2018 Februar

Biike

 

 

Dat is as jedet Johr

jümmers in Februar.

Wenn denn de Biike brennt,

al to’t Füer rennt.

 

De Wintergeister warrt verdreeven.

De Natur fangt wedder an to leeven.

Un wo de Sünn nu hööger stiggt

höllt dat ok de Lüttsten nich.

 

Bi’t Backhus geev dat Brot.

Wi hebbt jo Gott wees Dank keen Not.

Un bi’t Heedewecken-Dreihn.

Kunn man sik ok bannig frei’n.

 

In de Füerwann brennt nu dat Holt.

De Lütten sünd ok mächti stolt.

Mit de brenn‘t Fackel in’e Hann

treckt se op’n Diek nu lang.

 

Vun al dat ole Dannenholt

is de Biike ok man recht groot

Wat uns Wiehnacht Licht hett schenkt

as Füer an’e Küst nu lücht un brennt.

 

De Füerreed is lang verklungen,

un ok manch Leed wurr sungen.

De Lütten sünd nu al to Puch.

Blots de Oolen hebbt ni noog.

 

Grönkohl gifft dat nu

un ok mancheen Hallo

Swiensback, Wurst un Kassler dörf ni fehl’n

Un ok manch Snaps rinnt dör de Kehl‘n.

 

Dat is nu lang as jedet Johr

an’n Avend för’n 22. Februar.

Welkeen vun‘n Petridag nix weet

Vergütt in Summer ok keen Sweet.

 

                                                 HJR, 22. Februar 2018

Wissenswertes und mehr rund um die Biike

 

Das Biikebrennen (Biike - friesisch: Bake, Feuerzeichen, Seezeichen) ist auf den vorgelagerten Inseln und auf dem Festland Nordfrieslands ein traditionsreiches Volksfest. Im Dezember 2014 wurde das nordfriesische Biikebrennen von der Deutschen UNESCO-Kommission als „gemeinschaftliches Frühlings- und Fastnachtfeuer“ in die Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen, was es zu einer lebendigen Tradition mit besonderem Stellenwert macht. Um die Entstehung des Biikebrennens ranken sich viele Legenden, die sich im Laufe der Jahrhunderte veränderten. Vorchristliche Ursprünge wurden vermutet, auch weil es mit dem althergebrachten Frühlingsgerichtstag (Frühjahrsthing) zusammenfiel, der festgesetzter Termin für Vertragsabschlüsse, Amtsgeschäfte und die Regelung von Erbangelegenheiten war. Später sah man Zusammenhänge mit dem Abschied der Walfänger, deren Saison im 18. Jahrhundert am 22. Februar jedes Jahres begann. (Entnommen der Presseinfo der TZ)

Die Biike ist heute eine touristische Attraktion am 21. Februar. Sie gehört zum Petritag. Er passt auch zur Fastenzeit. Ebenfalls dazu gehören das Biikefeuer und Heedewecken (Heißewecken). Historisch betrachtet steckt noch mehr dahinter.

Irgendwie steht das Biikefest dazu in einem Zusammenhang mit Ostern, denn nach dem Aschermittwoch ist alle „Fröhlichkeit“, alle Faselei dahin, das närrische Treiben vorüber. Dieses Jahr fiel Rosenmontag auf den 12. Februar, Fastnacht war damit der 13. und Aschermittwoch der 14. Februar. „Fastelabend“ ist der Sonnabend vor dem ersten Fastensonntag „Invokavit“. Der war dieses Jahr am 17. Februar.

Das alles richtet sich nach dem Ostertermin, dieser wiederum nach dem ersten Sonntag, der auf den 21. März folgt. Das ist zurückzuführen auf die volkstümliche Regel für die Festlegung des Ostertermins, nach der Ostern auf den ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond fällt.

Damit kann Ostern zwischen dem 22. März und dem 25. April liegen. Das letzte Mal war Ostern am 22. März im Jahr 1818. Dieses Jahr fällt Ostern auf den 1. April 2018, liegt also verhältnismäßig früh. Erst im Jahre 2285 wird Ostern mal wieder auf den 22. März - seinen frühestmöglichen Termin - fallen.

Am Aschermittwoch beginnt für katholische und evangelische Christen die vorösterliche Fastenzeit, eine Zeit der Besinnung und des Verzichts. Diese Zeit endet nach genau 40 Tagen zu Ostern, weil Jesus 40 Tage in die Wüste gegangen sein soll, um zu fasten und seinen Weg zu finden. So heißt es seitens der Kirchen. 50 Tage sind es dann übrigens bis Pfingsten. Der Name dieses christlichen Festes leitet sich vom griechischen Wort „pentekostē“ ab und bedeutet „der fünfzigste Tag“.

In die noch dunkle Zeit nach dem Jahreswechsel fallen eine Reihe von Festen.* Das sind das Fest der „Heiligen Drei Könige“ (6. Januar), Maria Lichtmeß (2. Februar – 40 Tage nach Weihnachten, „Mariä Reinigung“ bzw. „Darstellung des Herrn“), Petritag (m 22. Februar machte man der Überlieferung nach den Apostel Petrus 42 v. Chr. in Antiochia - in der heutigen Türkei - zum ersten Bischof), Fastenabend (vor der Fastenwoche nach Aschermittwoch) bis hin zum Karfreitag (Kreuzigung) und das Osterfest (Auferstehung Christi).

Karneval und Fastnacht sind ebenfalls Begriffe, die dazu gehören. Nach der närrischen Zeit beginnt die „fleischlose Zeit“ ( mhdt: „carne levare“ = Fleisch wegnehmen). Es ist Zeit für „Heißewecken“ oder auch norddeutsch „Heedewecken“. „Wecken“ ist auch eine Bezeichnung für kleines Brot oder eine „Semmel“.

Heißewecken wurden vielfach nur in der Fastenzeit gebacken. Die Bäckermeister hielten ihre Rezepte meistens geheim. Es waren runde Kuchen von etwa 10 bis 15 cm Durchmesser. Die Zutaten waren Weizenmehl, Butter und Zucker; zugefügt wurden Korinthen und als Gewürze Kaneel und Kardamom. Aufgeweicht wurden sie in Milch oder auch Eiermilch (Milch mit Ei aufschlagen). In der Fastenzeit gab es sie vor allem am Fastenabend und den folgenden Tagen der ersten Fastenwoche. Sie füllten als fleischlose Kost den Magen. Heedewecken wurden in den Familien bzw. in den Wirtschaften auch verspielt, entweder beim „Heedewecken-Dreihen“ (Zahlenrad) oder beim „Kaartjen“ (Kartenspiel).

Im Schleswig-Holsteinischen Wörterbuch (Volksausgabe) von Otto Mensing (Hrsg.) - Verlag: Karl Wachholtz 1927-35, Neumünster, 1927 – findet sich noch Folgendes: Es gab auch Fastnachtsabendbräuche mit dem Absingen von Bettelversen, ähnlich wie Rummelpott zu Silvester. Der Lehrer – er stand damals unter Aufsicht der Kirche - erhielt von den Konfirmanden als Geschenk Heißewecken.

Zu „Aberglauben“ wird dieses mitgeteilt: Um die Liebe einer Person zu gewinnen, gibt man ihr Heißewecken oder weiche Semmeln, die man mehrere Stunden in der Achselhöhle getragen hat.**

Hans Jörg Rickert, 20. Februar 2018, www.jb-spo.de

*   - Die Kirche hat sie besonders für sich genutzt, um ihre „Schäflein“ auch „zum Glauben zu zwingen“. Die Erbsünde lässt da grüßen! Da stellt sich der „aufgeklärte Mensch“ schon seine Fragen. So heilig, wie die christliche Kirche gerne sein möchte, war sie nie. Aber der „gemeine“ Mensch wusste diese Feste wiederum auch für sich zum Feiern zu nutzen. Ein Jegliches eben zu seiner Zeit. Schließlich kann und will man nicht nur in „Schutt und Asche“ gehen. So bekreuzigte man sich am Aschermittwoch, indem man mit Asche ein Kreuz auf seine Stirn zeichnete.

**   - Wer sich riechen konnte, mochte sich wohl auch leiden.- Ob die Wecken von ihm oder von ihr kamen, war nicht niedergeschrieben.

 

Die besten Vorleser ermittelten ihren Besten im Kreis

 

Der Vorlesewettbewerb für Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen aller Schulen ist der älteste und größte Lesewettstreit der Schulen in Deutschland. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels nun bereits zum 59. Mal veranstaltet. Zum wiederholten Male war das Gymnasium der Nordseeschule in St. Peter-Ording der Austragungsort für den Kreisentscheid. Mit viel Liebe hatte die Fachschaft Deutsch bei Federführung von Levka Thomsen und Anja Pickhardt auch dieses Jahr mit Unterstützung aller Deutsch-Fachlehrkräfte und Schülerinnen und Schüler der Schule alles vorbereitet.

 

Jonas Kammerl sollte der erste von den 15 Leserinnen und Lesern an diesem Nachmittag sein. Er hatte unter den Klassenbesten der fünf sechsten Klassen der Hermann-Tast-Schule in Husum am besten gelesen und war nun mit seiner Mutter und Oma angereist. „Ich habe mich natürlich gefreut, dass ich hier teilnehmen darf, aber aufgeregt bin ich schon“, bekannte er. Sein Vater hatte sich kein Frei holen können. Auch alle anderen vierzehn waren in Begleitung gekommen und waren wie er mehr oder weniger angespannt. Zuerst sollten sie aus einem Buch ihrer Wahl lesen, danach einen ihnen unbekannten Text der Jugendbuchautorin Patricia Schröder. Sie war Mitglied der Jury wie auch Michael Kahrs von der Nordseeschule, und Hans Jörg Rickert, pensionierter Realschulrektor. Er sprang für ein verhindertes Jurymitglied ein. Diese Drei sollten Lesefertigkeit, Interpretation und auch Textauswahl beurteilen. Die Zuhörer sollten in den maximal drei Minuten Vorlesezeit nämlich auch verstehen können, worum es in dem Lesebeitrag bezogen auf den Inhalt des Buches geht. Dazu war es hilfreich, wenn jeder vorher etwas dazu sagte. Das war schon anspruchsvoll.

Levka Thomsen und ihr Deutschkollege Torsten Westphal führten durch den fast dreistündigen Lesenachmittag. Gut organisiert hatte das die Schule, denn nach den ersten fünf Lesern gab es von Pia Rabeler einen musikalischen Beitrag auf dem Klavier und danach noch zweimal von Helen Bahl. Für die Pause nach der ersten Leserunde konnten sich alle am Buffet des 12. Oberstufenjahrgangs stärken. Manche waren schon lange unterwegs gewesen, denn sie kamen schließlich von Sylt bis Friedrichstadt. Jona Tophinke von Föhr würde erst morgen wieder auf die Insel zurückfahren können. Zu Beginn der zweiten Runde mit den sechs am besten Bewerteten las zunächst Patricia Schröder aus ihrem Buch „Die Doppelkekse – Chaos hoch zwei mit Papagei“. Daraus sollten sie dann abschnittsweise in alphabetischer Reihenfolge weiterlesen. Das war schon eine interessante Geschichte von den Zwillingsschwestern Lucy und Lea, die bis auf ihr Äußeres so unterschiedlich waren. Der von ihrem Papa – übrigens Mathelehrer - angeschleppte Papagei „Punktum“ gab im Familienalltag überall seinen Senf dazu. So ein Buch mochten sie alle lesen und wie das Publikum auch hören. Jetzt ging es für die Juroren nur noch um die Beurteilung von Lesefertigkeit und Interpretation.

 

Vor der Bekanntgabe der drei kreisbesten Vorleser erhielten alle eine Urkunde und ein Buch für ihre Teilnahme. Torsten Westphal hatte ihnen für ihre tollen Lesevorträge ein großes Lob ausgesprochen und sich im Namen aller für einen richtig schönen Vorlesenachmittag gedankt. Jona Tophinke war einfach der Beste. Er wird als Kreissieger nun am Landesentscheid teilnehmen. Zweite wurde Inga Catherina Thiesen von der Theodor-Storm-Schule in Husum und dritter Jonas Kammerl.

 

Hjr, 15. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Dramatisch, melodiös und verheißend – G. F. Händels „Messiah“

 

Konzerte sind nicht vergleichbar – sie sind immer einmalig. Der Propsteikantatenchor Eiderstedt wiederholte nun nach über einem Jahr am vergangenen Sonntag seine Aufführung des Oratoriums „Messiah“ von George Frideric Handel in englischer Sprache in der St. Bartholomäus-Kirche in Wesselburen. War das Publikum schon bei der Aufführung in St. Laurentius in Tönning im Januar 2017 begeistert gewesen, das war es auch jetzt wieder. Wer den Termin nicht hatte wahrnehmen können, hat etwas Großartiges versäumt.

Das ist nämlich dieses Werk von Georg Friedrich Händel, der 1685 in Halle/Saale geboren und mit anglisiertem Namen 1759 in London gestorben ist. Das Libretto hatte Charles Jennens (1700- 1773), ein Freund und Förderer des Komponisten sowie der Künste, aus Versen des Alten und Neuen Testamentes nach dem Text der King-James-Bibel (1611) zusammengestellt. Kompositionsbeginn war am 22. August 1741; die Fertigstellung datiert vom 12. September. Das waren man eben drei Wochen und selbst für Händel eine kurze Zeit. Er hat sein Werk über 40 Mal selbst dirigiert. Die Uraufführung war am 13. April 1742 in Dublin.

In drei Teilen schildern Händel / Jennens die Voraussage und Ankunft des Messias, seine Leidensgeschichte und Auferstehung sowie die Bedeutung dieser Verheißung für uns. Traditionell fanden und finden in Großbritannien die Aufführung in der Passions- und Osterzeit statt. So passte dieser erste Fastensonntag „Invokavit“ (Der Herr ruft mich“) zeitlich wunderbar.

Die Capella Laurentii mit der Konzertmeisterin Ulla Bundies stimmte unter Leitung von Kreiskantor Christian Hoffmann mit der „Sinfony“ auf historischen Instrumenten in das Oratorium ein. Als kurz darauf im Accompagnato als erste Stimme die des Tenors Michael Connaire tröstend in den Raum klang, sich dann in der Arie „Every valley shall be exalted“ entfaltete und der Chor sich mit „And the glory of the Lord shall be revealed“ anschloss, spürte wohl jeder schon: Dies wird ein besonderer Konzertabend. Der Chor entwickelte zügig seinen Klang und seine Stimmkraft und begeisterte. Die Solisten beeindruckten. Das waren Stimmen, denen man lauschen, deren Klang man aufnehmen mochte und die zugleich eine Botschaft vermittelten. Altus Gerald Thompson, Sopranistin Hanna Zumsande und Bass Jean-Christophe Fillol sangen sich wie Tenor Michael Connaire in die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer. Das Barockorchester zu hören, war eine Freude. Und Christian Hoffmann leitete das Gesamtensemble einfach in sich stimmig. An diesem Abend erlebte man Händels Meisterwerk in seiner ganzen Vielfalt: dramatisch, tröstend und melodiös, harmonisch und verheißend.

Wesselburens St. Batholomäus macht es möglich: Aus der Ferne spielten die beiden Trompeten das „Glory to God“. Nicht unerwähnt bleiben darf das „Halleluja“ am Ende des zweiten Teils, das die Allmacht Gottes mächtig preist. Wie sagte doch jemand am Ende des Konzertes: „Händel ist schön, wenn er laut ist!“ – Aber es kommt darauf an, wie er auch laut ist.- Dass er auch anrühren kann, auch das bewies dieser Oratorienabend. Der Beifall war riesig. Das Publikum stand.- Allen Ausführenden ein „Chapeau“!

Hans Jörg Rickert, 19. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Plattdüütsch Gottesdeenst an „Invokavit“ in Welt

 

Op Latiensch heet dat in Psalm 91, Vers 15: "Invocavit me, et ergo exaudiam eum". Op Platt heet dat: „He röppt mi an, denn will ik ok op em höörn“. Aschermittwoch weer letzte Wuch, so weer nu vundag de eerst Fastensünndag in 2018. Paster Ralf-Thomas Knippenberg ut Garrn höll de Predigt in Welt op Platt. So hebbt sik de Karkengemeen‘ vun Garrn, vun Heverbund, vun Tetenbüll/Kathrienenheerd un vun Welt-Vollerwiek dat för de Winterkark in Welt afsnackt. To’n söbenten Mol warrt Gottesdienst för de Karkengemeen merrn op Eiderstedt na de Wiehnachtstiet in’e Januar un Februar in een Kark fieert. Düt Johr weer dat St. Michael in Welt. De Kark weer good besett. Den Küsterdeenst mokte Georg Nissen. An‘e Orgel wull Kantorin Elisabeth Weisenberger speelen. Dat klapp aver ni, de Orgel harr ni richti Luft. Dat hett nix makt. Se haalte gau ehr Akkordeon ut Garrn un wi sungen dat eerste Leed ahn Begleitung. Güng ok. Is je Fastentied, denn kannst ni allens hebben. Schallst je Verzicht öven.

Ut de Bibel geev dat ut den 1. Breef vun Johannes „Dor is Gott sien Söhn kamen“, achterna de Geschicht vun Adam un Eva mit de Slang ut Ole Testament un ut dat Niee Testament de Geschicht vun Jesus in‘e Wüste, wo de Düwel em versööken wull. Elisabeth Vollmer hett dat mit dat Vöörlesen op Platt ok ganz good henkreegen.

Predigt hett Paster Knippenberg to de Geschicht vun den Appel in’t Paradies. He vertell, de Slang is gorni so böös, as man jümmers denken deit. Se weer ok ni in’n Deenst vun den Düwel. Se vertell Eva sachts de Wohrheit: „Jüm warrn de Oogen opgahn!“ Dat weer denn je ok so. Adam un Eva hebbt markt, wat se nakelt weern un ok en lüttje beten anners. He zitier dorto so’n Alttestamentler, Professer Frank Crüsemann. De harr dat mit de Slang so op Hochdüütsch verkloort: „Die Schlange hatte weniger an, aber sie hatte mehr drauf als alle anderen.“ He sä dorto: „De Slang weer plietsch.“– Ik heff dor so för mi dacht: „Aha, de Slang is so’n Intellektuelle!“- Mitnahmen heff ik, wat de Slang uns so ok de Welt wiest hett. Wi müssen je ut Paradies rut. Gott hett uns liekers ni verlaaten, un ok dorför sorgt, wat wi in’e Welt ok een bi Siet harrn. Un to de Allmacht vun Gott höört ok, wat he ni allns maken mutt, wat he ankünnigt hett. He lött Adam un Eva ni starven, he schick se in de Welt. He is gnädig to uns.

Wat de Lüüd in Welt ok al fründli un ni falsch sünd, dat kunnst denn bi’n Karkenkaffee beleeven. Dat is in’e Winterkark so Usus, wat man sik ok noch een beten utsnackt. Dor weern ok en Barg Karkenvöörsteher vun de annern Gemeen op Eiderstedt kamen. Tokamen Sünndag schull denn dat letzte Mol Winterkark in Welt ween. Dor warrn de Karkenvöörsteher – hüüt heet dat je „Kirchengemeinderat“- denn vertelln, wat se dat eerste Johr för ehre Lüüd un för de Kark daan hebbt.

In de Kollekte wurr sammelt för den „Eiderstedter Schutzengel. Elisabeth Vollmer un Uwe Franzen vun den Karkenrat Welt hebbt achterna tellt.

Hans Jörg Rickert, 18. Februar 2018, www.jb-spo.de, Plattdeutsch

Bogenschießen für die Stammleiter bei den Pfadfindern

 

Winterwochenenden auf Eiderstedt sind gekennzeichnet von Boßelwettkämpfen. Das ist auch im Norderheverkoog so. An drei Stellen waren die Boßler verschiedener Vereine am Werfen. Aber dass man dann bei Tetenbüllspieker bei dem kleinen Hafen auf Bogenschießer trifft, ist schon etwas Besonderes. Das Landstück neben dem Hafen auf der Seite Richtung Ülvesbüll bietet sich dafür in dieser Jahreszeit aber auch regelrecht an.

Stephan Gosch und sein Sohn Lukas von den Ev. Gemeindepfadfindern der Kirchengemeinde Oldenswort waren hier im Rahmen des Winterwochenendes mit Johanna Paulsen, Lasse Fromberg sowie Jan und Thies Graba von der Kirchengemeinde Schobüll am Bogenschießen. Das muss geübt werden, da es zur Arbeit mit den Pfadfindern gehört. Bogenschießen ist eine Fertigkeit, die den Kindern und Jugendlichen in den Stämmen von St. Pankratius und Rungholt beigebracht wird. Sie gehören dem Ring ev. Gemeindepfadfinder (REGP) an, durch den die Pfadfinder der evangelischen Kirchengemeinden in Schleswig-Holstein und darüber hinaus verbunden sind.

Die Stammesleiter müssen das Bogenschießen selber gut können und sich auch hinsichtlich möglicher Schießübungen fit halten und wissen, welche Gefahrenlagen damit verbunden sind und mit welchen Methoden das Bogenschießen altersgemäß geübt werden kann. Das ist der Sinn dieses Winterlagers in Oldenswort, das nun zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Übungsleiter für das Bogenschießen ist Stephan Gosch von den St. Pankratius Pfadfindern. Übernachtet wird in Oldenswort.

Zum Rungholt-Stamm in Schobüll (gegr. 1997) gehören über 70 Kinder und Jugendliche. Sie kommen aus dem Ort selbst, aber auch aus Husum, Hattstedt sowie von anderen umliegenden Orten und auch von Nordstrand. Beim Pankratius-Stamm (gegr. 2008) sind es 23. Sie kommen aus Oldenswort, aber auch aus den Gemeinden Witzwort, Ülvesbüll, Finkhaushallig, Husum wie auch aus Norderfriedrichskoog, Tönning, Tetenbüll und Poppenbüll.

Hans Jörg Rickert, 17. Februar 2018, www.jb-spo.de

Grabenarbeiten am Grudeweg – das Wetter hat gepasst

 

Hatte man bei der Baueinweisung (wir berichteten) noch Bedenken gehabt, ob man es wegen der Witterungsbedingungen noch rechtzeitig schaffen würde, ging es dann schneller als gedacht. Das Februarfrostwetter machte es möglich. Bei herrlichstem Winterwetter saß Theo Dircks aus Osterhever im Auftrag von Erdbauunternehmen Kay Hansen auf dem Bagger und richtete die 250 Meter Graben am Grudeweg bei der Sielbrücke so her, wie es sich auf Eiderstedt gehört und wie es sich Gudrun Beuck für die Stiftung Naturschutz vorstellte: Die Schrägung etwa eins zu drei beidseitig von der Grabenmitte aus.

Ungepflegt und teilweise zugewachsen war der Graben gewesen, der 150 Meter vor der Sielbrücke beim Grudeweg vor dem Landschaftsschutzgebiet mit den Pütten hinter dem Ordinger Sielzug* nach 100 Meter rechtwinklig zu ihm führt. Der Wasserstand im Graben lässt sich nun auch wieder regulieren. Dazu führt ein 200 KG-Rohr durch die erstellte neue Zuwegung, an dessen einem Ende ein Knierohr drehbar angebracht ist. Ein Holzwehr, das inzwischen baufällig und durchlässig war, hatte früher diese Funktion übernommen und so für einen genügend hohen Wasserstand im Graben gesorgt. Dieser verhindert einerseits, dass die Rinder durch den Graben zur anderen Seite wechseln, und andererseits ist so durch die Grabenfauna und -flora auch ein Nahrungsangebot für die Wiesenbrüter vorhanden.

Auf diesen 1,5 Hektar Grünland mit Grüppen hat sich eine kleine Seeregenpfeiferkolonie entwickelt. Für diesen schützenswerten Vogel ist nun alles vorbereitet, damit er sich hier richtig wohlfühlen und seinem Brutgeschäft nachgehen kann. Die Beweidung durch Rinder stört die Vögel nicht. Auch Kiebitze nutzen die Fennen am Grudeweg seit Jahren als Brutgebiet.

* Es handelt sich tatsächlich um den Ordinger Sielzug. Bisher war fälschlicherweise immer „Brösumer Sielzug“ genannt worden. In ihn mündet der Ordinger Sielzug, der seinen Anfang beim Brüllweg in Ording hat.

Hans Jörg Rickert, 11. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Hintergrund

Typischer Lebensraum für den Regenpfeifer (Charadrius alexandrinus) ist das Wattenmeer. Auf seinem Speiseplan stehen Würmer, Schnecken, Insekten, Larven und Krebstiere. Er läuft dabei in für ihn typischer Manier sehr schnell und hält dann abrupt innen. Häufig trampelt er auch sehr schnell mit den Füßen, um Beute an die Oberfläche zu locken. Er stochert außerdem in feuchten Schlick und Sand nach Nahrung.

Der Seeregenpfeifer wird nach einem Lebensjahr geschlechtsreif. Die Brutzeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Jedes Jahr kehren die Vögel wenn möglich zum gleichen Nistplatz zurück, um vielleicht mit demselben Partner das Brutgeschäft aufzunehmen. Das Nest ist eine Mulde am Boden, die mit Pflanzenteilen und anderen Materialien ausgelegt ist. Das Weibchen legt in fünf Tagen drei Eier. Die Eier wiegen jeweils 10 g und sind durch ihr Farbmuster gut getarnt. Nach vier Wochen Brüten schlüpfen die Jungvögel und beginnen sofort damit, das Gebiet zu erkunden.

Romantikwoche startete winterlich und schön

 

Der Wind aus Richtung Ost blies beim Backhaus kalt vom Dorfdeich herunter, und doch hatten sich einige eingefunden, um die Romantikwoche „Verliebt in SPO“ bei alkoholfreiem Punsch mit dem Frauenteam der Tourismus-Zentrale um Janina Domann und Vanessa Grewe bei der Feuerschale und der Feuertonne zu eröffnen. Geschichtenerzähler Harry Rischar entführte die Anwesenden in die Welt der Sagen und Abenteuermärchen. Er ließ den „Holländer“ wieder auferstehen und auf seinem Schiff mit dem blutroten Segel von seiner inneren Unruhe getrieben nach Feuerland aufbrechen. Nur eine tugendhafte liebende Frau würde ihm Ruhe und Geborgenheit, ja Heimat schenken können. Da war er beim Thema „Verliebt“ angekommen, mit dem die Veranstaltungsabteilung TZ mit vielen Partnern nun für eine Woche Urlauber, Gäste, aber auch Einheimische anregen möchte, den Winter einerseits zu erleben und dann andererseits mit dem Biikefeuer seine Geister zu vertreiben.

Der Start war schon einmal erfolgversprechend. Die Lichteffekte der Leuchtskulpturen beim Backhaus, vor der TZ-Info, beim Bernsteinladen im Dorf bzw. beim Wirtshaus „Dorf 8“ und dann in der Olsdorfer Straße vor dem Museum Landschaft Eiderstedt und im Garten dahinter bieten Anblicke und Fotomotive der besonderen Art. Das Programm ist vielfältig, hält für jeden etwas bereit und liegt in den TZ-Infos und bei den Anbietern aus. Harry Rischar erzählt innerhalb dieser Romantikwoche auch weiterhin mal hier und mal dort, nicht nur Abenteuerliches am Lagerfeuer; auch Romantisches und Erotisches. Man lasse sich entführen in besondere Wintertage.

Hans Jörg Rickert, 15. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Meinung

TZ entdeckt die Winterzeit für ein neues Veranstaltungshighlight

Mit Claus Heitmann als ihrer treibenden Kraft hatte die AG OrtsChronik 1989 zum ersten Mal zu einem Biike-Feuer eingeladen und erinnerte damit an eine Tradition an der nordfriesischen Küste. Der Petri-Tag war der eigentliche historische Anlass, denn an diesem Tag begann nach der Winterruhe sozusagen das neue Wirtschaftsjahr. Die Wintergeister wurden seit dem 19. Jahrhundert mit einem Feuer vertrieben. Das wurde zu einer Tradition, die besonders auf den nordfriesischen Inseln gefeiert wurde und sich von dort ausbreitete. Mit der Winterruhe war es vorbei. Die Schafe lammten, die Felder mussten bestellt werden. Die Walfänger fuhren hinaus.

Wer richtig zählt, stellt fest: Dieses Jahr steht die „30. Biike der Neuzeit“ in St. Peter-Ording an. Am 21. Februar wird im Bad unterhalb der Deichberme das 30. Biikefeuer entzündet, und danach geht es zum Grünkohlessen. Schon lange zeichnet die TZ für dieses erste touristische Highlight im Jahr führend mitverantwortlich und vermarktet es an der heutigen Tourismusdestination, zu der der einstige Bade- und Kurort St. Peter-Ording an der Westküste Eiderstedts besonders im letzten Jahrzehnt entwickelt worden ist. Das ist Tourismusstrategie. Sie findet auch Niederschlag mit einem Geschäftsbereich Tourismus in der Landesregierung innerhalb des Wirtschaftsministeriums. In St. Peter-Ording heißt es deswegen auch schon lange nicht mehr Kurverwaltung, sondern Tourismus-Zentrale, und der Leiter bzw. die Leiterin des Eigenbetriebes der Gemeinde St. Peter-Ording trägt entsprechend den Titel Tourismus-Direktor/in. Kurdirektor/in war einmal. Heutzutage sind Management und Ideen gefragt. St. Peter-Ording ist Tourismus- und Jobmotor auf Eiderstedt geworden.

So wie sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern, verändern sich auch die Marketingstrategien. Der Rubel muss rollen. Der eine freut sich, der andere bedauert dies. That‘s life!- Im 21. Jahrhundert wird nicht mehr einfach „nur“ gearbeitet, um zu leben und erleben zu können; wir wirtschaften und erwirtschaften, um noch besser und noch mehr erleben zu können.- „Verweile doch, du bist so schön!“- Wer sagt das heute noch zum Augenblick?

Antwort: Das sagt die Tourismus-Zentrale! – Was früher zündende Ideen beim Miteinander waren, heißt heute „Brain-storming“ und wird im Team gezielt durchgeführt.- Was kann man tun, um die Nebensaison für Urlaubsgäste (noch) attraktiver zu machen? Die Mitarbeiterinnen der TZ haben dabei etwas Tolles kreiert: Die Romantikwoche „Verliebt in SPO“! Sie haben tatsächlich den „Augenblick“ wiederentdeckt.- Der 14. Februar ist „Valentinstag“, Tag für Verliebte und ganz doll Verliebte, eben noch mehr Verliebte und damit doch auch „Meerverliebte“. Eine tolle Marketingidee, die dann hier am 21. Februar mit dem Biike-Feuer abschließt. Das meine ich ganz ehrlich. Die jungen Frauen haben sich wirklich etwas einfallen lassen. Sie haben erkannt, worauf es beim Leben besonders ankommt: Augenblicke genießen und verweilen lassen. Hut ab! Auch das Programm mit seinen vielfältigen Angeboten kann sich sehen lassen. Noch einmal „Hut ab!“ vor allen daran Beteiligten. Die Flyer liegen in den TZ-Infos und bei den Anbietern aus.

Ich habe jetzt nur einen Wunsch: Diese erste Romantikwoche möge erfolgreich verlaufen. Aber sie möge nicht deswegen als erfolgreich angesehen werden, weil noch mehr Urlauber und noch mehr Gäste den Ort in einer weitgehend ruhigeren Zeit mit auch schönen winterlichen Tagen bei Spaziergängen am Strand und in den Dünenwäldern verbunden mit Naturerleben bevölkert haben, sondern sie einen Ort erlebt haben, der allein schon wegen seiner Lage wunderbar und liebenswert ist sowie mit dieser „Romantikwoche“ die Herzen zusätzlich erwärmt hat.

Seele baumeln lassen und Entschleunigung wünsche ich allen. Möge ein jeder das für sich in diesem wunderbaren Angebot erkennen und entdecken und dann sagen: „Das waren wirklich schöne Augenblicke. Das könnten wir wieder einmal machen. Und dann gehen wir auch ins Museum oder in ein Konzert, vielleicht auch in einen Sonntagsgottesdienst in einer der Kirchen.“ Denn auch das gibt es auf Eiderstedt bzw. nicht weit weg in Husum oder auch Wesselburen. Gerade in diesem Jahr ist am Wochenende 17./18. Februar auch zusätzlich zum „Romantik-Programm““ kulturell ganz viel zu entdecken und zu erleben.

Hans Jörg Rickert, 14. Februar 2018, www.jb-spo.de

„Exklusive Bildungslücke“ ist nun geschlossen

 

Utholm-Schule St. Peter-Ording ist offiziell Nationalpark-Schule

Für den Nationalpark Wattenmeer und das UNESCO-Weltnaturerbe war dieser Rosenmontag ein ganz besonderer Tag: In St. Peter-Ording sind nun von der Krippe bis zum Abitur alle Kita-Kinder und alle Schülerinnen und Schüler irgendwie „mitverantwortlich“ für eine der größten Kinderstuben der Meere. Ab jetzt ist nämlich auch die Utholm-Schule Nationalpark-Schule. Sie schloss nun die Lücke am Ort, denn sowohl die Ev. Kindertagesstätte St. Peter-Ording, Tating und Tümlauer Koog und die Nordseeschule – Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil in St. Peter-Ording arbeiteten bereits bildungsmäßig mit der Nationalparkverwaltung (NPV) zusammen, und über den Hort der Kita waren schon viele Grundschüler mit dabei. Bisher ist das einmalig. Auch an anderen Orten ließen sich solche Lücken noch schließen.

„Das ist eine Wahnsinnschance für uns alle“, frohlockte Evelyn Schollenberger von der NPV in Tönning. Sie ist zuständig für die 24 Nationalparkschulen von Sylt bis Marne. Zu diesen gehört seit kurzem auch die Theodor-Mommsen-Schule Garding, Grundschule mit Außenstelle in Tetenbüll. Damit sind alle Schulen des Schulverbandes Eiderstedt in das Netzwerk eingebunden. Die Utholm-Schule ist auch Zentrum für Deutsch als Zweitsprache. So werden von den 165 Kindern hier siebzehn entsprechend gefördert und beschult. Durch die 120 Schülerinnen und Schüler des Nordsee-Internates reicht die „Strahlkraft“ über Deutschland hinaus sogar bis nach Südkorea, Mexiko und Brasilien.

Für Nationalpark-Schulen ist die Teilnahme von Lehrkräften an drei Netzwerktreffen pro Schuljahr verpflichtend. In ihnen erfolgt der gegenseitige Austausch von Ideen und Materialen. Expertenvorträge sorgen für die fachliche Fortbildung. Inge Heitmann ist an der Utholm-Schule als Fachvorstand für „Heimat, Welt und Sachunterricht“ (HWS) zuständige Koordinatorin. Sie wird am 1. März am Netzwerktreffen im Multimar In Tönning teilnehmen. Am 5. März ist der „Nationalpark Wattenmeer“ mit Evelyn Schollenberger dann Thema in einer Lehrerkonferenz.

Zur Unterzeichnung der Vereinbarung für eine Kooperation mit der Nationalparkverwaltung waren außer den beiden schon genannten anwesend Rektor Boy Möller und Schulelternbeiratsvorsitzende Jessica Friderici sowie seitens der Schülerschaft Raffael Ehlers, Bojana Velkowa, Milosz Lecijewski und Aedan Schrutke. Sie hoffen, nun auch mehr „draußen zu sein“ und wollen „gerne noch mehr über den Nationalpark erfahren“. Poster zu Vögeln hatten sie z.B. schon im Rahmen der Wanderwerkstatt der NPV gefertigt. Auf Strandmüllsammeln und Exkursionen freuen sie sich.

Inge Heitmann und Boy Möller hoben ihre bisherige Kooperation in Sachen Nationalpark Wattenmeer noch einmal hervor: „Mit der Unterzeichnung des Vertrages bekennen wir uns jetzt ganz bewusst zu unserer Mitverantwortung.“ Jessica Friderici setzte noch einen oben drauf: „Wenn nicht an dieser Schule, wo denn dann.“ Die Utholm-Schule ist durch viele Aktivitäten als „Zukunftsschule“ in Sachen Nachhaltigkeit anerkannt. Streuobstwiese, Ernährungsführerschein, Umweltimkerei, Bewegungserziehung und Abenteuerturnen (gemeinsam mit der Kita) gehören schon zur Schule dazu. Da ist die Kooperation mit der NPV nun ein weiterer besonderer Stein im Mosaik. Er steht für die Einbindung der Schule in das Nationalparkkonzept und das Weltnaturerbe Wattenmeer.

Hjr, 13. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Utholm-Schule - Lernblockaden abbauen JB- Febr 2018

Lernblockaden abbauen

 

Lina und Genta, Schülerinnen der Klasse 3b der Utholm-Schule, baten ihre Eltern und Geschwister nachmittags in die kleine Sporthalle zur Vorstellung ihrer „Zirkus-Schule“. Aber, … die Schuhe mussten draußen bleiben und das kontrollierten sie genau. Die „Magischen Kinder“, wie sich selbst nannten, wollten ihren Gästen zeigen, was sie bisher gelernt hatten. Jutta Hintze, zuständig für die Schulsozialarbeit, erinnerte daran, dass die Schüler seit dem 1. September mit Jens Lechte, Diplom Sozialpädagoge vom Familienstützpunkt Nordfriesland, spezielle Bewegungsübungen gelernt haben, um leichter zu schreiben, zuhören und sprechen zu können.

„Durch Bewegungen werden im Gehirn neue Wege gebahnt und vernetzt. Fähigkeiten werden neu entdeckt, Neugier entfacht, Lernblockaden abgebaut und das Selbstbewusstsein gestärkt. Dabei aktivieren und vernetzen die Übungen das Gehirn und schaffen neue Wege, durch die wir alle einfacher und besser lernen und die Ausdauer unseres Gedächtnisses trainieren können“, so Lechte.

Lilly, die Schüler-Lehrerin ließ ein Diktat schreiben. Die „Magischen Kinder“ saßen auf ihren großen Gummibällen, vor sich auf einem Hocker ihren Arbeitsbogen. Sie begann zunächst aber mit „Hook-ups“, Übungen, um sich auf das gemeinsame Arbeiten vorzubereiten. Die Gruppe der Clowns fragte laut im Chor nach dem Sinn einer Übung: „Wofür ist das denn gut?“ und erhielt Antwort von einer Klassenfee: „Damit wir besser denken können.“ Im Laufe des Diktates wurden die Clowns immer lauter und auch die Gäste wurden da zum Ende hin schon unruhiger, doch die Schüler schrieben weiter konzentriert und gaben ihre Arbeitsbögen ab. Sie hatten tatsächlich alle das Diktat geschrieben, nicht nur so getan, als ob. Zunächst Stille. War das eine Vorführung? Kein Spektakel, keine wilden Aktionen, ja, ein Beispiel in Echtzeit von ruhigen, gut gelaunten Schülern. Nach kurzer Verblüffung wurden sie mit ihrem verdienten Applaus und einer Urkunde belohnt.

Anschließend berichtete Klassenlehrerin Inge Heitmann, dass sie einige Übungen mit den Kindern schon jetzt im Unterricht anwende, damit diese ruhiger werden und sich besser konzentrieren können.

Jens Lechte versprach den Eltern auch noch einen Workshop zusammen mit den Eltern der Parallelklasse, sobald der Lehrgang mit diesen Schülern beginne.

Finanziert wird das Projekt durch die Wirtschaftsförderungsgemeinschaft St. Peter-Ording mit ihrem Vorsitzenden Werner Bruhn. Schulleiter Boy Möller zeigte sich erfreut über dieses Engagement und ist gespannt, wie der zweite Durchgang verläuft und ob sich kurz- und langfristige Resultate feststellen lassen.

184 resistente Ulmen zieren bald die „Wittendüner Allee“

 

St. Peter-Ording hat seine landschaftstypische Straße bald wieder

Der Anfang für die „neue“ Wittendüner Allee ist gemacht. Seit Ende Januar sind die Mitarbeiter der mit den Pflanzarbeiten vom Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) in Flensburg beauftragten Landschaftsbaufirma dabei, die Pflanzung von zusammen 184 resistenten Ulmen beiderseits der L 33 ab Feldhausweg (führt zum Flugplatz) bis zur Sielzugquerung (Brücke und Parkplatz L 33/Eiderweg) vorzunehmen. Diese Ulmenart wurde in Wisconsin (USA) gezüchtet und wächst gegen den Wind.

Der LBV hat damit sein Wort gehalten. Im März vergangenen Jahres hatte die Straßenmeisterei Wesselburen an die 200 Eschen beseitigen müssen. Sie waren vom Eschentriebspitzenpilz befallen und stellten durch abgestorbene Zweige und Äste eine zu große Gefährdung dar.- Das war im Februar vor einem Jahr der Aufreger gewesen. Die Gemeinde St. Peter-Ording intervenierte; es kam zu einem Gesprächstermin. Die Fällung war unvermeidlich, aber man verständigte sich in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland schließlich auf eine Nachpflanzung. Ärger hatten besonders die Art und Weise der Information seitens des LBV über diese Maßnahme und die Tatsache verursacht, dass Nachpflanzungen von Bäumen an anderen Straßen auf Eiderstedt vorgenommen werden sollten. Die Eschenallee war seit fast 100 Jahren sichtbares und landschaftstypisches Merkmal für St. Peter-Ording gewesen.

Die Nachpflanzung erfolgt seit genau 29. Januar bei laufendem Verkehr. Eigentlich hatte man das schon im Herbst machen wollen, aber die Witterungsbedingungen ließen das nicht zu. Auch jetzt regnete es wieder zu Arbeitsbeginn. Aus praktischen und verkehrstechnischen Gründen wurden zuerst nur die Stützen für die Baumhalterungen rechtsseitig Richtung Eidersperrwerk in den Boden gebracht. Bei den Grün- und Ackerlandzufahrten über den Zuggraben sind bewusst größere Lücken gelassen. Ansonsten wird die Allee so entstehen, dass das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederhergestellt wird. Das hat damit zu tun, dass es sich bei der Eschenallee um ein geschütztes Biotop gehandelt hat. Die Halterungen helfen jungen Bäumen, kräftige Wurzeln für ein gesundes Wachstum zu entwickeln. Deren Wurzelsystem benötigt eine oder mehrere Wachstumsperioden, bis es sich fest im Boden verankert hat. Je eher dies geschieht, desto schneller und gleichmäßiger kann der Baum Wasser und Nährstoffe aus dem Boden entnehmen und heranwachsen. Nach zwei bis drei Jahren ist die Anwurzelung beendet, so dass die Halterungen entfernt werden können.

Bereits in der zweiten Woche konnten bei bestem Winterwetter - von der Sielzugbrücke aus beginnend - die ersten vier Bäume einschließlich Halterung in den Boden gebracht werden. Auf dieser Seite erfolgt das Setzen der Halterungen und das Pflanzen der Ulmen kontinuierlich. Pro Arbeitstag sind es rund 10 Bäume. Bisher sind es 35. Vor der Pflanzung erhält jede Ulme einen sog. Erziehungsschnitt. Die kleinen Äste sollen nicht aneinander scheuern können. Insgesamt ist noch bis etwa letzte Februarwoche mit den Pflanzarbeiten zu rechnen. Eventuell lassen sich kurzfristige Straßensperrungen nicht vermeiden.

Hans Jörg Rickert, 10. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

 

Siehe auch unter www.jb-spo.de 2017

Febr.   Missfallen über die Fällung der Bäume in der Wittendüner Allee

März   Dialog mach eben Sinn

            Gestern gab es hier noch eine Eschenallee

„Lüch op“ – is Boßeltied an’n Diek

 

„Lüch op - Lüch op – Lüch op“, so klung dat düssen Sünnavend an’n Böhler Diek. De Boßelvereen St. Peter-Ording harr jüst mit twee Schott un 110 m Kiek ut gegen den Boßelvereen Tat’n wunnen. Jürgen Niehus, Vörsitter vun de Mannslüüd ut St. Peter, löövde de Tat’ner Mannschop üm ehren Vörsitter Ingo Hennings vunwegen de faire Wettstriet. En besünner Loff harr he för Petrus över. De harr de Boßlers en echt feine Boßelweller bescheert. Dat weer dröög mit’n lütt beten Sünnschien dör de Wulken un man wenig Wind.

Januar bet März in’t Johr is Boßeltied. De St. Peteraner Boßler dräägt ehre  Wettstried ut gegen de Boßler vun Garrn, Tönn, Tat’n, Heverbund, K-Bund, Oldenswort, Wesselburen, Mildeburg/Friesentreue. Jümmers so rund 20 Mann smiet gegeneen. Smeeten warrt an Böhler Diek un in Kaltenhörn. Ünschichti hebbt se Heimrecht. De Heimmannschop dörf sik utsööken, wo se smieten wüllt. Bi de St. Peteraner un bi de Tat’ner is dat eendoon. För beide is dat Böhl.

Op de anner Siet vun de Överfohrt to’n Böhler Strand weern de Manns- un Fruunslüüd vun den Boßelvereen „Baak un Diek“ an’t Smieten. Düsse Vereen höört to Böhl. Vörsittersch is Martina Owesen. Boßelt warr’t jümmers in‘n Februar an’n Sünnavend Nameddag för en Stünn vun Klock Dree an to’n Vergnöögen. Dat is to’n Ööven, denn an de letzt Sünnavend in Februar is denn in de Olsdorfer Krog Boßelball. Nameddags hebbt de Fruunslüüd gegen de Mannslüüd to smieten.

Vöörher sünd de Inlaaders ünnerwegens un sammelt för düsse Boßelvergnöögen. Dat hett in Böhl Tradition. In düsse Johr fieert „Baak un Diek“ sien fiefunsösstijährige Jubiläum.

Hans Jörg Rickert, 10. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Effektives Lerntraining mit Markus Hofmann in der Nordseeschule

 

Diese Woche begann für alle Schülerinnen und Schüler der Nordseeschule – Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil – St. Peter-Ording, ihre Lehrkräfte und abends auch viele Eltern einmal ganz anders. Sie lernten nicht Wissen, sondern sie sollten Lernmethoden kennenlernen, mit denen sie sich Wissen leichter, schneller und vor allem auch effektiver aneignen können. Schulelternbeirat und Förderverein hatten dazu Markus Hofmann für einen Tag in St. Peter-Ording engagiert. Dass es dessen Geburtstag war, erfuhren abends nur die Eltern. Im Laufe des Vormittags aber erfuhren zunächst die Schülerinnen der 5. bis 8. Klassen und danach die der 9. und 10. sowie die Oberstufenjahrgänge, wie man besser lernen kann.

Markus Hofmann begann seine berufliche Laufbahn als Bankkaufmann. Über Studium und Weiterbildung wurde er schließlich Gedächtnistrainer. Über „Wetten das?“ und auch „Schlag den Raab“ ist er öffentlich bekannt geworden.- Dreimal Lerntraining mit ihm zum Wochenanfang waren drei verschiedene Veranstaltungen, die inhaltlich ähnlich, aber jedesmal entsprechend der Gruppe anders aufbereitet waren. Den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Eltern hatte er versprochen: „Ihr werdet nach diesem Vortrag von euch extrem begeistert sein.“ Sie waren es! Alle waren sich darin einig, dass es interessant war und dass es mit ihm Spaß gemacht hatte. Hinsichtlich der Anwendung der Techniken waren die Meinungen unterschiedlich, aber nicht ablehnend.

Paul Boyens, Luca Touati, Manuel Pjetri und Lorenzo Alonso-Lauretta aus dem 7. Jahrgang der Gemeinschaftsschule bzw. des Gymnasiums äußerten sich so: „War recht gut. Am Anfang hatten wir wenig Motivation, aber die kam dann. Beim Vokabeln-Lernen hilft es, glauben wir. Das muss man mal ausprobieren. Spannend war es, wie schnell er sich das alles merken konnte.“ Damit meinten sie die zwanzig zwei- und mehrsilbigen Schlüsselwörter, die aus dem Forum gekommen waren und die er den Zahlen eins bis zwanzig bzw. umgekehrt zuordnen konnte. „Kuhglocke“ war sein Beispielwort gewesen, aber er wusste z.B. auch, dass „Fallschirmspringexperte“ der Nummer 16 zuzuordnen war. An Beispielen machte er sie mit seiner Form der Mnemotechnik mit mentalen Briefkästen, der Loci-Methode sowie der Zahl-Symbol-Technik vertraut. Er machte ihnen Lust auf Lernen über Bilder, Phantasie sowie Kreativität und motivierte sie für „irre“ Geschichten wie „ und aus dem Ellbogen taucht jetzt die ‚Titanic‘ auf.“ Da war es um das Merken der Zahl „14 15 04 19 12“ gegangen. Wer es nicht wissen sollte, dahinter steckt das Untergangsdatum der Titanic. Aber wer die Bundesländer bisher auch nicht gekannt hatte, konnte sie alle und mehr nach den eineinhalb Stunden mit Markus Hofmann aufzählen.

Den Größeren vermittelte er auch Hintergründe zu den Techniken, die Bedeutung der Verknüpfung der Hirnhälften, mit Hilfe des Verstandes alte Programme zu knacken und neue zu lernen, indem beim Falten der Hände der rechte Daumen eben nicht nur über den linken gelegt werden könne, sondern auch umgekehrt. Auch hier waren es wieder der Briefkasten, Bilder, Symbole. Der Einkaufszettel wurde mit Körperteilen verbunden, Orte wurden mit Begriffen verknüpft, Wissen mit zweistelligen bzw. dreistelligen Zahlen. Die Namen der Bundeskanzler und amerikanischen Präsidenten, die Länder Amerikas von Alaska bis Bolivien, die Sternzeichen kannten nun alle. Malte Nickel, Svenja Tietze, Lina Gericke und Jule Sönnichsen waren der Meinung: „War gut, hat was gebracht. Es sind Methoden, die man tatsächlich mal anwenden sollte.“

Die Eltern waren durch ihre Kinder bereits vorbereitet. Shirley aus der 8. Klasse hatte zu ihrer Mutter gesagt: „Das war einfach. Ich konnte mir alles merken.“ Sie, Petra Jacobs aus Kotzenbüll, fand es gut, dass in der Schule solche Aktionen über den Förderverein stattfinden. Auch die Erwachsenen erfuhren Neues, wussten nun aber zusätzlich, was ihre Kinder an diesem Tag an Methoden gelernt haben. „Wir wollten gerne, dass auch die Eltern und Erziehungsberechtigten über solche Lerntechniken informiert sind. So wird das Lernen miteinander auch innerhalb der Familie unterstützt“, meinten Iris Feyser und Andrea Voß vom Schulelternbeirat. Sie dankten Markus Hofmann für seine drei Vorträge an diesem Tag sowie der Schule und dem Förderverein für die Unterstützung dieser Veranstaltung.-

Wie hatte der Gedächtnistrainer noch gesagt: „Es gibt nichts, was du dir nicht merken kannst.“ Das nahm man ihm ab. Man muss eben nur wissen, mit Hilfe welcher Methoden es effektiver laufen kann. Auch die Gedächtnisweltmeister arbeiten mit solchen Methoden.

Hjr, 7. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Klimawandel und Regenwasser – Vortrag im Multimar Wattforum

 

„Es gab in den letzten sieben Monaten keine drei Tage ohne Regen“

Am 05. Oktober gab es in Schleswig-Holstein durch Starkregenfelder innerhalb kürzester Zeit Anstiege von 50 bis 60 mm. Das sind auf den Quadratmeter gerechnet 50 bis 60 Liter Regenwasser. Wenn in kurzer Zeit große Mengen Niederschlag fallen, sprechen Meteorologen von „Starkregen“. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert Starkregen ab einer Menge von fünf Millimetern in fünf Minuten oder 17 Millimeter innerhalb einer Stunde. Von heftigem Starkregen wird ab einer Menge von 25 Millimetern pro Stunde gesprochen. In den vergangenen 7 Monaten von Juli 2017 bis Januar 2018 gab es mehrfach Starkregenfelder zwischen 20 und 30 Liter pro Tag.

Das macht nicht nur den Wasserwirtschaflern der Wasser- und Bodenverbände bzw. den Deich- und Hauptsielverbänden wie dem DHSV Eiderstedt Sorge, sondern vor allem auch der Landwirtschaft, aber ebenso dem Hausbesitzer. So in etwa formulierte es Dipl. Ing. Matthias Reimers, Geschäftsführer des Marschenverbandes Schleswig-Holstein e.V. anlässlich seines Vortrages „Klimawandel und Regenwasser“. Dazu begrüßte ihn Dr. Gerd Meurs, Leiter des Multimar Wattforum in Tönning, im Rahmen des Projektes „BildungKlima-plus“ am 1. Februar 2018. Die 230 bereitgestellten Stühle reichten nicht aus. Mit denen auf Klapphockern oder stehend waren es mehr als 300 Interessierte. 130 etwa hatten sich angemeldet. Eigentlich hatte der Vortrag im Raum mit dem Großaquarium stattfinden sollen. Das war schon voraussehbar nicht möglich. Die Lösung mit dem Gastronomiebereich war optimal.

Dem Marschenverband Schleswig-Holstein e.V. gehören heute 22 Mitgliedsverbände an, unter ihnen der DHSV Eiderstedt an. Mitglieder des Verbandes sind die Wasser- und Bodenverbände der Westküste Schleswig-Holsteins - von der dänischen Grenze bis zum Randgebiet Hamburgs einschließlich der Inselverbände. Der Verband wurde 1930 gegründet. Er wahrt die gemeinsamen Interessen der Marschenlandschaften, wenn es um die Beherrschung des Wassers außerhalb und innerhalb der Deiche geht. Seitens der „Arbeitsgruppe Niederungen 2050“ hat man sich seit nun schon einigen Jahren intensiv mit den durch den Klimawandel bedingten Veränderungen auseinandergesetzt. Wesentliche Informationen findet man in deren Broschüre „Niederungen 2050“ (Stand 2016). Weitere Informationen hält die Broschüre „Weitblick Wasser“ des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände bereit.

Matthias Reimers hatte seinen Vortrag gegliedert in zunächst allgemeine Betrachtungen zur Wasserwirtschaft, ging danach auf die Historie und Zukunftsszenarien ein, berichtete gezielt über „Niederungen 2050“, erläuterte mögliche Handlungsschemata und informierte über Projekte. Klar wurde jedem: Wenn einer glaubt, ihn betreffe dieses nicht, dann irrt er. Es geht auch an sein Geld. Schutz vor Wasser, ob von Nord- und Ostsee her, ob von den Flussniederungen oder als Regenwasser von oben gibt es nicht kostenfrei. Überschüssiges Wasser aus dem Land muss weg. Auf Eiderstedt sitzen wir sonst in der „Badewanne“. Auch was an der östlichen Landesseite passiert, betrifft uns an der Nordsee. Schleswig-Holstein wird vorwiegend in Richtung Nordsee entwässert.*

Der Klimawandel macht sich stetiger und schneller bemerkbar. Vor 10.000 Jahren (Eiszeitenende) lag der Meeresspiegel ca. 80 Meter niedriger. In den nächsten hundert Jahren ist mit einem Anstieg von 40 bis 60 cm, eher mehr zu rechnen. Auch wenn niemand mit Bestimmtheit die Zukunft vorhersagen kann, so ist der klimawandelbedingte Anstieg des Meeresspiegels doch Gewissheit. Das Wetter scheint extremer zu werden und morphologische Veränderungen im Küstenbereich, vor allem im Watt, sind bekannt. Angesichts dieser Entwicklung sind Küstenregionen und insbesondere Niederungen **, wie es sie an der Nord- und Ostseeküste in Schleswig-Holstein gibt, mehr denn je gefordert, sich auf die möglichen Szenarien vorzubereiten.

Matthias Reimers informierte und machte deutlich: Küstenschutz sichern, Wattenmeer erhalten und im Blick auf die Gefahren durch Wasser aus dem Inneren des Landes zu handeln sind unsere Möglichkeiten. Mit den Klimadeichen werden schon Voraussetzungen geschaffen. Der Schutz des Wattenmeeres ist alternativlos. Weitere Vordeichungen führten auch zu weiteren Aufschlickungen und lösten die Entwässerungsproblematik nicht. „Wir sind hier einer großen Dynamik ausgesetzt, die Einfluss auf die Entwässerung hat.“ Anstelle der Entwässerung über Siele – heute 50 Prozent – werden mehr Schöpfwerke erforderlich. Zu deren Betrieb kann Windenergiestrom genutzt werden.  „Wir wissen heute schon, was auf uns zukommen wird.“ Angst brauchten wir nicht zu haben. Die Probleme würden im Rahmen eines Prozesses angegangen.

Die nachfolgenden Fragen und auch Diskussionen zeigten auf, dass es bei verschiedenen Meinungen und Interessenlagen eine an uns alle gerichtete und zu meisternde Gemeinschaftsaufgabe ist. Wir müssen uns auf Veränderungen in allen Bereichen - nicht nur in der Landwirtschaft - einstellen, sondern uns bewusst sein, dass die Bearbeitung dieser Probleme eine Herausforderung an jeden einzelnen ist.

Hans Jörg Rickert, 4. Februar 2018, www.jb-spo.de

 

Zusatzinformationen

* Das Quellgebiet z.B. der Eider (188 km lang) liegt südlich von Kiel. Die Treene hat mit der Bondenau ihren Ursprung mitten in Angeln bei der Gemeinde Mohrkirch. Die Überflutungen in Kellinghusen durch die Stör sind landesweit bekannt. Sie entspringt südöstlich von Neumünster bei Willingrade (Kreis Segeberg) und bringt ihr Wasser bei Ivenfleth nahe Glückstadt über die Elbe in die Nordsee.

** Etwa ein Fünftel der Fläche unseres Bundeslandes besteht aus Niederungsgebieten. Rund 3150 km² davon liegen unter 2,5 m über Normal Null, 2930 km² davon in den Bereichen der Elbmarschen, in Dithmarschen, Eiderstedt , Nordfriesland sowie im Gebiet von Eider, Treene und Sorge. Die tiefste Landstelle von Schleswig-Holstein befindet sich mit 3,539 Meter unter Normalnull in Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch.

Schüler helfen bei Dünenpflegearbeiten am Südstrand

 

Winter ist die Jahreszeit, in der Dünenpflegearbeiten durchgeführt werden können. Im FFH-Gebiet „Dünen St. Peter“ werden die groben Arbeiten von Mitarbeitern des Deich- und Hauptsielverbandes Eiderstedt mit schwerem Gerät vorgenommen. Ziel ist es, die offene Dünenlandschaft dort, wo noch kein geschlossener Wald ist, zu erhalten. 153 Hektar Dünen umfasst das FFH-Gebiet, für das die Schutzstation Wattenmeer 2017 die Schutzgebietsbetreuung übernommen hat.

Die Schutzstation betreut in St. Peter-Ording auch den Nationalpark und betreibt das Nationalparkhaus (NPH) in der Dünen-Therme, das von Diplom-Biologin Sabine Gettner geleitet wird. Zu ihrem Team gehören sechs Freiwilligendienst leistende junge Leute, die nicht nur im NPH tätig sind, sondern vor allem auch draußen. Zu ihren praktischen Aufgaben gehört im Winter die Dünenpflege. Sie betätigen sich dort als „Pflanzenjäger“ und bei Aufräumarbeiten, nachdem der DHSV seinen Teil erledigt hat. Schnittgut und ausgerissene Pflanzen müssen ab einer gewissen Größe aus dem Gebiet entfernt werden, da sie im Sommer eine Brandgefahr darstellen. Zum Aufnehmen des Sammelguts steht im Gebiet eine sogenannte „Mulde“ auf einem Hänger bereit, die vom Deich aus gut zu sehen ist. Auch die Fahrspuren des Baggers sind noch deutlich sichtbar, aber offene Bodenstellen sind für viele typische Dünenpflanzen überlebenswichtig, um zu keimen. Damit maschinelle Einsätze nicht so schnell wieder erforderlich werden, werden kleine Jungbäume, besonders Kiefern, die der Baggerfahrer nicht entfernen kann oder übersehen hat, von Hand ausgerissen. Viele Hände sind da eine Hilfe.

Schon im Dezember waren Schülerinnen und Schüler des Gemeinschaftsschulteils der Nordseeschule einmal mit der Schutzstation unterwegs. Nun waren sie erneut mit ihrem Lehrer Robert Sonntag dabei. Statt Biologieraum sind die Dünen für die Zehntklässler praktischer Lernort an diesem frühen Nachmittag. Robert Sonntag unterrichtet sie im Wahlpflichtkurs „Naturwissenschaften“. Zwei weitere Termine im Februar stehen schon fest. Sabine Gettner freut sich über diese Kooperation mit der Schule, die auch von der Gemeinde sehr begrüßt wird: „Das ist für uns eine ganz große Unterstützung.“ Markus Rode aus der Schülergruppe sagte: „Wir machen das, um die Dünenlandschaft zu erhalten und die Sukzession aufzuhalten.“ Zu den „eingewanderten“ Arten, die von Natur aus hier nicht vorkommen würden, gehören Kiefern, aber auch das Kaktusmoos.

Je etwa vier Schüler waren mit einem der Freiwilligendienstler Lasse Cornelius, Florian Ganz, Tristan Hacke und Johannes Schneider unterwegs. Das Wetter spielte mit: Schöner konnte es gar nicht sein an diesem Wintertag, an dem sich die Dünenlandschaft in einem besonderen Licht präsentierte. Das Licht und die Landschaft mit den gefrorenen Wasserflächen in den Dünensenken sorgten zusätzlich für Naturerlebnisse. Zwei Rehe, die durch die „Aufräumer“ aufgescheucht worden waren, verfolgten die jungen Leute mit ihren Blicken. Drei Stunden später hatten sie ihren Lebensraum wieder für sich.

Hjr, 06. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Schnell einmal in die „Tätowierstube am Meer – fest verankert“

 

Julia Hehlert-Friedrich, Claudia Rinne und Ulrike Wilker kommen nicht nur einmal im Jahr nach St. Peter-Ording. Dieses Mal aber waren sie wirklich nur „schnell einmal“ aus Wedemark bei Hannover gekommen. Alle drei haben eine Passion für Islandpferde. Unter Freuden dieser Pferderasse sind sie auch nicht unbekannt. Dass vom 2. bis 6. Juni in diesem Jahr auf dem „Eichenhof“ in Grothusenkoog ein Turnier ist, teilten sie in diesem Zusammenhang mit.

Seit April 2017 hat Dennis Gatke in der Dorfstraße seine Tätowierstube eingerichtet. Julia hatte bei ihm einen Termin. Zwei Tattoos hatte sie schon oberhalb des Handgelenkes, eines auf dem rechten, das andere auf dem linken Arm. Links waren es Initialen und rechts ein Anker mit „N 63° 59 32 und W 13° 5 15“. Hier sollte sich noch eine „Nordseewelle“ anschließen. Klar war, dass die Standortangaben nicht für SPO standen. Die Nordseewelle konnte aber ebenso für St. Peter stehen. Auf dem linken Arm war oberhalb ein Kompaß dargestellt: In der Mitte ein „H“, dann von Richtung Norden ausgehend „B, G, P, A“. Dieses Tattoo war gerade entstanden. Die Buchstaben stehen für Namen – natürlich von Islandpferden. Bevor nun die Nordseewelle in Arbeit ging, wurde hier noch einmal antiseptisch behandelt. Ein neues Tattoo muss anfangs regelmäßig mit Wund- und Heilsalbe gecremt werden, damit es beim Heilen nicht trocken verschorft. Die beim Stechen des Tattoos verwendeten Einwegnadeln werden entsorgt.

Zwischendurch schaute Emely Diekmann vom Beach-Motel rein. Sie brachte Informationsmaterial. In St. Peter-Ording arbeitet man zusammen. Dann kamen Wiebke Horstmann aus Cuxhaven und Maximilian Seeck aus Stade. Auf Urlaub in St. Peter-Ording wollte sie gerne ein kleines Tattoo seitlich an ihrem Ringfinger. „Ungern“, sagte Dennis Gatke und informierte sie über den schwierigen „Heilungsprozess“ an einer solchen Stelle. Er empfahl ihr, sich wegen besserer Optik und Haltbarkeit der Tätowierung für eine andere Körperstelle zu entscheiden. Kurz danach waren es Martin Kunze und seine Frau.

Innerhalb nicht einmal einer Stunde war immer etwas los in der Tätowierstube. „Ich bin gut ausgebucht“, meinte Dennis. Er machte dann noch darauf aufmerksam, dass er sich im Rahmen der Romantikwoche „Verliebt in SPO“ vom 14. bis 21. Februar am verkaufsoffenen Sonntag, 18. Februar von 12 bis 20 Uhr mit einem „Kiek In Tach“ beteiligt. Steht auch im Programm-Flyer. Zur Auswahl stehen handflächengroße Motive; die direkt an diesem Tag gestochen werden können.

Mit seiner kleinen Familie würde er sehr gerne in St. Peter-Ording wohnen. Sie haben eine fünf Monate alte Tochter und suchen ein Haus oder eine Wohnung mit Garten.

Hans Jörg Rickert, 04. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Große Freude auf allen Seiten über das Jos

 

Große Freude herrschte bei allen Beteiligten bei der offiziellen Einweihung des Jos. Immer wieder gab es Beifall, ob nun bei der Eröffnung und Begrüßung durch Schulverbandsvorsteher und Bürgermeister Rainer Balsmeier oder bei den Grußworten von Ralf Wusterbarth seitens der Nordseeschule, Iris Feyser des Schulelternbeirats, Amtsvorsteher Christian Marwig, Norbert Limberg vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) aus Flensburg, zuständig für die „ländliche Entwicklung“, und Sandra Philippsen, die das Haus gemeinsam mit Daniel Schädler und zusätzlicher Unterstützung von Iris Schmidt gemeinsam mit dem Jugendgremium im Team leiten. Die Verantwortlichkeiten sind dabei eindeutig geregelt, aber nur im Zusammenwirken funktioniert das Ganze. Das ist hier in einmaliger Weise gelungen und war offensichtlich. Galt der Beifall nun dem Redner? Galt er dem Inhalt seiner Rede? Galt er denen, an die die Worte auch des Dankes gerichtet waren? Oder galt er dem Jos als Einrichtung selbst? – Er galt eindeutig allem! Das Jos ist eine Kombination von Jugendzentrum, offener Ganztagsschule und Schulsozialarbeit mit einem ganz eigen dafür entwickelten in sich stimmigen Konzept.

Dazu sagte Rainer Balsmeier in seinem Rückblick: „Es entstand die Idee, offene Ganztagsschule und Jugendzentrum an einem Ort zusammenzubringen, und ein neues gemeinsames Angebot für die Jugendlichen in St. Peter-Ording und auch aus der Region zu schaffen. Positiv kam hinzu, dass ein Wettbewerb vor der Tür stand, nach dem das Land Schleswig-Holstein jährlich ein Auswahlverfahren für Leitprojekte im Rahmen der integrierten ländlichen Entwicklung durchführte. Dabei haben Schulverband Eiderstedt und Gemeinde St. Peter-Ording sich mit einem überzeugenden Konzept landesweit durchgesetzt.“ Bei Kosten von 1.067.000 € und einer Förderung von 676.000 € übernehmen Schulverband und Gemeinde die Finanzierungslücke zu gleichen Teilen.- Norbert Limberg äußerte: „Mit Ihrem Projekt habe Sie einen Meilenstein in Schleswig-Holstein gesetzt. Es ist kein Riesengebäude, aber das Leben darin ist riesig.“ Die Stärkung der Lebensqualität des ländlichen Raumes werde an diesem Standort aufgrund des zugrundeliegenden Konzeptes nachhaltig verwirklicht. Christian Marwig betonte den reibungslosen baulichen Ablauf und erinnerte, gerichtet an Rainer Balsmeier, an die Entscheidung für das Jos: „Sie kamen mit Ihrer Idee rein, und wir alle gingen mit ihr raus.“- Der gesellschaftsbedingten Änderung der Schulwirklichkeit werde mit dem Jos in die Zukunft gerichtet Rechnung getragen. Ralf Wusterbarth hatte das ebenfalls festgestellt und die Notwendigkeit dieser neuen Einrichtung bestätigt. Er sparte nicht mit Anerkennung für das Team des Hauses: „Frau Philippsen und Herr Schädler ist es schon während der Bauphase gelungen, die Schüler für das Jos zu begeistern. Unter anderem führten sie einen Logo-Wettbewerb durch, der ungeahnte Resonanz erfahren und kreative Schübe freigesetzt hat. …. Auch über die Einrichtung und Ausgestaltung der Räumlichkeiten wurden von den Schülern Vorschlage eingereicht und weitgehend umgesetzt. So gelang eine wunderbare Symbiose von Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung.“ Die Schüler haben das Gebäude in kürzester Zeit in Besitz genommen, und es ist zu einem wichtigen Bestandteil der Schule geworden, war sein Fazit.

Sandra Philippsen verband ihren großen Dank im Namen des Teams und vor allem der Jugendlichen mit Informationen über die Arbeit im Hause: „Wir haben hier ein super Gebäude hingestellt bekommen. Wir durften von Anfang an unsere Wünsche und Vorstellungen mit einbringen, und wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist.“ Wollten die Jugendlichen die Idee der Mitbestimmung über ein Jugendgremium überhaupt, war eine der Unwägbarkeiten gewesen. Sie wollten und das konstruktiv, wie alle Anwesenden schon für sich festgestellt hatten. „ …. Und auch heute sind die Teilnehmer des Jugendgremiums wieder mit dabei – in der Vorbereitung und Planung, in der Durchführung und bestimmt auch beim Aufräumen!“

Seit November ist das Jos Anlaufstelle für Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und junge Erwachsene. Zwei lichtdurchflutete Großräume von ca. 100 Quadratmeter, Konferenzraum , Büro, Rückzugsraum, Beprechungszimmer und Eingangsbereich mit Toiletten und Lagerraum sind in dem Gebäude auf dem Areal des Nordseegymnasiums der Nordseeschule zu finden, in das es sich so einfügt, als gehörte es schon immer dazu.

Viele Besucher überzeugten sich im Laufe des Nachmittags von der Arbeit im Haus und dem Engagement, von dem es lebt. JiMs Bar war mit dem neu kreierten alkoholfreien Cocktail „Exotic Rainbow“ vertreten. Fünfzehn Jugendliche waren an Stationen wie dem Dart Contest, in der Malecke und am Kuchen- und Getränkebuffet im Einsatz. Der Freudefunke sprang über. Die vielen Teilnehmer anlässlich der offiziellen Eröffnung ließen ihre Freude in der benachbarten Mensa von Schule und Internat bei Kaffee und Torten und Gesprächen ausklingen.

Stellvertretend für die am Bau beteiligten Firmen seien hier JF Architekten und Stadtplaner aus Husum genannt. Mit den Glückwünschen für viel Erfolg in den Räumen gab es einen Gutschein für das Jos mit Bildern von Bauabschnitten und dieser Zeile: “Als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit möchten wir dem Jos eine Spende zukommen lassen.“

Hans Jörg Rickert, 03. Februar 2018, HN und jb-spo.de

TZ im Dialog: Urlaub mit Handicap – Barrierefrei in St. Peter-Ording

 

Zusehends füllte sich das Dünen-Hus zur ersten Veranstaltung TZ im Dialog in diesem Jahr. Insgesamt war es die 21. mit einem höchst aktuellen und super aufbereiteten Thema zur Barrierefreiheit. Diese Thematik aufzunehmen, war Wunsch vieler gewesen, berichtete Tourismus-Direktorin Constanze Höfinghoff anlässlich der Eröffnung dieser Dialogveranstaltung. Sie war spannend und informativ und überschritt die eineinhalb Stunden, weil auch keiner gehen wollte, bis es wirklich passte. Es hätte noch länger dauern können, denn die Aufmerksamkeit war überaus groß und hielt bis zum Ende an.

 

Ekkehard Pauls aus St. Peter-Ording hatte sich mit seinem Gefährt auch auf den Weg gemacht. Er wohnt seit acht Jahren in St. Peter-Ording und ist seit drei Jahren deutlich an MS erkrankt. Von Hamburg aus, wo er als Lehrer tätig gewesen war, „pendelte“ er schon früher nach St. Peter-Ording, wenn es die Zeit zuließ. Zunehmend schränkte die Krankheit seine Aktivitäten dann ein. Von draußen konnte er mit seinem „Easy Rider“ – es ist ein elektrisch unterstütztes Dreirad, das wie ein „Pedelec“ zu handhaben ist - durch den Eingangsbereich bei nur einer geöffneten Tür in den Saal hineinfahren. In der letzten Reihe hatte er dann seinen Platz eingenommen. Sein Fahrzeug hatte er in unmittelbarer Nähe zu sich abgestellt. „Gespannt“ sei er auf diese Veranstaltung, sagte er. Er wolle der „Harmonie“ durchaus ein paar „kritische Töne“ beimischen. Das tat er dann auch, doch fielen diese weniger „hart“ aus als vielleicht angedacht, weil sie erforderlich waren und wichtige zusätzlich Impulse zu geben vermochten. Für sich bilanzierte er eine „brauchbare Mischung aus Informationen und Anregungen“, fand den Ablauf interessant und betonte den hohen Praxisanteil.

Dass „Praxis und Theorie“ hier gleichermaßen berücksichtigt wurden, dafür sorgten schon das Ambiente mit bereit gestelltem elektrisch betriebenen Strandrolli sowie Schieberolli – sind buchbar - und besonders die handelnden Personen. Das waren Christopher Heck aus Billigheim im Neckar-Odenwald-Kreis mit dem dualen Studiengang „gehobener Verwaltungsdienst“, der von Juni bis August 2017 im Rahmen seines Praktikums mit dem ebenfalls anwesenden „Rolli-Fahrer“ Hans Böttcher, Beauftragter der Stadt Husum für Menschen mit Behinderung, einen Praxistest gemacht hatte, sowie Thomas Kröger Hausleiter des barrierefreien Hotels „Haus Windschur“ im Strandweg in St. Peter-Ording. Der 22jährige Student und der Rollifahrer berichteten anschaulich über den Test, auf dessen Grundlage auch der Leitfaden „Urlaub mit Handicap – Barrierefrei in SPO – Tipps für Ihren Aufenthalt“ entstanden ist. Dieser wurde damit gleichzeitig vorgestellt und ist höchst empfehlenswert für alle. Der 16seitige Flyer stellt Informationen bereit, wie der Aufenthalt für mobilitätseingeschränkte Personen einfacher und entspannter gestaltet werden kann, und ist erhältlich in den TZ-Info-Centern. Im Zuge von dessen Vorstellung gab es immer wieder Ergänzungen aus dem Publikum, wo noch etwas zu verbessern wäre. Das betraf u.a. die Stege und das Mittelfeld der Seebrücke bei Verwehungen, aber besonders die Stelle, an der Promenadendeich und Seedeich beim „Goldenen Schlüssel“ ineinander übergehen. Hier sei dringender Handlungsbedarf. Bemängelt wurde u.a. aber auch, dass nicht in allen Bussen am Ort die notwendigen Voraussetzungen gegeben seien.

Seitens Hans Böttcher fiel das Urteil für St. Peter-Ording im Hinblick auf Barrierefreiheit im Urlaub dennoch positiv aus, denn man habe hier die „Barrierefreiheit“ im Blick und auch schon vieles auf den Weg gebracht. Gemäß § 4 des Behindertengleichstellungsgesetzes bedeutet Teilhabe für Menschen mit Handicap: „Barrierefrei sind Bauten und weitere Anlagen, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe, zugänglich und nutzbar sind.“ Er räumte ein, dass nicht jede Destination alles ermöglichen könne, aber sofern es einigermaßen ginge, „möchte ich das verwirklicht sehen“. Auch machte er deutlich, dass die Notwendigkeit von Barrierefreiheit zunehmen werde. Heute sind zehn Prozent der Menschen in Deutschland auf Barrierefreiheit angewiesen.

Die Vorstellung des „Hauses Windschur“ machte bewusst, was alles möglich sein kann und wie das Haus auf Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit einzugehen vermag. Das gelang Thomas Kröger beeindruckend. Wie wichtig dabei das Gespräch mit dem künftigen Gast ist, machte nicht nur er bewusst, sondern ergänzte Inge Reimer vom „Ferienhaus Garding - ….rollstuhlgerecht genießen“. Mut gemacht wurde auf diese Art auch anderen Anbietern, ihre Quartiere so weitestgehend wie möglich barrierefrei zu gestalten. Im Kontaktgespräch bei Buchung ist mit dem künftigen Gast alles „wahrheitsgemäß“ abzuklären. Gerade mobilitätseingeschränkte Gäste behandeln das Haus pfleglich, denn „sie wollen gerne wiederkommen“, sagte Inge Reimer. Man lerne vor allem auch Menschen mit besonderen Erfahrungen kennen. Deren Anregungen für die Gestaltung der Räumlichkeiten seien zusätzlich wertvoll.

Fazit: Hatte man sich in dieser Veranstaltung auch vorwiegend der „Barrierefreiheit“ bei eingeschränkter Mobilität (53 % der Menschen mit Handicap) zugewandt, also Einschränkungen z.B. beim Sehen und Hören sowie von Geburt an oder psychisch bedingt nur am Rande gestreift, so war es für die insgesamt fast 50 Teilnehmer ein Abend, der das Bewusstsein für Barrierefreiheit nicht nur gestärkt, ja auch wesentlich geweitet hat.

Hans Jörg Rickert, 1. Februar 2018, HN und www.jb-spo.de

Martin is wedder dor!

 

Böhler Weg, Dünnerstag, 1. Februar 2018, Klock dree an Nameddag:

Martin, de witte Goos, is wedder dor! – Vöör dree Monate is he dat letze Mol an’n Feldhusweg sehn wurrn. Dor humpel he so’n beten. Nu is he wedder good to Foot. Wat’n Glück!. De Voss hett em ni kreegen!

Hans Jörg Rickert, 01. Februar 2018

Kiek ok

www.jb-spo.de  2017  Oktober 2  „Kunn dat wohr ween?“

Wirtschaftsplan der Tourismus-Zentrale vorgestellt

 

Vor Eintritt in die Tagesordnung nutzte der Vorsitzende des Tourismus-Ausschusses Tim Schäfer (AWG) die Eröffnung der ersten Sitzung des Tourismus-Ausschusses im Jahr 2018 zu einem wertschätzenden Dank an Bürgermeister Rainer Balsmeier und gleichzeitig zur Begrüßung von Constanze Höfinghoff als nun Tourismus-Direktorin. In Doppelfunktion hatte der Bürgermeister seit mehr als neun Jahren zusätzlich das Amt des Tourismus-Direktors inne. Seit August 2014 war Constanze Höfinghoff bisher seine Stellvertreterin. Die Gemeindevertretung hatte die Verteilung der Funktionen wieder auf die vormals geübte jahrelange Praxis zurückgeführt (wir berichteten). Danach ging es schnell hin zum wichtigsten Punkt der Tagesordnung: Vorstellung des Wirtschaftsplans 2018 der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording. Diese nahm absprachegemäß Rainer Balsmeier vor.

Als Eigenbetrieb der Gemeinde St. Peter-Ording hat die TZ einen solchen Wirtschaftsplan vorzulegen. Er ist eine Anlage zum Haushaltsplan der Gemeinde und wird damit ebenso im Finanzausschuss beraten. Beschlossen wird er nach Abchluss aller Beratungen seitens der Gemeindevertretung. Der Kommunalaufsichtsbehörde ist er anschließend zur Genehmigung vorzulegen. Er ist das Papier, das den Rahmen für das Wirtschaftsjahr vorgibt und zusätzliche, auch in die Zukunft gerichtete Aussagen macht. Erfolgsplan, Vermögensplan und Stellenübersicht sind die wesentlichen Teile. Dazu kommen Anlagen zum Wirtschaftsplan und Fremdenverkehrsstatistiken. Er schließt ab mit dem Finanzplan und gibt die Höhe der Verpflichtungsermächtigungen im Vermögensplan an. Von Kosten und Erträgen aus Messen und Veranstaltungen, Reisekosten und Gehältern über Erneuerungen von u.a. Stegen, Podesten, Pfahlbauten bis hin zu Toiletten, Strandkörben und geringwertigen Gütern (bis 800 €), Erlösen aus Anwendungen, in Dünen-Therme und Sauna, Parkentgelten, Tageskurgabe gibt es für alle Positionen. 127,82 Vollzeitstellen weist der Plan aus, darunter sind 10 Azubis. Die TZ hat damit deren Anzahl in den letzten Jahren verdoppelt. Man will dem Fachkräftemangel begegnen und hofft gleichzeitig darauf, gut ausgebildete junge Leute hier halten zu können. Die gegenüber 2017 insgesamt um rund acht Stellen erhöhte Zahl ist auf u.a. die Übernahme von Mitarbeitern aus der Tourismus-Service-GmbH in die TZ zurückzuführen.

Im Erfolgsplan werden für die Tageskurabgabe Einnahmen in Höhe von 1,188 Mio € kalkuliert. Dieser Wert ist auf den Durchschnitt der letzten fünf Jahre (2013 bis 2017) angepasst. So ist ebenfalls bei den anderen wetterabhängigen Positionen wie Strandkorbvermietung (375.000 €) und Parkentgelte Strand (695.200 €) verfahren worden. Größere Mehraufwendungen finden sich unter Materialaufwand. Der Personalaufwand erhöht sich um 415.000 € gegenüber 2017. Eine Tariferhöhung um 2% hat man dabei berücksichtigt. Der Erfolgsplan schließt mit einem Verlust von 204.240 € ab. Er wird mit den Gewinnen aus den Jahren 2010 bis 2016 mit knapp 4,5 Mio € und dem prognostizierten Gewinn aus 2017 in Höhe von 1,673 Mio € ausgeglichen.

In den Vermögensplan wurde als größere Maßnahme mit 250.000 € wieder eingestellt die Versorgungsleitung Ording Nord (FKK). Das Mehrzweckgebäude schlägt dort mit 2,590 Mio € (70 % Förderanteil in Aussicht) zu Buche. Eingeplant sind auch die im Jahr 2018 fälligen ersten Teilinvestitionen für das Projekt Promenade II mit 1 Mio € (70% w.o.). Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 3,765 Mio € gibt es für das Gebäude Gastro Promenade Teil II mit 765.600 €, Seekiste und Strandbar 54°Nord mit jeweils 1,5 Mio €. Sie sind erforderlich, damit man im Fall der Fälle auch handeln kann. Allgemein ist davon auszugehen, dass bei allen Holzbauten wie Podesten, Stegen, Treppen im Abstand von drei bis fünf Jahren Erneuerungen notwendig sind.- Ein allgemeiner Investitionskredit wird nicht benötigt, da sich alle Investitionen aus Abschreibungen und Gewinnvorträgen abzüglich Tilgungen ergeben. Die bis 2021 geplanten Investionen sind ohne Kreditaufnahmen durchführbar.

Constanze Höfinghoff berichtete zum Jahreswechsel von einem positiven Verlauf der Silvester-Veranstaltungen mit Lauf (190 Teilnehmer!) und Feuerwerk - trotz der besonderen Schlechtwettersituation. Auf TZ im Dialog mit der Thematik „Barrierefreiheit“ für Gäste mit Handicap und Ergebnisse der Gästebefragung 2017 sowie Information zum Tourismus-Entwicklungskonzept Eiderstedt am 28. Februar wies sie hin, ebenfalls auf die Veranstaltungswoche „Verliebt in SPO“ im Zusammenhang mit der „Biike“ als attraktives Programm in der Nebensaison.- Rainer Balsmeier bilanzierte für 2017 eine Ankunftsanzahl von mehr als 380.000 Gästen und 2,4 Mio Übernachtungen. Trotz des schlechten Wetters 2017 habe es nur 2000 Tagesgäste weniger gegeben als 2016.

Hjr, 30. Januar 2018, HN und www.jb-spo.de

Plattdüütsch in’t Pastorat – Geschichten un Leeder

 

Inge Lorenzen un Karl-Peter Kööp, de beiden kennt sik ut ehre Schooltied in de eenklassige Dörpschool in Vollstedt. In Sandkasten hebbt se tosamen mit de annern veerteihn Kinnner speelt. Af un an sünd se nu ok wedder en Gespann. Denn geiht üm Plattdüütsch. Dat is ehr beider Moderspraak. Inge steiht op Leeder, Karl-Peter op Geschichten. He snackt ni blots platt, he schrifft ok. Dat hett Inge mitkreegen, un as sik de beiden mol bemött, hett se em fragt, wat he ehr ni en Text op Ingelsch vun to’n Bispill Janis Joplin op Platt översetten kunn. Dorbi is dat ni bleeven. He hett ehr so ganz feine Leedtexte maakt, so ok en vun de „Doden Büxen“. Dor kunn sik dat Karl-Peter avers as Kommentar ni verkniepen un sä to Inge: „Dat is avers en hocherotischen Text.“ He hett dor liekers en echt klasse plattdüütschen Text ut maakt.

Ni blots düssen Text hett Inge Lorenzen nu annerletzt in en Stuvenkonzert in‘ t Oldensworter Pastorat sungen un op ehr Gitarr dorto speelt, ok en Text vun Hannes Wader, Reinhard Mey un annere. Op Plattdüütsch harr Karl-Peter Kööp de meisten bröcht. He hett denn twüschen dörch sien Geschichten to‘ n Besten geeven, de vun Iowa, wo bald keen Platt mehr snackt warrt, ok de vun sien Vadder, de Senoussi smöken dä un för een‘ Dag na dörti Johren mol op Urlaub wedder na Huus kamen weer. Vun Rod-Gröön hett he ok vertellt un ok vun Sylt.

Dat weer en ganz feine Avend mit de beiden. Organiseert harr dat Pastorin Inke Thomsen-Krüger tosamen mit den Ortskulturring. Geev Tee pur, ok Teepunsch, wenn wullt, ok Kräutertee, dorto Pletten. Dat weer richti nett deckt in de Pastoratsstuven vun de Wahnstuuv bet to de Studierstuuv. Harr’n man geern duppelt so veel Lüüd kamen kunnt. Se harrn dat wiss ni blots kommodig funnen, harrn sik ok vun Harten freien un lachen kunnt as wi. Nadenken kunnst ok.

Hans Jörg Rickert, 03. Februar 2018, HN un www.jb-spo.de

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