auch anlässlich des Petri-Tages mit der Biike. „Felice Navidad“ leitete den Abend wie gewohnt ein, gefolgt von der „Melodie der Meere“, „Capitano“, den „Nordseewellen“ oder auch „Der Kneipe am Moor“. Natürlich fehlte wegen der trockenen Luft auch nicht „Wo man Korn trinkt und ein Lied singt“! Es wären sonst ja nicht „die Strandräuber“. Ove Ketels sorgte zwischendurch mit seinen Döntjes für Unterhaltung. Die Pause blieb dann „Otmar, dem Kurdirektor aus St. Peter“ vorbehalten. Er hatte es nicht nur mit Elke und Wiebke, sondern auch sonst mit abenteuerlichen Geschichten. So’n Quatsch muss einfach sein.

An Programmangeboten mangelte es auch am Sonntag nicht. Am Abend im Dünen-Hus „Poetry Slam“ und in der St. Peter-Kirche die Aufführung des Oratoriums „L‘Enfance du Christ“ von Hector Berlioz und auch auf Eiderstedt genug Möglichkeiten, vom Packhaus in Tönning über einen Besuch der Schankwirtschaft in Katingsiel bis zum Theodor-Storm-Abend auf Hoyerswort, von der Naturlandschaft mit ihrer winterlichen und salzhaltigen Luft einmal abgesehen.

Am Dienstagmittag gab es in der Dorfbäckerei Siercks nur noch einige Rosinenbrötchen. Brot war gänzlich ausverkauft, ebenso in der Böhler Filiale. Im Dorf selbst ein Betrieb, als wenn mehr als Hochsaison wäre, desgleichen am frühen Nachmittag im Bad. Auch die Buhne voller Menschen, ebenso auf der Seebrücke eine Schlange von Menschen. Die Luft und der Himmel lockten.

Um 14 Uhr sollte von der Buhne aus der Silvesterlauf starten. Vorm Dünen-Hus stand man in der Anmeldeschlange. Insgesamt 406 Teilnehmer*innen waren es. Zuschauer oben auf dem Deich oder wo auch die Möglichkeit war, ließen sich dieses sportliche Spektakel nicht entgehen. Entwickelt hat es sich aus dem „Warm-Up“ Crosslauf. Seit 2012 findet er als Silvesterlauf statt und ist zunehmend ein Renner für Läufer und Läuferinnen jeglichen Alters geworden.

Hjr, 31. Dezember 2019, www.jb-spo.de

Weihnachten in der Ev. Kirchengemeinde St. Peter-Ording und Tating

 

Christi Geburt als einschneidendes Ereignis ist seit dem 4. Jahrhundert das Fest der Christenheit geworden. Seinen Ursprung verdankt es der Religionspolitik im Römischen Reich. Mit Ostern und Pfingsten gehört es seit Jahrhunderten weltweit zu den Hochfesten der Christenheit.

Trotz Vakanz bei den 1,5 Pastorenstellen der Ev. Kirchengemeinde St. Peter-Ording und Tating gab es auch dieses Jahr in gewohnter Weise eine Vielzahl von Gottesdiensten in den Kirchen

St. Magnus in Tating:

17 Uhr - Christvesper mit Krippenspiel - Pastor Christian Raap

St. Nikolai in Ording:

14.30 Uhr – Klein-Weihnachten – Diakonin Andrea Streubier und Team,

16 Uhr und 17:30 Uhr – Christvesper – Pastor i.R. Sönke Hansen

St. Peter im Dorf:

15 Uhr – Familiengottesdienst mit Krippenspiel – Prädikantin Regina Halbritter,

17 Uhr Christvesper – Pastorin i.R. Gisela Mester-Römmer,

23 Uhr – Christmette mit Kantorei - Pastor Jörg Reglinski

 

In der St. Peter-Kirche war der Familiengottesdienst überaus gut besucht. Es mussten immer noch Stühle nachgestellt werden. Einige Kirchenbesucher standen noch vor dem Eingang, andere kehrten schon um.- Prädikantin Regina Halbritter führte in dem von ihr gehaltenen Gottesdienst mit den bekannten Weihnachtsliedern „Ihr Kinderlein kommet“ und „Vom Himmel hoch“ und der Weihnachtsbotschaft aus dem Lukas-Evangelium – vorgetragen von Gaby Bombis – auf das Krippenspiel hin. Kantor Christoph Jensen hatte es mit dem Kinderchor und dem Spatzenchor eingeübt und brachte so die Weihnachtsgeschichte allen Kindern und ihren Familien nahe. Die Kinder konnten sich in Ochs und Esel sowie in die Hirten hineinversetzen und aus deren Sicht die Geschichte von Christi Geburt erleben. Regina Halbritter schlug danach in ihrer Ansprache den Bogen zum Weihnachtsfest mit Tannenbaum und Geschenken. Angetan waren alle von dieser Gottesdienstform für Familien mit Kindern. Mit „O du fröhliche“, endete dieser Nachmittagsgottesdienst.

 

In der Christmette mit Pastor Jörg Reglinski aus Tetenbüll wurde das Geburtsgeschehen auf eine andere Ebene gehoben. Gedanken verschiedener Autoren, unter ihnen Xavier Naidoo und Rudolf Hagelstange, nahmen die Zuhörer mit auf eine Reise zu Maria und Joseph, aber auch zu sich selbst, um das Geschehen in Bethlehem für sich zu interpretieren. In seiner Weihnachtsansprache widmete sich Pastor Reglinski dann den Worten des Propheten Sacharja im 9. Kapitel zur Verheißung des messianischen Friedensreiches und stellte Bezüge her. Dazu die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas, die Vorträge der Kantorei St. Peter  und die Lieder aus dem EKG machten aus diesem mitternächtlichen Gottesdienst ein besonderes Geschehen. Der Brückenschlag von Bethlehem vor 2000 Jahren ins Heute sprach wohl jeden an und stimmte nachdenklich. Sehr gut besucht war auch dieser Gottesdienst.

Hans Jörg Rickert, 25. Dezember 2019, www.jb-spo.de

Informationen zum Hintergrund

Von der Geburt Christi zum Christentum als Staatsreligion

Christi Geburt als einschneidendes Ereignis ist seit dem Jahre 380 in Rom das Fest der Christenheit geworden. Kaiser Theodosius I. hatte das Christentum am 27. Februar zur Staatsreligion im Römischen Reich gemacht. Das Dekret des oströmischen Kaisers hatte weitreichende Folgen: Es verband die jüdisch-christlichen Wurzeln des europäischen Kontinents mit der griechisch-römischen Kultur.-

Vorangegangen war im Jahr 312 der Sieg Konstantins des Großen gegen seinen Rivalen Maxentius in der Schlacht bei der Milvischen Brücke. An die Redewendung „In hoc signo vinces“ (deutsch: „In diesem Zeichen wirst du siegen“) darf hier erinnert werden. Christus soll Konstantin im Traume erschienen sein.

Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom belegt. Wie es zu diesem Datum kam, ist ungeklärt. Diskutiert wird eine Beeinflussung durch den römischen Sonnenkult: Kaiser Aurelian hatte den 25. Dezember 274 als reichsweiten Festtag für Sol Invictus festgelegt. Zwischen diesem Sonnengott und „Christus, der wahren Sonne“ (Christus verus Sol) zogen frühe Christen Parallelen. (nach wikipedia)

 

Bis zum Konzil von Nicäa im Jahr 325 wurden Christen verfolgt, ihr Vermögen konfisziert und ihre Kirchen angezündet. Besonders unter Kaiser Diokletian (um 250) hatten die Christenverfolgungen zugenommen. Diokletian wollte alte heidnische Kulte wiederbeleben und zu einer Art Staatsreligion machen. Aber seine antichristliche Politik scheiterte und wurde Kaiser Konstantin I. aufgehoben.

Militär und Verwaltung funktionierten gut im Imperium Romanum. Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum hatte für Wohlstand gesorgt. Die allen Menschen im römischen Staatsgebiet verliehenen Bürgerrechte sorgten für wachsenden Zusammenhalt – jedoch nicht bei der Religionsausübung.

Am 19. Juni 325 griff Konstantin in einen kirchlichen Konflikt ein. Zur Schlichtung lud er die christlichen Bischöfe zu einem Konzil nach Nicäa, in der Nähe von heute Istanbul, ein. Ziel dieses Konzils, das mehr als 300 Kirchenvertreter besuchten, war nicht die Durchsetzung des Christentums als Staatsreligion, sondern die Herstellung eines Religionsfriedens, der das Römische Reich stabilisieren sollte. Nach langen Debatten schloss sich Kaiser Konstantin I. einem Kompromiss an, nach dem Jesus und Gott eine Wesenseinheit darstellten. Mit der Unterzeichnung dieser Definition durch die anwesenden Kirchenmänner hörten die Christenverfolgungen auf.

Aber für die Anhänger des christlichen Glaubens kam es noch besser. Am 27. Februar 380 unterzeichnete der oströmische Kaiser Theodosius I. (347 – 395) in Thessaloniki in Gegenwart des weströmischen Kaisers Valentinian II. (371 – 392) und dessen mitregierenden Halbbruder Gratian (359 – 383) ein Dekret, mit dem das Christentum zur Staatsreligion erklärt und die Ausübung heidnischer Kulte unter Strafe gestellt wurden. Der Wortlaut des Dekrets "Cunctos populos" beinhaltete nicht nur die Sonderstellung des Christentums, sondern auch die Verfolgung der Andersgläubigen. (Auszugsweise entnommen aus der Serie: "Wir Europäer" - Archiv 2009, Autor Matthias von Hellfeld:

Teil 3: Christentum wird zur Staatsreligion im Römischen Reich - 27. Februar 380)

 

Hjr, 25. Dezember 2019, www.jb-spo.de

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